Hospizbegleiter im Landkreis Schwandorf lassen die Menschen nicht allein

Von Renate Ahrens · 17. Dezember 2023 um 19:00

Ein Sterben in Würde hat sich der Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf zur Aufgabe gemacht. Ehrenamtliche leisten dabei Unverzichtbares. Und der Verein nimmt gerne weitere Interessierte auf. Um sie auf ihre Tätigkeit vorzubereiten, findet ab Januar in Neunburg ein Ausbildungskurs zum Hospizbegleiter statt.

Renate Wild hat diesen Kurs bereits vor zehn Jahren absolviert und seitdem in ihrer Freizeit acht Sterbende im Raum Neunburg bis zuletzt betreut. Die 56-Jährige ist Krankenschwester mit Leib und Seele. Nach der Schule erlernte sie zunächst den Beruf der Schneiderin, doch der Wunsch, andere zu pflegen, war zu stark. Und so ließ sie sich mit 30 Jahren zunächst zur Krankenpflegehelferin ausbilden und anschließend zur Krankenschwester.

Schon seit Jahren in der Notaufnahme tätig

Seit vielen Jahren arbeitet sie in der Notaufnahme des Schwandorfer Krankenhauses. Dort kommt es immer wieder zu lebensbedrohlichen Situationen. Manche Patienten und auch Angehörige bitten um geistlichen Beistand, und Renate Wild spürte den Wunsch, ihnen zu helfen. „Im Krankenhaus hatte ich bereits eine Ethikausbildung gemacht. Der Hospizgedanke interessierte mich schon seit langem“, berichtet Wild.

Wenn nun absehbar sei, dass ein Patient sterben werde, würden die Kollegen seit ihrer Hospizausbildung sagen: „Es ist ja Renate da, das ist gut.“ So stressig es für Wild dann auch sein mag, dieser Patient hat Priorität. „Ich gehe mit ihm und mit der Familie und bin für diejenigen da, die mich brauchen – auch wenn in der nächsten Minute die Welt untergehen würde“, sagt die Hospizbegleiterin entschlossen.

Der Ausbildungskurs habe ihr dabei sehr geholfen, betont Wild. Nicht nur in der Klinik betreut sie Schwerkranke, sondern auch in ihrer Freizeit. Ihre erste Begleitung, erinnert sie sich, sei eine 90-jährige Frau gewesen, mit der sogar eine Freundschaft entstand.

Konzentrieren auf die schwer kranken Menschen

Immer konzentrieren sich Hospizbegleiter voll und ganz auf den Schwerkranken. „Auch wenn man denkt, er bekommt doch nichts mehr mit: Sterbende sehen und hören viel mehr als man denkt. „Sie überraschen einen immer wieder“, sagt Renate Wild, die auch bei der alten Frau war, als sie starb.

Bei einer anderen Betreuung war es der Ehemann einer plötzlich schwer erkrankten 50-Jährigen, der mehr Zuwendung als die Todkranke selbst brauchte. „Er machte sich Vorwürfe, zu spät gehandelt zu haben. Ihm ging alles viel zu schnell. Die Frage, ob man etwas anders hätte machen müssen, schien für den Angehörigen kaum auszuhalten.“ Für solche Fälle bietet der Hospizverein auch Trauerbegleitungen für die Betreuung trauernder Kinder und Erwachsener an. „Loszulassen in der letzten Lebensphase, das fällt vielen oft sehr schwer.“

Natürlich sei Hospizbegleitung keine einfache Aufgabe. Leid müsse man aushalten können, sagt Wild. Man dürfe das Belastende nicht zu sehr an sich heranlassen, sondern müsse eine gesunde Distanz schaffen. Immer müsse sie auch ehrlich sein, etwa auf die Frage Sterbender: „Was kommt danach? Was denken Sie?“ Renate Wild sagt dann, sie wisse es nicht. Auch das ist erlaubt: Nicht jede Frage kann und muss beantwortet werden.

Immer nehmen sich Hospizbegleiter selbst zurück. Das lernt man unter anderem in den Kursen. Es gehe aber auch um die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit. Seit sie Hospizbegleiterin sei, habe sie einen ganz anderen Bezug zum Sterben, aber auch zum Leben, sagt Wild. „Man wird gelassener. Vieles regt einen nicht mehr auf. Ich denke mir jedes Mal: Ist es das wert?“ Meist sei es das nicht, stellt sie dann fest. „Die Zeit, in der wir da sind, ist so kurz. Warum soll man dann streiten?“

Auch Hospizbegleiter stellen Fragen

Auch Hospizbegleiter haben oft Fragen. Hin und wieder beschäftigt sie eine Betreuung sehr, und dann dürfen sie die Begleitung auch abgeben. Betreut werden die Ehrenamtlichen selbst regelmäßig durch Supervisoren, die mit Hospizbegleitern Themen besprechen, die ihnen am Herzen liegen. Im Hospizverein tausche man sich regelmäßig aus und lache auch gemeinsam – überhaupt gehe es dort nie „todernst“ zu. Bei Fortbildungen lerne man immer wieder viel, zum Beispiel, dass man keine Angst vor der Hospizarbeit zu haben brauche. „Man handelt oft nach Intuition“, erklärt Gisela Pöhler, die Vorsitzende des Vereins. „Es gibt kein Falsch und Richtig.“ Das Allerwichtigste, was Hospizbegleiter tun, sei Zuhören. Noch schwieriger sei es, nichts zu sagen – nämlich wenn es dem Ende zugeht und man einfach nur da ist. „Und dabei tut man doch so viel.“

Man lerne viel über sich selbst, betont Renate Wild. Ihre Tätigkeit als Hospizbegleiterin betrachte sie als große Bereicherung ihres Lebens. „Man bekommt so viel zurück. Ich rate es jedem, der den Wunsch dazu verspürt.“

Im Januar beginnt in Neunburg ein neuer Kurs

Vom 31.Januar bis 15. Juni 2024 findet im Marienheim Neunburg ein Hospizbegleiterkurs statt. Qualifizierte Dozenten vermitteln den Zugang zu den Themen Sterben, Tod und Trauer. Themen sind zum Beispiel Grundlagen der Kommunikation, „Nähe – Distanz“, Schmerz- und Systemkontrolle, Trauer, ethische Fragestellungen, aber auch wichtige Dinge wie Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung oder Bestattungsformen. Die Kosten betragen 290 Euro. Die Kurse finden zum Teil abends, zum Teil an den Wochenenden statt. Anmeldung und Infos beim Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf, erreichbar unter Telefon (09431) 799876 oder 0151/52525315.