Kabarettist Toni Lauerer aus Furth im Wald über Rituale und die Anspannung vorm Auftritt

Freitag Abend, 19.30 Uhr. Eine lange Schlange steht vor dem Eingang des Blossersberger Kellers in Viechtach. Alle wollen Toni Lauerer sehen. Ich auch, aber primär nicht auf, sondern hinter der Bühne.
Natürlich sehe ich mir später die Präsentation seines neuen Stücks „Älter werden ... die Andern!“ an. Und klar ist es ein Feuerwerk an Schenkelklopfern. Doch darum soll es gar nicht gehen. Nur so viel: Bei einigen Damen in der zweiten Reihe im ausverkauften Saal konnte man befürchten, sie würden aufgrund ihrer andauernden Lachattacken kollabieren.
Lachen ist sein Lebenselixier
Aber genau diese Lacher sind es, die den Toni immer wieder auf die Bühne treiben. „Natürlich bin ich vor dem Auftritt und wenn ich auf die Bühne gehe mal mehr und mal weniger aufgeregt. Ich bin seit 40 Jahren im Geschäft und das ist bis heute so.“ Ein befreundeter Künstler hat einmal zu ihm gesagt, wenn man keine Aufregung mehr verspürt, ist es Zeit aufzuhören. „Wenn aber der erste Lacher kommt, dann ist alles gut. Dann fühle ich mich wohl und vom Publikum angenommen.“ Doch bis es soweit ist, muss der Mundartkabarettist, wie alle Künstler, in seiner Garderobe auf den Auftritt warten.
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Die Zeit hält er möglichst kurz. „Toni kommt immer sehr pünktlich“, sagt Horst Schuster, einer der beiden Brüder, die die Agentur Showtime in Bogen betreiben, bei denen Lauerer unter Vertrag ist. Zwanzig Minuten bis maximal eine halbe Stunde vor Auftrittsbeginn trifft er ein. Und was ein echter oberpfälzer Superstar ist, befiehlt er auch ein üppiges Catering in seine Künstlergarderobe. Zwei leichte Weißbier, ein Wasser, ein Spezi , sein persönliches Krügerl, einige Schokoriegel und eine Tüte Wurstsemmeln liegen auf dem Tisch. „Die isst er aber sowieso nicht, wir legen sie ihm trotzdem immer wieder hin“, so Schuster.
Da sind wir schon bei den Ritualen, die man Künstlern häufig nachsagt. Beim Leiter des Further Ordnungsamtes läuft das jedes Mal ganz geordnet so ab: „Ich esse niemals etwas vor dem Auftritt, spiele immer mit leerem Magen.“
Ein Weißbier für die Stimme
Stattdessen trinkt er ein leichtes Weißbier, „das brauche ich um die Stimme zu ölen.“ Sein Handy braucht er, natürlich das Manuskript und sein neuestes Buch aus dem er etwas vorlesen wird. Das war es schon, keine Glücksunterhose oder Hasenpfote. Auffällig ist dagegen die gute Laune, die hinter der Bühne herrscht. Dominik und Horst Schuster tauschen mit Lauerer Anekdoten aus. Es wird viel gelacht. Auch als Tonmann Thomas Amberger zur Tür hereinkommt und das Mikro anlegt. „Ich habe schon mit seinem Vater zusammengearbeitet.“ Amberger strahlt und hebt den Daumen. Die Stimmung ist ausgelassen, ich wäre zufrieden, wenn wir einfach hinter der Bühne bleiben und weiter scherzen würden. Doch dann ist es soweit. Vorhang auf, der Toni kommt. Dann folgt doch noch ein kleines Ritual. Bevor er auf die Bühne geht, sagt Horst Schuster: „Bereit?“ Lauerer antwortet: „Bereit, wenn Sie es sind.“, Lauerer geht auf die Bühne: Noch im Stehen reißt er den ersten Witz, die Leute lachen. „Alles ist gut.“
Die Zusammenarbeit mit der Agentur Showtime hält jetzt schon seit 25 Jahren und entbehrt ebenfalls nicht einer gewissen Komik. Horst Schuster: „Ich habe gelesen, in Furth im Wald gibt es einen Kabarettisten. Konnte ich zuerst gar nicht glauben und hab ihn dann einfach angerufen.“ Erst wollte Lauerer nicht, weil er ohnehin gut ausgebucht war. „Doch wir haben nicht locker gelassen.“ Schließlich soll der Künstler nachgegeben und gesagt haben: „Na gut, dann gebe ich euch eben meinen Hochzeitstag.“ Auch wenn Lauerer häufig ziemlich derb rüber kommt, er geht nie unter die Gürtellinie und wenn doch, dann nur unter seine eigene. „Ich liebe es über mich selbst zu lachen“, sagt er. Und er kann sich auch zurücknehmen und zuhören. Zum Beispiel während der Pause beim Bücher signieren. Da hört er geduldig zu, was ihm seine Fans erzählen. Auch das liebt er, sagt Toni Lauerer und lächelt.