Ehrenamtlich im Kinderhospizdienst: So unterstützen Begleiterinnen eine Regensburger Familie

Von Marion Neumann · 26. April 2024 um 12:00

Mal laut, mal leise: Die Ehrenamtlichen des Kinderhospizdienstes Löwenzahn unterstützen Familien auf unterschiedliche Weise. So auch bei den Froschhammers. Ein Besuch bei der Regensburger Familie, die für ihre beiden Kinder zwei Begleiterinnen zur Seite gestellt bekommen hat.

Auf das Klingeln hat Franzi schon gewartet. Die Siebenjährige weiß: Wenn Laura Ligeti vor der Türe steht, wartet ein Nachmittag voller Spiele auf sie. „Mein Lieblingsspiel ist Räuber“, sagt das Mädchen, „da stiehlt der eine einen Schatz und der andere muss ihn wiederbekommen. Ich bin immer der Räuber.“

Leiser Kontrast zum Räuber-Spiel

Wenn Franzi und die 25-jährige spielen, wird im Kinderzimmer gerne mal getobt. Das macht den Kontrast zum zweiten Besuch, den die Familie an diesem Tag bekommt, deutlich. Denn parallel zu Laura kommt auch ihre Mutter Aniko Ligeti zu den Froschhammers. Ihr Weg führt ins Wohnzimmer, zu Franzis kleinem Bruder Lorenz. Im Gegensatz zum Räuber-Spiel geht es dort ruhiger zu. Aniko Ligeti begrüßt den Vierjährigen und setzt sich zu ihm aufs Sofa. Leise singend streichelt sie seine Hand.

Lorenz kam als Frühchen auf die Welt

Laura und Aniko Ligeti arbeiten ehrenamtlich für den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Löwenzahn. Zu den Froschhammers im Südosten von Regensburg kommen Mutter und Tochter regelmäßig. „Eine Krankenschwester hat uns auf die Organisation aufmerksam gemacht“, sagt Evi Froschhammer. Sie ist die Mutter von Franzi und Lorenz und erklärt, warum der Vierjährige besondere Betreuung benötigt. „Lorenz war ein Frühchen. Er kam mit 1200 Gramm auf die Welt und war nicht gut versorgt“, sagt sie.

Lorenz macht trotz Behinderung Fortschritte

Bei einem Kopf-Ultraschall bemerkten die Ärzte eine Sinusvenenthrombose in seinem Kopf. „Eine Einblutung im Gehirn, könnte man sagen“, sagt Evi Froschhammer. Heute gilt Lorenz als mehrfachbehindert und besucht die schulvorbereitende Einrichtung (SVE), eine Art Kindergarten im Regensburger Blindeninstitut. „Er macht Fortschritte. Zum Beispiel, dass er jetzt seinen Kopf besser halten kann“, sagt seine Mutter, „generell ist er aufnahmefähiger geworden und nimmt gern an den Aktivitäten im Kindergarten teil.“

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Unterstützung durch Kinderintensivpflegedienst

Unterstützung bekommt die Familie vom Kinderintensivpflegedienst – und von Laura und Aniko Ligeti. „Franzi ist relativ direkt. Wenn jemand zu Lorenz kommt, fragt sie, warum nicht auch jemand zu ihr kommt“, sagt Evi Froschhammer. Aus diesem Grund hat die Familie nicht nur eine ehrenamtliche Begleiterin aus dem Hospizdienst, sondern zwei.

Hilfe auch für Geschwisterkinder

Laut Sabine Daser, Koordinatorin der Kinderhospizarbeit in Regensburg, ist das nicht ungewöhnlich. „Wenn eine Familie wünscht, dass mehrere Kinder begleitet werden, bekommt sie mehrere Ehrenamtliche.“ Denn auch für Geschwisterkinder sei die Situation oft nicht einfach. In der Region werden aktuell 17 Familien von Löwenzahn begleitet. Der Trägerverein des Dienstes sitzt in Dortmund. In Regensburg startete das Projekt vor zwei Jahren. „Der Verein hat sich die weißen Flecken in Deutschland angeschaut. Unter anderem in Bayern gab es sehr wenige Angebote“, sagt Daser. Mittlerweile hat die Koordinatorin einen Kollegen zur Seite gestellt bekommen. „Der Bedarf steigt“, sagt sie. In der Stadt und im Landkreis gibt es etwa 210 Kinder und Jugendliche, die lebensverkürzend erkrankt sind.

Hospizdienst kann bedenkenlos genutzt werden

Wie auch bei den Froschhammers machen häufig „Netzwerkpartner“ – etwa der Sozialdienst, das Krankenhaus oder die Frühförderstätte – auf den Dienst aufmerksam. „Viele Eltern haben Bedenken, dass das Geld an anderer Stelle abgezogen wird – zum Beispiel für Verhinderungspflege oder eine Hilfe im Haushalt. Diese Sorge ist aber unbegründet, da es bei der Krankenkasse einen eigenen Topf nur für den Hospizdienst gibt“, sagt Daser.

Termine spontan möglich

Dass das Angebot niedrigschwellig zugänglich sei, ist für die Froschhammers ein großer Vorteil. „Es ist schön, dass wir spontan Termine ausmachen können“, sagt Evi Froschhammer. Kommen Laura und Aniko Ligeti vorbei, haben sie und ihr Mann Zeit zum Durchatmen. „Franzi spielt gern mit Laura. Da braucht es gar kein besonderes Programm. Und Lorenz gefällt es, wenn die Aniko ihn massiert oder Fingerspiele mit ihm macht“, sagt sie.

„Ein sehr schönes Ehrenamt“

Nicht nur für die Froschhammers, auch für die Ehrenamtlichen sind die Besuche wichtig. „Wir profitieren voneinander“, sagt Aniko Ligeti, die als Seelsorgerin am Uniklinikum tätig ist und an der Uni Regensburg im Masterstudiengang „Perimortale Wissenschaften“ studiert. Die Arbeit in der Kinder- und Jugendhospizarbeit sei für sie ein wichtiges Bindeglied zwischen theoretischem Studium und praktischer Arbeit. Kommt sie zu Lorenz, achtet sie auf seine Bedürfnisse. „Ich gehe in seine Welt hinein“, sagt sie.

Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Tochter Laura Ligeti geht es auch darum, als Hospizbegleiterin der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ihre Schwester engagiert sich ebenfalls bei Löwenzahn. „Das ist eine besondere Konstellation bei uns“, sagt sie und lacht. Kinderhospizarbeit sei „ein sehr schönes Ehrenamt“, sagt Sabine Daser. Die Koordinatorin erklärt, dass durch den Begriff oft ein falscher Eindruck entstehe. „Es ist ein Missverständnis, den Erwachsenenbegriff auf Kinder zu übertragen.“

Offenheit und Empathie sind wichtig

Im besten Fall könnten Ehrenamtliche eine Familie ab einer Diagnose über einen langen Zeitraum begleiten. „Und es ist auch nicht so, dass die Familien die ganze Zeit todtraurig sind“, sagt sie, „oft ist es viel lustiger, als man denkt.“ Interessenten werden von Löwenzahn in einem Vorbereitungskurs ausgebildet. „Man sollte allerdings schon eine gewisse seelische Stabilität mitbringen“, sagt Daser. Die Ehrenamtlichen sollen schließlich eine Unterstützung für die Familie sein. „Ein Leuchtturm, könnte man sagen.“

Offenheit, Empathie, Ehrlichkeit – und auch Mut

Offenheit, Empathie und Ehrlichkeit – auch das seien Eigenschaften, die aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus für die Tätigkeit hilfreich seien, sagt Aniko Ligeti. „Man kann auch sagen, dass ein Stück weit Mut dazu gehört“, fügt sie hinzu. „Es ist auf jeden Fall so, dass es ein Ehrenamt ist, das die Seele berührt.“

Interesse am Ehrenamt bei Löwenzahn?

Infoabend: Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Löwenzahn lädt Interessenten am 30. April zu einem Informationsabend zum Thema Ehrenamt ein. Beginn der Veranstaltung ist um 17 Uhr im Büro des Regensburger Kinder- und Jugendhospizdienstes, St. Katharinenplatz 4 in Stadtamhof.

Kurs: Für Interessenten, die sich entschieden haben, dieses Ehrenamt auszuüben, beginnt am 4. Juni ein neuer Kurs. Die Treffen finden immer dienstags von 17 bis 20 Uhr statt.

Kontakt: Weitere Informationen gibt es unter www.ambulanter-kinderhospizdienst-regensburg.de.