Ziehen Flüchtlinge ins Regensburger Hotel Hottentotten Inn?

Das Sozialreferat der Stadt schlägt das Hotel dem Jugendhilfeausschuss des Stadtrats als Unterkunft für unbegleitete Minderjährige vor – und überrascht damit den Betreiber.
Es ist ein Wort, das Herbert Saal besonders aufbringt. Als „ehemaliges Hottentotten-Inn-Hotel“ wird sein Betrieb im Regensburger Osten in einer Beschlussvorlage bezeichnet, die Sozial-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) am Donnerstag dem Jugendhilfeausschuss des Stadtrats vorlegen möchte. „Ich habe ein Hotel und das läuft gut“, stellt Saal am Telefon klar.
Die Stadt indes hat einen Plan mit der Immobilie, die Saals Frau als Eigentümerin zwar verkaufen möchte, aber noch nicht verkauft hat. Die Kommune hat zu wenig Platz für die vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die sie „in Obhut“ nehmen muss. Derzeit bringt sie im Menschen-in-Not-Schutzhaus in der westlichen Altstadt unter, zum Teil in Räumen, die für angehende Erzieherinnen vorgesehen sind. Sie werden ab Herbst wieder als Azubi-Apartments benötigt. „Um die erforderlichen Platzkapazitäten weiterhin vorhalten zu können, ist die Anmietung des ehemaligen Hottentotten-Inn-Hotel notwendig“, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Größe des Hauses erlaube es, dort auch die bereits beschlossene Notschlafstelle für junge Erwachsene unterzubringen. Auch ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept legt das Sozialreferat den Stadträten vor.
Hotelier: Gebäude steht derzeit nicht zur Vermietung
Hotelier Herbert Saal allerdings sagt: Das Hottentotten-Inn-Hotel solle derzeit überhaupt nicht an die Stadt vermietet werden. „Wir sind überrascht und entsetzt, dass unser Hotel nun öffentlich im Internet als Notschlafstelle für junge Erwachsene und unbegleitete minderjährige Ausländer im Gespräch ist, und werden sofort Rücksprache mit den diversen Kaufinteressenten halten“, teilt er mit. Weiterhin erklärt er, die Liegenschaft gehöre seiner Frau und sei vermietet an die Hottentotten Inn GmbH, die dort seit 2005 ein Hotel betreibe.
Den Namen Hottentotten Inn trage es, weil er vor der Eröffnung zehn Jahre in Namibia gelebt habe, erzählt Saal; der Begriff Hottentotten stammt aus der Kolonialzeit, damals bezeichneten die Besatzer damit Völker in Südwestafrika. Das Hotel wirbt unter anderem mit einer Bar, die eigens in Namibia hergestellt worden und mit dem Schiff nach Deutschland transportiert worden sei. Vor allem Lkw-Fahrer übernachteten im Hotel, erzählt Saal. Derzeit liefen Verkaufsverhandlungen, weil die Bürokratie, insbesondere Vorgaben zur energetischen Sanierung, ihm zusetze. Ein Abschluss sei allerdings noch nicht zustande gekommen. Er selbst könne sich etwa eine Obdachlosenunterkunft dort vorstellen, das sei der Stadt auch bekannt.
In der Tat ist Bürgermeisterin Freudenstein auch für die Obdachlosenhilfe zuständig. In dieser Funktion sucht sie Immobilien für wohnungslose Menschen. Aber auch Unterkünfte für unbegleitete Minderjährige braucht sie. In vergangenen Jahren kamen sie so zahlreich nach Regensburg, dass die Stadt sie zum Teil in der Jugendfreizeitstätte Haslbach unterbrachte. Über das Hottentotten Inn sagt sie: „Das ist eine super Unterkunft für uns.“ Es sei geräumig und vollständig ausgestattet, bis hin zur Bettwäsche.
Bürgermeisterin: Unterkunft wäre Außenstelle des Jugendamts
Der potenzielle Käufer der Immobilie habe erfahren, dass das Sozialreferat Räume suche und sei auf die Stadt zugekommen, sagt Freudenstein. Als Notschlafstelle und Unterkunft für minderjährige Ausländer wäre das Hotel eine „Außenstelle“ des Amts für kommunale Jugendarbeit beziehungsweise des Amts für Jugend und Familie. Was das Wort „ehemalig“ angeht, das Saal so stört, erklärt sie, das beziehe sich auf die Zukunft. „Das wäre dann das ehemalige Hottentotten Inn. Wir würden den Namen nicht fortführen wollen.“
Junge Flüchtlinge
Definition: Unbegleitete minderjährige Ausländer sind Kinder oder Jugendliche, die ohne Eltern oder Verwandte einreisen.
Vorgehen: Kommen sie in Regensburg an, muss das Jugendamt sie in Obhut nehmen und prüfen, wie die Jugendlichen nach dem Königsteiner Schlüssel weiterzuverteilen sind. Manchmal bleiben sie auch in der Stadt, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen.
