Das Glashandwerk ist der Ursprung der Kunst von Louise Lang aus Gleißenberg

Von Alexander Frimberger · 6. Mai 2024 um 11:00

Vom Glashandwerk über die Glaskunst hin zur freien Künstlerin war es ein langer Weg für Louise Lang. Doch er hat sich gelohnt, für sie ganz persönlich, aber vor allem auch für Kunstinteressierte, die das, was sie entwirft und weiterentwickelt zu schätzen wissen.

Selbst wenn man es nicht wüsste, das preisgekrönte Haus, das auf einer Anhöhe in Gleißenberg liegt, ist auf den ersten Blick als das eines kreativen Menschen zu identifizieren.

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Das Holzhaus ist mit Polykarbonatplatten verkleidet, so dass es beinahe durchsichtig erscheint. Louise Lang lebt hier, empfängt den Besucher mit einem einnehmenden Lächeln und führt ihn in ein großes Atelier, das an ein Loft erinnert. Vor dem Fenster steht ein Sofa. Der Blick von hier in die geschwungene Oberpfälzer Mittelgebirgslandschaft ist inspirierend.

Zwei Jahre auf Weiberwalz

Als die 30-Jährige über ihr künstlerisches Schaffen zu berichten beginnt, hat man manchmal ein wenig Mühe zu folgen. Das liegt einfach daran, dass sie unheimlich kreativ ist und dementsprechend viel zu erzählen hat. Gestartet hat sie ihre Karriere im Jahr 2009 mit einer Lehre an der Glasfachschule in Zwiesel.

Was folgte war im wahrsten Sinne des Wortes eine zweijährige Weltreise im Namen der Glaskunst. Mit einer Freundin ging sie auf, wie sie es selbst nennt: „Weiberwalz“. 22 Länder und vier Kontinente hat sie bereist, Inspiration gesucht und gefunden, Ideen gesammelt, in Ateliers in Japan, Amerika und China ihre Fähigkeiten weiterentwickelt. „Spannend war es überall, am interessanten war es aber vielleicht in Asien“, sagt Lang. Zurück in der Heimat startete sie ein Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig bei Professor Thomas Rentmeister, dessen Meisterschülerin sie nach Abschluss ihres Studiums wurde.

Während dieser Ausbildung hat sich die Künstlerin noch ganz intensiv mit dem Thema Glas auseinandergesetzt. Aber schon damals ging es weg von der Herstellung von Gebrauchsgegenständen. Es entstand die Idee der sogenannten Sprunggläser. Den Titel darf man durchaus wörtlich nehmen. Lang provozierte Glasbruch oder Sprünge und hat durch den Einfluss von Hitze Risse wieder verschmolzen oder eben auch einmal nicht. Die so entstanden fragilen Werke üben einen besonderen Reiz aus. Das ist allerdings zunächst nicht so gesehen worden. „Ich habe für die Sprunggläser viel Kritik einstecken müssen. Deswegen war die Arbeit für mich so wichtig.“ Eine Aussage, die zeigt, dass sich Louise Lang nicht verbiegen lässt. Der Erfolg gibt ihr recht: Über ihre neueren und erfolgreichen Arbeiten, die ihr Stipendien und zahlreiche Einladungen zu Ausstellungen eingebracht haben, sind auch die Sprunggläser ins Visier von Kunstkennern gerückt.

So unbeirrbar sie ist, so beharrlich ist sie auch. Im Jahr 2023 bekam sie die Möglichkeit im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim ihr Werk „Reminiszenz“ zu entwickeln und zu präsentieren. „Fünf Wochen lang habe ich Glasfolie geblasen, zerbrochen und aufgetürmt.“ Später hat sie ihr Werk zertreten und in zwei Kisten gepackt. Daraus soll eine neue Arbeit entstehen.

„Man überlegt sich etwas, probiert es aus, weiß aber nicht, ob es funktioniert“, beschreibt sie diesen Schaffensprozess. „Ich bin ein Mensch der Bewegung braucht, Glas ist Bewegung. Wenn ich etwas Interessantes sehe, dann merke ich mir das.“ Das bedeutet: Während der Arbeit fällt der jungen Künstlerin etwas auf, sie speichert es ab und macht sich zu einem späteren Zeitpunkt an die Umsetzung dieses Gedankensplitters.

Fantasievolle Schattenwelten

Aktuell hat sie sich unter anderem Fotogrammen gewidmet. Dabei legt sie auf Fotopapier Glasscherben und belichtet das Papier dann mit einer Taschenlampe. Die daraus entstehenden Kunstwerke zeigen Schattenwelten, in denen man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Auch in Gernheim sind die ersten Glaskringel entstanden, die über den Atelierboden verteilt liegen.

Lang weiß noch nicht genau, was sie damit machen wird, aber sie ist schon jetzt von ihnen fasziniert. Siebdrucke, Installationen, Videoperformance und vieles mehr, der erfrischenden Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt.

„Erst war es mir egal ob meine Sachen Handwerk, Kunsthandwerk oder Kunst sind, inzwischen habe ich mich aber ganz der Kunst verschrieben.“ Eines ist aber auch klar: Glas, mit dem sie sich schon ihr halbes Leben beschäftigt, wird immer eine Bedeutung in ihrem Werk haben.

Derzeit zeigt Lang in der Galerie Halle II in Straubing einen Querschnitt ihres Werkes.

Auf Island hat Louise Lang eine Glasplatte an außergewöhnlichen Orten fotografiert. Foto: Louise Lang