Für ein gutes Gedeihen: Weihwasser für jedes neugeborene Kälbchen auf dem Bauernhof

Die gegenwärtige Zeit der Massentierhaltung mit all ihren bekannten Folgen muss man einmal zum Anlass nehmen und sich zurück besinnen auf frühere Zeiten. Damals, als Mensch und Tier noch unter einem Dach wohnten und als jedes Geschöpf vom Menschen noch verantwortungsvoll umsorgt wurde.
Das betraf vor allem die Viehställe, die immer gut bestückt waren, denn das Vieh im Stall war schon immer des Bauern Reichtum.
Ein besonderes und freudiges Ereignis im Viehstall war immer das Kalben einer Kuh. Schon lange Zeit zuvor wurde die Zeit berechnet, wann es soweit sein könnte, und das „Nachschauen“ im Stall nahm dann kein Ende.
Geburtshelfer aus der Nachbarschaft
Deuteten alle Anzeichen auf eine beginnende Geburt hin, dann wurden schnell einige kräftige Männer aus der Nachbarschaft geholt, die dabei helfen mussten. Unter diesen Männern war meistens einer, der sich besonders gut auskannte, wenn es einmal „brenzlig“ wurde. Auf diesen wurde dann immer das volle Vertrauen auf eine gutverlaufende Geburt gesetzt.
War es dann soweit, dass das Kälbchen im weichen Stroh lag, dann waren die beteiligten Geburtshelfer zufrieden, denn nicht immer ging alles gut. Das Neugeborene kam dann nach einer Weile auf seinen vorbereiteten Platz in der Nähe der Mutterkuh. Und dann geschah immer etwas Besonderes. Die Kinder, die bei diesem ganzen Geburtsvorgang keinen Zutritt in den Viehstall hatten, durften sich das neugeborene Kälbchen anschauen.
Vor dem Betreten des Stalles mussten sie jedoch ihren Finger tief in den kleinen Weihwasserkessel, der in der Stube hing, eintauchen und damit das Neugeborene besprengen. Für die Kinder waren dies besondere Augenblicke voller Freude, aber auch Nachdenklichkeit, warum das so ist. Mit Weihwasser und auch mit Weihrauch versuchte man früher das Unglück aus dem Stall zu verbannen und Glück zu erhoffen. Das ist längst nicht mehr so. Heute sind die vielen Viehställe der einstigen kleinen Landwirte leer oder bestehen gar nicht mehr.
Ohrmarke für jedes Tier
Die Ställe der noch bestehenden Höfen sind umso voller, und Wirtschaftlichkeit verbunden mit neuester Technik hat den Arbeitsablauf auf den Höfen verändert. Verändert hat sich damit auch das bereits beginnende Leben eines jungen Kälbchens, wenn es das Licht dieser Welt erblickt. Kurz sind die Stunden, die es bei der Mutterkuh verbringen darf, und schon geht es ab in einen sogenannten „Iglu“. Mehrere davon stehen auf einer passenden Hofstelle. Hier verbringt der Nachwuchs die erste Zeit seines Lebens, bestens versorgt mit allem, was zum guten Gedeihen notwendig ist. Und so ist auch die Ohrmarke notwendig geworden, die jedem neugeborenen Kälbchen bereits nach einigen Tagen an das Ohr geheftet und als sogenannter Pass dieses ein Leben lang begleiten wird. Nähere Auskunft über Abstammung, spätere Leistung und sonstiges ist dadurch jederzeit möglich.

