Neues Bruder-Gerhard-Hospiz in Schwandorf ist ein Segen für die Oberpfalz

Von Hubert Heinzl · 5. Januar 2024 um 17:07

Nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit ist am Freitag das neue Bruder-Gerhard-Hospiz der Johanniter in Schwandorf offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. Regierungspräsident Walter Jonas sprach in seiner Festrede von einem wichtigen Meilenstein für die ganzheitliche Versorgung in der Oberpfalz.

Vorangegangen war der Einweihung ein ökumenischer Gottesdienst in der Kreuzbergkirche, den der evangelische Regionalbischof Klaus Stiegler und Pfarrer Christoph Seidl, der Hospizbeauftragte des Bistums Regensburg, zelebrierten. Als Seelsorger werden das Hospiz und seine Gäste künftig Pfarrer Heinrich Rosner und sein evangelischer Amtskollege Stefan Drechsler betreuen. Sie erteilten den Beschäftigten ihren Segen – mit dem Wunsch an die Hauptamtlichen, sie sollten diesen durch ein segensreiches Wirken selber weitergeben.

Regionalbischof: Ein „Ort der Liebe bis zuletzt“

Regionalbischof Stiegler griff in seiner Predigt das biblische Jahresmotto 2024 auf: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ – diese Jahresbotschaft aus dem ersten Korintherbrief könne man auch auf das neue Hospiz übertragen. Eine humane Gesellschaft zeichne sich dadurch aus, dass auch die Schwächsten Hilfe erfahren würden – bis an ihr Lebensende. „Wir brauchen Orte der Liebe bis zuletzt“, forderte Stiegler in diesem Sinne. Sein Dank galt den Johannitern, die dafür ein klares Zeichen setzten – und dies schon seit Jahrhunderten. Der Namensgeber des Schwandorfer Hospizes, Bruder Gerhard, war vor mehr als 900 Jahren Vorsteher des Hospitals der Johanniter in Jerusalem.

Regierungspräsident Walter Jonas, der schon bei der Grundsteinlegung für das Bruder-Gerhard-Hospiz im Oktober 2022 zugegen war, hob in seiner Festansprache die Bedeutung der Einrichtung für die gesamte Oberpfalz hervor. „Der Tod gehört zum Leben“, so der Regierungspräsident. Menschen in der letzten Lebensphase dürften „mit ihren Schmerzen und Ängsten nicht allein gelassen werden“. Sie bräuchten eine ganzheitliche und qualitativ hochwertige Versorgung.

Regierungspräsident Jonas: Es geht um Zuwendung

Jonas zufolge unterstützt der Freistaat seit Jahren Hospize und die Palliativversorgung und habe auch das Bruder-Gerhard-Hospiz mit einem Betrag von 100.000 Euro finanziell gefördert. Bayernweit gebe es aktuell 23 stationäre Hospize mit insgesamt 253 Plätzen. Mit der Eröffnung des Bruder-Gerhard-Hospizes kämen nun zehn weitere dazu.

Im Mittelpunkt der Hospiz-Idee, so der Regierungspräsident weiter, stehe nicht allein die medizinische und pflegerische Betreuung, sondern vor allem menschliche Zuwendung. Dazu brauche es Menschen im Hauptberuf und im Ehrenamt, die Kraft und Mut hätten, Sterbende auf ihrem letzten Weg zu begleiten und die Angehörigen zu entlasten. Eine qualitativ hochwertige Hospiz- und Palliativversorgung dürfe kein Privileg für wenige Menschen, sondern müsse allen zugänglich sein, so seine Forderung.

Nun das dritte Hospiz in der Oberpfalz

Neben den drei stationären Hospizen in Schwandorf, Pentling und Neustadt/Waldnaab gibt es laut Jonas zahlreiche weitere Versorgungsangebote in der Oberpfalz, unter anderem sechs Palliativstationen mit 51 Betten an den Krankenhäusern sowie etliche Teams für die ambulante Palliativversorgung. Der Bedarf werde aber weiter zunehmen.

Worte des Dankes richtete Walter Jonas vor allem an die Johanniter, die mit „außergewöhnlichem Einsatz“ innerhalb von zehn Jahren zwei stationäre Hospize in der Oberpfalz errichtet hätten. Sein Dank galt allen Beteiligten am Schwandorfer Hospizprojekt, den vielen Spendern und besonders den Ehrenamtlichen, für ihren Einsatz. „Die ehrenamtliche Begleitung ist eine tragende Säule des Hospizes. Sie ist gelebte Solidarität und Ausdruck einer aktiven Zivilgesellschaft“, so der Regierungspräsident abschließend.

Versorgungslücke in der Oberpfalz geschlossen

MdB Martina Englhardt-Kopf (CSU) dankte den Johannitern für ihren Einsatz, aber auch den vielen Initiativen aus der Region, die zum Spendenaufkommen von 1,5 Millionen Euro beigetragen hätten. Worte des Dankes richtete sie auch an die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, „die vor Ort tätig sein werden“. CSU-Landtagsabgeordneter Alexander Flierl betonte, mit dem neuen Hospiz werde eine Versorgungslücke in der Oberpfalz geschlossen. Ein würdevolles Leben bis zum Ende zu ermöglichen, sei auch Aufgabe der Politik. Der Freistaat habe die Hospizidee von Anfang an befördert und werde die Strukturen weiter stärken. Grußworte sprachen auch Richard Tischler in der Doppelrolle als stellvertretender Landrat und Bezirksrat, OB Andreas Feller und Johannes Freiherr von Erffa vom Landesvorstand der Johanniter.

Im Anschluss an die Feier in der Kirche ging es bequem per Shuttlebus zum Bruder-Gerhard-Hospiz, das den kirchlichen Segen erhielt. Die zahlreichen Gäste konnten sich dabei einen ersten Eindruck von den Räumlichkeiten machen.

Die Bürger können weiter helfen

Das Bruder-Gerhard-Hospiz öffnet an diesem Samstag ab 10 Uhr seine Pforten für die interessierte Öffentlichkeit. Besucher können sich dabei einen Eindruck von den Räumen verschaffen. Eine Voranmeldung ist den Johannitern zufolge nicht erforderlich.

Der Förderkreis Bruder-Gerhard-Hospiz soll helfen, das jährliche Defizit von bis zu 300.000 Euro zu verringern. Ansprechpartnerin für eine Mitgliedschaft ist Hospizleiterin Katharina Salbeck, E-Mail katharina.salbeck@johanniter.de, Telefon (09431) 9987323.

Die Beschäftigten sind die Seele des Hospizes. Ihnen legten die Pfarrer Heinrich Rosner und Stefan Drechsler (im Bild) bei einer feierlichen Zeremonie im Rahmen des Gottesdiensts die Hand auf. Foto: Hubert Heinzl
In den nächsten Tagen werden im Hospiz die ersten Gäste einziehen. Die Außen- und Gartenanlagen sollen in den kommenden Wochen komplett fertiggestellt werden. Fotos: Hubert Heinzl
Pfarrer Christoph Seidl und Regionalbischof Klaus Stiegler (v. r.) erteilten der Einrichtung im Beisein von Leiterin Katharina Salbeck und Hospizvereinsvorsitzender Gisela Pöhler (v. l.) den Segen.
Bei der Schlüsselübergabe: Architekt Georg Kartini (l.) und Johanniter-Regionalvorstand Martin Steinkirchner Foto: Hubert Heinzl
Im „Wohnzimmer“ können Gäste und Angehörige zusammensitzen und sich aus der benachbarten Küche versorgen. Foto: Hubert Heinzl
Schlicht, aber hell und freundlich: So sehen die Zimmer für die Gäste aus. Foto: Hubert Heinzl
Der Chor Contigo gestaltete den Festgottesdienst musikalisch. Foto: Hubert Heinzl