Die besonderen Ehrungen für Pfingstreiter in Bad Kötzting kommen aus einer neuen Stickerei

Von Stefan Weber · 27. April 2024 um 05:00

Es ist der Moment, auf den selbst – oder besser gesagt, genau – die erfahrensten Pfingstreiter hinfiebern: „Für 25-malige Teilnahme mit einer Fahne geehrt wird Herr ...“. Ein Vierteljahrhundert lang muss ein Pfingstreiter der Wallfahrt die Treue halten, um eine Erinnerungsfahne der Stadt Bad Kötzting, überreicht vom jeweiligen geistlichen Offiziator, beim Festakt zum Abschluss des Pfingstrittes am Platz vor der Kirche St. Veit in Empfang nehmen zu können. Woher diese wertvollen Handarbeiten kommen, das wissen dabei nur die wenigsten Empfänger.

Die hatten bis zum vergangenen Jahr dabei eine ziemlich weite Reise hinter sich, denn sie wurden aus der 100 000-Einwohner-Stadt Hamm im Ruhrgebiet angeliefert. Das hatte einen familiären Grund, der überraschenderweise sehr viel mit Bad Kötzting zu tun hatte. Denn Elke Liebl-Werner, Chefin der Fahnenstickerei Liebl in Hamm, ist die Tochter von Alfred Liebl, der in Weißenregen geboren wurde und bis 1952 in Reitenstein gewohnt hatte, dann aber in Westfalen sein Glück fand.

Seit 1969 aus Hamm

1969 gab es die ersten Erinnerungs-Fahnen und -Bänder aus der Stickerei Liebl, diejenigen aus dem Jahr 2022 die letzten. Bereits 2021 informierte die Familie Liebl die Stadt, dass sie diese Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiter würde übernehmen können. Ein Problem für die Stadt, die immer schon großen Wert darauf gelegt hatte, dass die Fahnen und Bänder qualitativ hochwertige und auch zum größten Teil von Hand gefertigte Einzelstücke sind.

„Die Fahnen und Bänder stellen auch die Wertschätzung und den Dank der Stadt gegenüber den langjährigen Ritt-Teilnehmern dar und sind auch ein sichtbares Zeichen für die Wertigkeit und Bedeutung des Pfingstrittes“, sagt Sepp Barth, Pfingstbeauftragter der Stadt. Da bei der Familie Liebl in Hamm dieses Anliegen natürlich auch bekannt und über die Jahrzehnte gepflegt worden war, hatte diese natürlich gleich den Vorschlag für eine Nachfolge parat.

36 Auszeichnungen

Aus Westfalen gab es die Empfehlung, künftig mit der Fahnenstickerei Kössinger in Schierling bei Regensburg zusammenzuarbeiten. Ein Glücksfall für die Stadt, denn die beiden Stickereien standen schon länger in kollegialem Austausch, und so sei es gut möglich gewesen, den Übergang problemlos zu gestalten; nicht nur, was die Qualität betrifft, sondern auch mit Blick auf die Machart. „Wir wollten ja auch nicht, dass die neuen Fahnen komplett anders aussehen als die bisherigen“, sagt Barth. Nicht ohne Stolz präsentiert er gemeinsam mit Bürgermeister Markus Hofmann die neuen Fahnen und Bänder, die dieses Jahr übrigens wieder in sehr großer Zahl an langjährige Teilnehmer an der Reiter-Wallfahrt anzufertigen gewesen waren: Nach 19 Fahnen und Bändern im vergangenen Jahr waren es dieses Jahr ganze 36 (siehe Info).

Sepp Barth, der auch Leitender Zugordner beim Pfingstritt ist, nutzt die Gelegenheit der Präsentation auch gleich, um darauf hinzuweisen, dass auch die Übergabe der Fahnen und Bänder durch die Reiter vorbereitet sein will. Bereits am Freitag gab es ein Treffen der „Jubelreiter“, bei dem die Stadt den 36 Reitern schon einmal erklärte, wie die Aufstellung am Platz vor der Kirche St. Veit ablaufen wird und auch, dass es durchaus Sinn mache, vorab zu klären, ob auch das Pferd sich über die Übergabe der kostbaren Erinnerungen so freuen wird wie der Reiter.

Dieses Jahr zu ehrende Pfingstreiter

Band für 60 Teilnahmen: Johann Ettl, Rentner aus Denkzell; Franz Graßl, Kaufmann, Brautführer 1980 aus Bad Kötzting; Wolfgang Steidl, Schlosser aus Bad Kötzting

Band für 50 Teilnahmen: Franz Amberger, Redakteur aus Straubing; Franz Gregori, Fachoberlehrer a.D., Mitglied im Pfingstritt-Komitee aus Bad Kötzting; Josef Iglhaut, Zollbeamter a.D., Pfingstbräutigam 1978 aus Bad Kötzting; Clemens Pongratz Dipl. Ing. agr. aus Sinzing; Christian Schmid, Dipl.-Bauingenieur aus Altrandsberg; Erhard Senbert, Handelsfachwirt i. R. aus Bad Kötzting; Willibald Wühr, Rentner aus Bad Kötzting

Band 40 Teilnahme: Klaus Ammon, Schreiner aus Hohenwarth; Josef Bielmeier, Kfz-Mechaniker aus Bad Kötzting; Josef Brandl, Rentner aus Grafenwiesen; Ludwig Fischer, Kfz-Meister aus Thenried; Ernst Geiger, Sattlermeister aus Arrach; Mario Hutterer, Forstwirtschaftsmeister aus Bad Kötzting; Hans Kuchler, Verwaltungsbeamter, Brautführer 1983 aus Bad Kötzting; Franz Mühlbauer, Maschinist aus Bad Kötzting; Reinhard Neubauer, Forstarbeiter aus Offenberg; Heinrich Seiderer jun., Molkereimeister aus Bad Kötzting; Anton Staudinger, Dipl.-Kaufmann, Pfingstbräutigam 1991 aus Bad Kötzting; Andreas Zellner, Holzhändler aus Ruhmannsfelden

Erinnerungsfahren für 25 Teilnahmen: Georg Achatz, Straßenbauer aus Pullenreuth; Tobias Achatz, Ingenieur aus Bad Kötzting, Patrick Aschenbrenner, Kaufmann im Einzelhandel, Brautführer 2012,

Pfingstbräutigam 2019 aus Bad Kötzting; Andreas Berzl, Zerspanungsmechaniker aus Bad Kötzting; Helmut Eckl, Verfahrensexperte aus Runding; Hans Geiger, Landwirt aus Arnbruck; Wolfgang Heitzer, Landmaschinenmechanikermeister aus Arnschwang; Alois Hilgarth, Rentner aus Grafenwiesen; Rudi Hofmann, Kraftfahrer aus Bad Kötzting; Manfred Holzapfel, Kfz-Mechaniker aus Kollnburg; Thomas Hutterer, Schreiner aus Bad Kötzting; Martin Kolbeck, Schreiner aus Grafenwiesen; Josef Kund, Schreiner aus Grafenwiesen; Christian Preiß, Landmaschinenmechaniker aus Bad Kötzting

Die Rückseite der Fahne mit Stadtwappen
Die Vorderseite jeweils mit Jahreszahl