Pallicura versorgt im ganzen Landkreis Schwandorf Schwerstkranke in ihrer häuslichen Umgebung

Von Hubert Heinzl · 23. April 2024 um 05:00

Seit Anfang des Jahres gibt es mit dem Hospiz in Schwandorf eine stationäre Einrichtung, in der schwerstkranke Menschen ihre letzten Tage in Würde verbringen können. Aber auch in den eigenen vier Wänden ist eine Betreuung bis zuletzt möglich. Dafür sorgt im Landkreis seit Jahren die Pallicura.

Am Anfang stand ein Verein zur Förderung der Palliativ- und Hospizversorgung – kurz: Pallicura. Die Mitglieder bauten Strukturen auf, die schließlich 2013 zur Gründung eines Palliativteams unter dem Dach der Pallicura GmbH führten. Zum Mitarbeiterstamm gehören neben sechs Ärzten auch sieben Pflegefachkräfte und Verwaltungsangestellte, wie Uwe Hermer, einer der Mediziner, erzählt. Sie alle versorgen schwerstkranke Patienten im ganzen Landkreis. Rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche, sind sie in Bereitschaft.

„Im Schnitt haben wir 25Neuaufnahmen im Monat, die durchschnittlich 20 Tage in der Versorgung bleiben“, sagt Hermer. Doch der Bedarf ist nach Einschätzung der Fachärzte deutlich höher. „Es ist immer noch zu wenig bekannt, dass es diese Art der Unterstützung gibt. Und häufig melden sich die Angehörigen einfach zu spät.“ Unheilbar krank sei man nicht erst kurz vor dem Ende, „in der präfinalen Phase“, wie Hermer das formuliert. Schon einen Monat vorher seien oft Palliativmaßnahmen angezeigt, um Ängste und Beschwerden zu lindern und auch in den letzten Wochen so etwas wie Lebensqualität zu schaffen.

Belastung durch Atemnot, Übelkeit und Angst

Maßnahmen gibt es laut Hermer viele. Im Vordergrund steht vor allem bei Krebspatienten im Endstadium die Bekämpfung der „ausgeprägten Schmerzen“, aber beileibe nicht ausschließlich. Auch Atemnot oder Übelkeit können die letzte Lebenszeit zur Qual machen. Dazu kommen verbreitet Unruhe, Angstzustände, Panikattacken.

All diese Symptome könne die Palliativmedizin inzwischen wirksam bekämpfen, sagt der Mediziner. „Das stellt nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Angehörigen eine enorme psychische Entlastung dar.“ Die seien von der Situation meist hoffnungslos überfordert und dankbar für professionelle Unterstützung, weiß Hermer aus Erfahrung. Denn auch bei der Organisation von Hilfsmitteln stehen die Fachleute den Familien zur Seite. Einfach anrufen kann man bei der Pallicura allerdings nicht – eine Verordnung durch den Hausarzt ist Voraussetzung für die Kostenübernahme.

Anders als im Hospiz, ermöglicht laut Hermer die ambulante Palliativversorgung im Idealfall, dass schwerstkranke Menschen ihre letzten Tage zuhause verbringen können. „In unserer ländlich geprägten Region wünschen sich das etliche Patienten und ihre Angehörigen“, sagt Hermer. Gleichwohl arbeite man eng mit dem Bruder-Gerhard-Hospiz und auch den Palliativstationen in den Krankenhäusern zusammen. Die Angebote ergänzten sich. Und wenn zum Beispiel ein Schwerstkranker nicht mehr daheim betreut werden könne und ins Hospiz überwiesen werde, sorge die Pallicura auch dort für eine Weiterbetreuung: „Wir bleiben angebunden“, so der Mediziner.

Zum Rundum-Paket der Pallicura gehört nach den WortenHermers auch eine Beratung in psychosozialen und ethischen Fragen. „Wir sprechen Dinge an, die sich die Angehörigen nicht zu sagen trauen.“ Beispiele nennt Petra Thierauf-Götz, die als Palliativ-Care-Pflegefachkraft über langjährige Erfahrung verfügt: „Da geht es etwa um die Frage, ob auch eine zehnte Chemotherapie noch Sinn macht, angesichts der Nebenwirkungen.“ Oder darum, ob sich ein ALS-Patient mit weit fortgeschrittener Lähmung noch eine Magensonde zur künstlichen Ernährung setzen lässt. Die Beratung erfolgt über den Pallicura-Förderverein und ist für die betreuten Familien kostenlos.

Jetzt auch Trauerbegleitung im Angebot

Neu im Angebot ist auch die Trauerbegleitung von Angehörigen, die Thierauf-Götz nach einer Weiterbildung erstmals anbietet – auch sie grundsätzlich kostenlos. Der Gesprächsbedarf ist da. „Wenn Patienten verstorben sind, fallen die Angehörigen erst einmal in ein Loch“, weiß die 61-Jährige aus Erfahrung. Oft gebe es Schuldgefühle und Selbstzweifel, ob sich Angehörige richtig verhalten hätten. „Wollte er das wirklich so?“ sei eine Frage, die sie häufiger zu hören bekomme.

Mediziner Hermer sieht in dem neuen Angebot „ein Leuchtturmprojekt“ im Bereich der ambulanten Palliativversorgung. Besonders Kinder und Jugendliche bräuchten Betreuung, deren Eltern mitten aus dem Leben gerissen worden seien. Auch hier trage der Förderverein die Kosten.

Sie informierten über das Angebot: Pflegefachkraft Petra Thierauf-Götz und Mediziner Uwe Hermer. Foto: Hubert Heinzl