Alles kann raus: Schwandorfer Pfarrgemeinde Herz Jesu verkauft ihr Piusheim – Flohmarkt am Samstag

Von Martin Kellermeier, Jan Lange · 30. April 2024 um 05:00

Eine Pfarrei räumt ihr altehrwürdiges Pfarrheim aus: Weil der Verkauf des Piusheims an der Herbststraße so gut wie unter Dach und Fach ist, laufen die Vorbereitungen für die Übergabe an den neuen Eigentümer auf Hochtouren.

Nun hatten Ehrenamtliche der Pfarrei Herz Jesu eine besondere Idee: Die verbliebenen Einrichtungsgegenstände sollen bei einem Flohmarkt am Samstag, 4. Mai, verkauft werden. Zu erwerben gibt es Einiges.

Der Zahn der Zeit nagt sichtbar an dem circa 1960 erbauten Gebäude. Bei der Kegelbahn im Keller mieft es, die Türen quietschen teilweise, uralte Telefone hängen an der Wand. Der große Pfarrsaal, in dem gut 150Menschen Platz finden, darf schon seit ein paar Jahren wegen mangelndem Brandschutz nicht mehr betrieben werden. Kurzum: Lange hätte die Pfarrei hier nicht mehr zusehen können. Eine kostspielige Sanierung wäre unumgänglich gewesen.

Zu groß für die Pfarrei

Das weiß auch Pfarradministrator Andreas Schinko. Bereits unter seinem Vorgänger Thomas Senft hatte die Kirchenverwaltung den Beschluss gefasst, dass das Piusheim verkauft werden soll. Der Grund: Für die Pfarrei Herz Jesu wurde es schlicht zu groß. „Wir werden nie wieder einen Saal für mehrere 100 Leute brauchen“, sagt Schinko.

Der umtriebige Seelsorger forcierte also den Verkauf. Für 849000 Euro wurde das 2646Quadratmeter große Areal an der Herbststraße über die Sparkasse inseriert. Mehrere Interessenten hatten sich daraufhin gemeldet. Im aktuellen Pfarrbrief informiert Schinko nun darüber, dass man sich „in den Endzügen des Verkaufs“ befinde. Schon in den kommenden Tagen könnte das Piusheim seinen Besitzer wechseln, es fehlt nur noch der Termin beim Notar.

Nach Informationen der Mittelbayerischen handelt es sich bei dem Käufer um eine Stiftung aus der Region, die das Piusheim wohl abreißen und anschließend an der Stelle vier Mehrfamilienhäuser bauen möchte. Die Verhandlungen wurden offenbar geschickt geführt. Denn: Der Käufer ist nach MZ-Informationen bereit, den vollen Kaufpreis zu bezahlen.

Auf Ehrenamtliche ist Verlass

Das stimmt wohl auch Pfarrer Schinko zufrieden. Das Geld braucht er dringend für seine Pfarrei. Die anstehende Kirchensanierung, bei der unter anderem der Dachstuhl ertüchtigt werden soll, dürfte ein Millionenprojekt werden. Das ist dem Pfarradministrator und seinen kirchlichen Gremien bewusst. „Da werden wir noch mehr Geld benötigen, als der Verkauf des Piusheims abwirft“, erklärt er.

Gut, dass es in der Pfarrei Herz Jesu engagierte Ehrenamtliche gibt. Pfarrgemeinderätin Doris Ascherl hatte die Idee, vor dem Verkauf des Piusheims noch einen Flohmarkt darin zu veranstalten. Interessenten sollen am kommenden Samstag zwischen 11 und 14Uhr sämtliche Einrichtungsgegenstände erwerben können. Es gibt zum Beispiel Geschirr und Biergläser, Lampen und Gardinen sowie Tische und Stühle. Wer will, kann auch die Kegelbahn im Keller plündern und sich eine Kugel für daheim kaufen.

„Wir wollen durch den Verkauf der Einrichtungsgegenstände einfach noch ein bisschen etwas einnehmen, wenn es sowieso abgerissen werden soll“, erklärt Organisatorin Ascherl. Für die Gegenstände würde es keine festen Preise geben. Jeder könne geben, was er will. Für Abbau und Abtransport müssten die Schnäppchenjäger selbst sorgen.

Viele Erinnerung ans Piusheim

Ascherl und ihre Unterstützer erinnern sich gerne an die Zeit im Piusheim. Beim Kinderfasching, den Pfarrfesten oder Jubiläumsveranstaltungen habe man hier in Gemeinschaft schöne Stunden verbracht. Auch der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, heute Kardinal, war mal hier und konnte sich über einen vollen Saal freuen. Ähnlich war es beim Besuch von Bischof Rudolf Voderholzer. „An diese Ereignisse erinnern wir uns heute noch gern“, bekräftigt Pfarrgemeinderatssprecherin Sigrid Gradl.

Künftig wird die Gemeinde im Lukasraum neben der Kirche feiern. Und in zwei Jahren soll dann noch die Turnhalle vom Kindergarten Herz Jesu nach einer Ertüchtigung dazukommen. Irgendwo dort wollen die Ehrenamtlichen an ihr alterwürdiges Piusheim erinnern. Das große Kreuz aus dem Pfarrsaal steht nicht zum Verkauf. Es soll mitumziehen.

Dafür braucht die Pfarrei dringend Geld

Projekt: Die Pfarrkirche Herz Jesu in Schwandorf wurde nach Angaben von Pfarradministrator Andreas Schinko zuletzt 1977 außen und 1989 innen renoviert. Daher muss dringend gehandelt werden. Unter anderem soll der Dachstuhl ertüchtigt werden.

Finanzierung: Weil die Pfarrfinanzen knapp sind, wäre das Großprojekt ohne den Verkauf des Piusheims nicht umsetzbar gewesen. Doch auch nach der Veräußerung des Pfarrheims dürfte die Pfarrei noch weiter Geld für die Baumaßnahme benötigen, wie der Pfarradministrator auf Anfrage der MZ erklärt.

Zeitplan: Heuer im Sommer soll der von Käfern befallene Dachstuhl begast und an einigen Stellen verstärkt werden. 2025 soll dann mit der Außenrenovierung der Kirche begonnen werden. Die Innenrenovierung schließt sich an.

Orgel: Auch am „Arbeitsplatz“ von Kirchenmusiker Volker Droge wurde zuletzt gehandelt. Der Blasebalg der Orgel war löchrig und musste repariert werden, damit der Orgelmotor nicht über Gebühr beansprucht wird.

Aktionstag: Um neben dem Verkauf des Piusheims weiter dringend benötigtes Geld einzunehmen, veräußert die Pfarrei bei einem Flohmarkt am Samstag, 4.Mai, Einrichtungsgegenstände aus dem Pfarrheim. Dazu zählen Geschirr und Gläser. Aber auch Stühle, Tische, Lampen und Gardinen können zwischen 11 und 14 Uhr gekauft werden.

Wird zur Baustelle: die Pfarrkirche Herz Jesu. Foto: Jan Lange
Sie organisieren die Aktion am Samstag: die Pfarrgemeinderäte Doris Ascherl, Elly Rees und Georg Lippert, Pfarrgemeinderatssprecherin Sigrid Gradl und Gemeindereferent Philip Bauer (v. l.). Foto: Martin Kellermeier
Die Kegelbahn im Keller ist verstaubt. Ob Gemeindereferent Philip Bauer beim Spiel alles abgeräumt hätte? Foto: Martin Kellermeier
Zwei Mietwohnungen sowie Gewerbe- und Veranstaltungsräume beherbergt das Piusheim an der Schwandorfer Herbststraße. Der künftige Besitzer will es abreißen. Foto: Jan Lange