Junge Flüchtlinge in Regensburg sollen ins Hottentotten Inn

Von Juliana Ried · 27. April 2024 um 10:00

Der Jugendhilfeausschuss des Stadtrats spricht sich dafür aus, im heutigen Hottentotten Inn im Regensburger Osten eine Unterkunft für unbegleitete Minderjährige zu schaffen. Noch aber ist die Immobilie nicht verkauft und der Hotelbetrieb läuft.

Noch ist das Hottentotten Inn im Regensburger Osten ein Hotel. Was daraus nach dem geplanten Verkauf der Immobilie werden soll, hat am Donnerstag der mit Stadträten und externen Experten besetzte Jugendhilfeausschuss des Stadtrats beschlossen. Er sprach sich einstimmig dafür aus, dass die Stadt in dem Haus eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Ausländer sowie eine Notschlafstelle für junge Erwachsene einrichtet.

Hotelbetreiber Herbert Saal hatte sich im Vorfeld „entsetzt“ gezeigt von dem Vorhaben der Stadt. Er sei überrascht worden von der Beschlussvorlage, die sein Hotel als „ehemaliges Hottentotten Inn“ bezeichnet, sagte er. Vor diesem Hintergrund erkundigte sich im Jugendhilfeausschuss SPD-Stadtrat Alexander Irmisch, mit wem der Mietvertrag geschlossen werden soll. Sozial-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) erklärte: „Die jetzige Liegenschaft ist noch nicht veräußert, aber soll seit geraumer Zeit veräußert werden.“ Die Stadt wolle einen Mietvertrag mit dem neuen Eigentümer schließen. „Wenn man etwas veräußert, ist es letztlich Sache des neuen Eigentümers, für welchen Zweck genau man diese Liegenschaft verwenden würde.“

Platz für 24 junge Flüchtlinge

Die Stadt will dort bis zu 24 unbegleitete minderjährige Ausländer unterbringen. Im Menschen-in-Not-Schutzhaus in der Altstadt stehen ab dem Herbst nur noch sechs Plätze zur Verfügung, weil die Stadt dann die Apartments dort wieder für angehende Erzieherinnen benötigt. Sie muss aber mehr junge Flüchtlinge „in Obhut nehmen“. Tagsüber bekommen sie pädagogische Betreuung, ein Sicherheitsdienst ist rund um die Uhr im Einsatz, das soll auch in der neuen Einrichtung im Stadtosten gelten. Dort soll auch eine Notschlafstelle des Amts für kommunale Jugendarbeit für bis zu sechs von Obdachlosigkeit bedrohte junge Erwachsene Platz finden. Sie soll 150.840 Euro im Jahr kosten, knapp 115.000 Euro davon trägt die Stadt. Die 1,66 Millionen Euro im Jahr für die Unterkunft für junge Flüchtlinge bekommt die Stadt vom Bezirk Oberpfalz erstattet.

Johannes Bischof vom Paritätischen Wohlfahrtsverband fragte, wie die Jugendlichen nachts pädagogische Hilfe bekämen, etwa wenn sie traumatische Ereignisse im Schlaf einholten. Stadtrat Jakob Friedl nannte es „auffällig“, dass der Wachdienst mehr als die Hälfte der Kosten ausmache. Er merkte kritisch an, im Auweg sei „Kriminalität unterwegs“.

Wachdienst rund um die Uhr

Bürgermeisterin Freudenstein kommentierte diese Einschätzung mit „Na ja“. „Das Rotlichtmilieu befindet sich schon fast noch einen Kilometer weiter“, sagte sie. Im direkten Umgriff der Liegenschaft seien viele Betriebe ansässig, vom Restaurant bis zur Steuerkanzlei. „Das ist sehr durchmischt, aber völlig in Ordnung.“ Freudenstein erläuterte, das Konzept mit pädagogischem Personal tagsüber und dem Wachdienst nachts sei „gute Übung“. Jugendamtschef Volker Sgolik ergänzte: „Wenn Vorfälle in der Nacht sind, gibt es Kontaktmöglichkeiten.“ Grünen-Stadträtin Theresa Eberlein sagte: „Ich glaube, dass das sehr gut ist, dass wir an dieser Stelle das Geld in die Hand nehmen und Kapazitäten schaffen.“ Zudem bedankte sie sich bei der Bürgermeisterin, „dass Sie sich für die Umbenennung der Einrichtung einsetzen“. Sie halte „Hottentotten“, ein Begriff aus der Kolonialzeit, für eine „rassistische Bezeichnung für Menschen, die in Namibia gelebt haben“.

Hotelier Saal sagt dagegen, der Begriff „Hottentotten“ sei „in keiner Weise rassistisch“. Er habe den Namen gewählt, „um eine gewisse Geschichte zu erzählen“, und zwar die Namibias und des Befreiungskampfes der dortigen Bevölkerung gegen die Kolonialherren. Ansonsten gelte: „Ich mache mein Hotel weiter, solange sich nichts anderes ergibt.“