Landesgartenschau in Furth im Wald: Ein Tag bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle

Von Johannes Schiedermeier · 31. Januar 2024 um 05:00

Was machen die zehn Mitarbeiter der Landesgartenschau-Geschäftsstelle in Furth eigentlich. An einem ganz normalen Dienstag haben wir jeden von ihnen gefragt: „Was steht heute an?“ Das Ergebnis: Ein Event fällt in den Laufschritt und Furth soll mit...

Zehn Mitarbeiter hat die Geschäftsstelle der Landesgartenschau momentan. Eine elfte Stelle ist ausgeschrieben. Sechs davon sind halbtags besetzt. Die Gartenschau war von Anfang an ein ganz ungewohntes Unterfangen. Schon damals, als Geschäftsführer Herwig Decker noch ganz alleine in der ehemaligen Kinderarztpraxis saß, in der Dr.-Adam-Voll-Straße 1, Block C.

Direkt neben dem Cafe, zwischen vier Kinderklos und zwei Erwachsenentoiletten, an einem 90 Grad abgewinkelten Gang mit leeren Zimmern. Dann bekam er auch noch sein Gehalt nicht. Schließlich rief er im Rathaus an, um zu erfahren, dass er es sich selbst überweisen muss. Aller Anfang...

Das Problem mit den Jobs

Die Zimmer sind jetzt besetzt. Das war nicht unproblematisch, sagt Decker. Schließlich sind die Jobs speziell und laufen 2025 wieder aus. Dazu kommt, dass die gesuchten Posten bei Kommunikation und Marketing meist von hochdotierten „Großstadtpflanzen“ belegt sind. Mit den Tarifen dort kann das Gartenschau-Budget nicht mithalten.

Insofern war die neue Pressereferentin nicht nur eine alte Bekannte für Furth, sondern auch ein Glücksgriff. Heidi Wolf kennt die Tageszeitung und den Rundfunk aus langjähriger Berufserfahrung und hat ein Herz für Furth. Gerade macht sie mit dem Büroleiter des Umweltministers Thorsten Glauber aus, was bei „Blick über den Bauzaun“ Programm sein soll. Sie hat zugesagt, obwohl sie eigentlich ihren Ruhestand genießen könnte, weil sie überzeugt ist und eine Mission hat: „Ich bin hier als Kind Rad gefahren und war später im Lido und im Ratskeller unterwegs. Ich bin überzeugt, dass das eine große Chance für Furth ist. Ich will, dass sich her wieder was bewegt.“

Geschäftsführer Herwig Decker (59) hat anschließend ein Marketing-Meeting und spricht mit Wolf die Pressetermine ab. Was nach 2025 passiert, da macht er sich keine Sorgen: „Ich war 25 Jahre Freiberufler. Da schließt sich schon irgendwas an“, sagt er. Der Gartenschau-Betrieb sei etwas, was man entweder liebe oder hasse. „Alle erzählen, dass man hinterher völlig herunter ist und erst eine Erholungszeit braucht. Ein paar Wochen später kribbelt es schon wieder...“

Am Ende sollen 137 Tage Programm stehen

Ruth Fischer ist zum Dreh- und Angelpunkt an der Theke geworden. Die Sekretärin bezeichnet sich selber als „Mädchen für alles, das nicht immer alles kann“. Schließlich ist sie als gelernte Kindergarten-Leiterin eingestiegen. Bei den vielfältigen PC-Jobs stößt sie noch an ihre Grenzen, dafür punktet sie mit flottem Steno. „Man merkt schon, dass es jetzt immer schneller wird. An manchen Tagen haben wir weniger Zimmer als Besucher und Besprechungen.“

Ein Stück weiter arbeitet Touristik-Fachfrau Sandra Kleemann. Sie stammt aus Wassertrüdingen und ist vor einer Woche nach Furth gezogen. „Als Touristiker liebt man neue Erfahrungen“, sagt sie. Sie ist ständig auf der Suche – nach Vereinen, Institutionen oder Unternehmen, die sich präsentieren wollen. „Am Ende werden 137 Tage buntes Programm stehen, an dem sich jeder beteiligen kann. Es wird Highlights bieten für die einheimischen Dauerkartenbesitzer und für die auswärtigen Gäste ein rundes Bild von den Akteuren im Landkreis Cham“, verspricht sie.

Der Landschaftsarchitekt Robert Sitzmann ist mit Decker Geschäftsführer der Gartenschau. Er ist gerade mit dem Marketing beschäftigt und konzentriert sich wie einige andere Kollegen auf den Termin am Freitag: Das Ehrenamt in Furth soll rekrutiert werden. Dazu braucht es Jacken, Käppis oder Taschen mit Logo. „Jeder soll bei der Gartenschau wissen: Der gehört zum Team.“ Sitzmann arbeitet an manchen Tagen im Home-Office, ansonsten wohnt er in Furth in einer Dreier-WG aus Mitarbeiten der Gartenschaugesellschaft München. Ein Nomadenleben? „Auch“, sagt Sitzmann, „aber auch ein schöner Job, der sinnstiftend ist und bei dem man am Ende ein schönes Ergebnis sieht.“

Bunt gemischtes Team

Ein Zimmer weiter sitzt Landschaftsarchitekt Ulrich Dölker. Er macht alles, was mit Baustellen zu tun hat. Heute muss er eine Ausschreibung erstellen für zwei GrundwasserMessstellen. Der alte Triebwerkskanal ist nicht nur verlegt worden, sondern es ist ein neuer Hauptlauf entstanden. Nun muss nachgewiesen werden, ob sich dadurch der Grundwasserstand verändert.

Dölker ist ein Gartenschau-Neuling seit 2022. Er war zuvor 25 Jahre lang Ingenieur in einem Büro in Haßfurt und wollte sich verändern. „Das hier“, sagt er, „geht nur, weil die Kinder schon selbstständig sind.“ Dölker kommt aus Zeil am Main und ist Montag bis Donnerstag in Furth. Die Arbeit macht ihm Spaß, weil die Zusammenarbeit mit Rathaus, Bauhof und Stadtwerken unkompliziert ist und schnelle Reaktionen ermöglicht.

Brigitte Pongratz brütet einige Zimmer weiter über Abrechnungen und Löhnen. Die Assistentin der Geschäftsführung hat nicht viel Zeit, weil sie nur bis mittags arbeitet. Sie war 30 Jahre lang selbstständig und hat beste Verbindungen zum Drachenstich. „Es macht Spaß und es tut sich was“, sagt die Furtherin. Sie war die erste Mitarbeiterin Deckers und der hat seitdem auch kein Problem mehr mit seinem Gehalt.

Dorothee Simeth hat schon zuvor im Marketing gearbeitet und wollte ohnehin wechseln. „Die Gartenschau hat sich angeboten“, sagt sie. „Das ist meine Heimatstadt und ich bekomme hernach schon wieder was.“ Gerade arbeitet sie an Ideen für Werbung in Printmedien, Beach-Flags, Firmenwagen-Logos, Give-aways und Bannern. Auch sie hat den Freitag im Blick: die Ehrenamtsveranstaltung. „Ich muss liefern. Wir wollen den Leuten rüberbringen, warum ihr Engagement unglaublich wichtig ist und dass wir sie brauchen, um zum Beispiel die Besucher zu betreuen, Euphorie zu teilen und jeden Morgen die Anlage zu checken.“

Das nimmt gerade Schwung

Lisa-Marie Hirsch ist Simeths Kollegin beim Marketing. Sie bewirbt Busse und Gruppen. „Es ist viel und es nimmt gerade richtig Schwung. Ich muss momentan von Thema zu Thema springen“, erzählt sie. Und weist auf eine eine Todo-Liste in Bildschirmlänge.

Prokuristin Tina Heigl schießt an diesem Tag von Besprechung zu Außenterminen und zurück. Heigl ist Fan von direkten Gesprächen. Sie sucht derzeit in der Innenstadt nach eine Ort für die Blumenschau. „Wir wollen die Besucher aus raus bringen aus der Umzäunung und in die Stadt!“ Ein zweiter Termin war mit dem Landesverband für Gartenbau und Landespflege. “Das ist immer ein unglaublich wichtiger Partner. „Er liefert auch heuer wieder auf rund 1000 Quadratmetern wertvolles Pflanzenwissen“, sagt Heigl. Und: “„a, es nimmt Schwung!“

Einer der Hauptdarsteller auf der bunten Blumenbühne ist natürlich Drache Fanny. Jetzt bekommen auch die Further selbst Gelegenheit, sich an der Gartenschau 2025 zu beteiligen.