So will Schwandorf Kita-Problem lösen: Erweiterungen und neue Waldkindergruppe geplant

Von Jan Lange · 22. Juni 2023 um 05:00

Das Thema Kinderbetreuung beschäftigt die Schwandorfer Stadträte regelmäßig. Zuletzt beschlossen sie unter anderem einen Neubau im Ortsteil Krondorf. Trotzdem bleibt der Bedarf nach Betreuungsplätzen weiter hoch. Deshalb wird nun nach weiteren Lösungen gesucht.

150Kinder stehen auf der Warteliste, wie jetzt im Hauptausschuss informiert wurde. Laut Stadt fehlen 100Kindergarten- und 50Krippenplätze. Auch im Hortbereich seien 20Plätze zu wenig vorhanden.

Mit einer baldigen Entspannung ist laut Stadt nicht zu rechnen. Zum einen dürften weitere Zuzüge – zum Beispiel in die neuen Baugebiete Hasenbuckel-Ost und Rothlinde – die Betreuungslage verschärfen, zum anderen seien die beiden bestehenden Übergangseinrichtungen Piusheim und Herz-Jesu Kindergarten Auslaufmodelle. Sie müssten im Sommer 2024 geschlossen werden. Damit fehlten zum Kindergartenjahr 2024/25 weitere 74 Plätze – 24im Krippen- und 50 im Kindergartenbereich.

Die Stadt sieht sich deshalb zum Handeln gezwungen. Wie Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) bereits im jüngsten Bauausschuss erklärte, stehe Schwandorf nicht allein vor einer solchen Situation. Die Zahlen würden nach seinen Worten derzeit in vielen Gemeinden explodieren. Man habe nun die Auswirkungen zu tragen, die mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz „gesellschaftlich gewollt“ seien, meinte der Rathauschef dazu.

Im Bauausschuss wurden kurz drei Varianten skizziert, um den Bedarf an Betreuungsplätzen zumindest ein Stück weit zu decken. Auch der Hauptausschuss wurde am Dienstag darüber informiert. In den entsprechenden Beschlüssen ging es um die Anerkennung des Bedarfes.

Erweiterung des Kinderhauses Lindenblüten

Erst 2022 in Betrieb genommen, soll das Kinderhaus Lindenblüten an der Industriestraße schon wieder erweitert werden. Geplant ist eine temporäre Variante als Modulbau. Der lasse sich relativ zügig umsetzen. Die entsprechenden Module könnten in drei bis vier Monaten geliefert und errichtet werden, heißt es vonseiten der Stadt. 50zusätzliche Plätze sind an dem Standort geplant. Ein fester Bau sei an dieser Stelle nicht zweckmäßig, begründete die Verwaltung den Vorschlag, da das Grundstück nicht im Besitz der Stadt ist, zum anderen müsste der vorhandene Parkplatz zurückgebaut werden.

Temporär bedeutet dabei aber nicht, dass es nur für ein oder zwei Jahre stehen wird. Die Stadt rechnet damit, dass der Modulbau mindestens zehn Jahre genutzt wird. Dies hat Gründe: Wenn ein temporärer Bau zehn Jahre betrieben wird, gibt es dafür eine Förderung. Dennoch wird die Stadt dafür ordentlich in die eigene Tasche greifen müssen: Die Kosten für einen Modulbau hätten sich laut Verwaltung innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Auch wenn die Kosten noch genau untersucht werden sollen, rechnet man im Rathaus schon jetzt mit einem Betrag von rund 700.000 Euro. Der Modulbau bei den Johannitern vor drei Jahren habe nach Angaben der Stadt die Hälfte gekostet.

Einrichtung eines Waldkindergartens am Weinberg

Bereits seit 2016 gibt es im Wald bei Richt den Waldkindergarten Schwanenkinder. Die Einrichtung ist beliebt, die Warteliste lang. Aus diesem Grund soll ein weiterer Waldkindergarten eingerichtet werden. Als Standort hat die Stadt Schwandorf ein Grundstück am Weinberg im Auge, das sich im städtischen Besitz befindet. Die Einrichtung würde gegenüber dem Waldspielplatz entstehen.

Es soll sich dabei um eine längerfristige Lösung handeln: Der Waldkindergarten am Weinberg soll mindestens 25Jahre betrieben werden. So werden zusätzlich 25 Plätze geschaffen. Allerdings lasse sich diese Lösung nicht von heute auf morgen realisieren. Die Lieferzeit für Bauwagen explodiere laut Verwaltung aktuell. Die Wartezeit betrage zwischen 20 und 22 Wochen – also mindestens fünf Monate.

Die Stadt rechnet damit, dass die Gruppe schnell voll werden dürfte, da eine Reihe von Eltern, deren Kinder auf der Warteliste stehen, eine Wald-Kita als Priorität angegeben haben. Das BRK würde gern die Trägerschaft für diese neue Einrichtung übernehmen, wie dessen Vertreter bei einem Treffen am 1. Juni erklärten.

Ein weiteres Gebäude für die Storchenwiese

Die dauerhafteste der drei Lösungen ist die Erweiterung des Kinderhauses Storchenwiese im Ortsteil Fronberg, das in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt geführt wird. Ähnlich dem Haupthaus, das vor zwei Jahren in Betrieb genommen wurde, ist ein weiteres Gebäude geplant. Es soll hinter dem jetzigen Bau errichtet werden, den angrenzenden Sportplatz aber nicht tangieren. 50 Kita-Plätze in zwei Gruppen würden dadurch entstehen. Die Kosten werden von der Stadt auf 1,1 Millionen Euro geschätzt. Das Haupthaus kostete seinerzeit gut dreimal so viel. Der Vorteil des Erweiterungsbaus: Speise- und Mehrzweckraum könnten im Hauptgebäude mitgenutzt werden und müssten nicht extra eingerichtet werden.

Bis Ende nächsten Jahres soll die Erweiterung abgeschlossen sein. Das Vorhaben wird laut Stadt voll gefördert. Auch mit dem Landratsamt hat die Stadt bereits Kontakt aufgenommen und Unterstützung signalisiert bekommen. Es handelt sich um eine dauerhafte Lösung, die mehr als 25 Jahre genutzt werden soll. Es kann durchaus sein, dass der Erweiterungsbau von einer anderen Baufirma als das Haupthaus errichtet wird. Denn das Vorhaben muss erneut öffentlich ausgeschrieben werden – mit entsprechend offenem Ergebnis.

Die neuen Gebäude seien gut, aber es brauche auch Betreuungskräfte, merkte CSU-Stadtrat Hans Sieß in der Bauausschusssitzung an. Das Personal werde zur Herausforderung für die Träger, meinte dazu OB Andreas Feller.

Gegenüber dem Waldspielplatz auf dem Weinberg soll der zweite Waldkindergarten eingerichtet werden. Foto: Jan Lange
Seit vorigem Jahr ist die Einrichtung Lindenblüten an der Industriestraße offen. Nun steht eine Erweiterung an. Foto: Jan Lange