Lärm: Die Stadt Regensburg setzt auf Tempo 30

Von Juliana Ried · 25. April 2024 um 16:28

Die Stadt sieht in ihrem neuen Lärmaktionsplan acht neue Beschränkungen auf 30 Kilometer pro Stunde vor, aber keine Entlastung für den Süden. Aktuell läuft die Bürgerbeteiligung.

Von der Autobahn kommt der Lärm, von der Franz-Josef-Strauß-Allee, und bei bestimmten Windverhältnissen auch von den Bahngleisen: Ralf Kapfberger fühlt sich im nahen Wohngebiet in Burgweinting einer „Dauerbeschallung mit Verkehrslärm“ ausgesetzt. Der 62-Jährige hat einige Vorschläge, was die Stadt dagegen tun könnte: Tempo 30 auf der Franz-Josef-Strauß-Allee und zusätzliche Lärmschutzwände zur Autobahn.

Mit Wünschen wie diesen ist er nicht allein, wie sich auf der Beteiligungsplattform der Stadt zu ihrem Lärmaktionsplan zeigt. Dieser setzt vor allem auf Tempo 30, bringt aber den Anwohnern von Autobahnen und Gleisen keinen Lärmschutz. Dafür seien Bund und Freistaat beziehungsweise die Bahn zuständig, erklärt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra.

Autobahnen sind Lärmbrennpunkte

Dabei liegen gerade an den Autobahnen Lärmbrennpunkte, das zeigt die Lärmkartierung des Landesamts für Umwelt. Laut ist es auch an den Hauptverkehrsstraßen, ob am Odessa-Ring im Osten, an der West-Ost-Achse zwischen Winzer und Schwabelweis, an der Amberger Straße im Norden oder an der Friedens- und Furtmayrstraße südlich der Donau. Die Maßnahmenvorschläge der Stadt, die sie auf ihrer Beteiligungsplattform gerade den Bürgern präsentiert, konzentrieren sich auf die Innenstadt und deren Umgebung. Dazu kommen zwei geplante Tempolimits im Norden. Die Stadt werde an „Lärmbrennpunkten“ tätig, wo es tagsüber lauter sei als 67 Dezibel und nachts lauter als 57Dezibel und an denen mehr als 50 Menschen wohnen, erklärt Stadtsprecherin von Roenne-Styra. Dazu gehört etwa Kapfbergers Wohnort in Burgweinting nicht, so teilte es ihm die Stadt mit.

Ganztags Tempo 30 empfiehlt die Stadt dagegen in Abschnitten der Schottenstraße und der benachbarten Kumpfmühler Straße, der Adolf-Kolping- und D.-Martin-Luther-Straße sowie in der Weißenburgstraße, wo die Stadt erst kürzlich das „Tempo 30 zur Luftreinhaltung“ abschaffte. Tempo 30 nachts schlägt die Kommune in Teilen der Amberger Straße, der Donaustaufer Straße in Schwabelweis, der zentrumsnahen Margaretenstraße sowie der Hermann-Geib-Straße im inneren Osten vor. Die Landshuter Straße will die Stadt sanieren und umbauen. Ein neuer Belag könne das Reifenabrollgeräusch mindern.

Auf ihrer Beteiligungsplattform mein.regensburg.de holt sich die Stadt gerade Rückmeldungen der Bürger zu ihren Vorschlägen ein. Bis 13. Mai können sie sich noch äußern. Vor einem Jahr hatten die Bürger dort erstmals das Wort. 149 Regensburger nahmen an einer Umfrage teil, 53 „Ideen gegen Lärm“ speisten sie ein. Weit oben auf der Wunschliste steht Tempo 30, samt strenger Überwachung, sowie mehr Schallschutzwände an Autobahnen und ihren Abfahrten. Zu den Tempo-30-Anhängern, die sich dort äußern, zählt neben Ralf Kapfberger aus Burgweinting auch Markus Wildenauer aus der Amberger Straße. Wildenauer ist froh über das geplante „Tempo 30 nachts“ in der Amberger Straße, es reicht ihm aber nicht. „Ich finde es unter Tag noch schlimmer“, sagt der 41-Jährige über die Lärmkulisse, die er „grenzwertig“ nennt. Ab vier Uhr, fünf Uhr morgens rauschten die Lastwagen durch.

Tempo 30 in 90 Prozent der Straßen

Die Stadt begründet die Beschränkung von Tempo 30 auf die Nacht mit der „hohen Verkehrsbedeutung“ der Amberger Straße, so schreibt es der Moderator auf der Beteiligungsplattform. Zudem litten dort am Tag nur zwei Prozent der Bewohner unter einer Überschreitung der Grenzwerte und 56Prozent in der Nacht. Prinzipiell gilt laut Stadtsprecherin von Roenne-Styra: „Abseits der Hauptverkehrsstraßen sind bereits jetzt überall Tempo-30-Zonen eingerichtet.“ Ansonsten müsse die Stadt bei der Anordnung die rechtlichen Vorgaben beachten. Insgesamt seien bereits jetzt 90 Prozent der Straßen mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 Kilometern pro Stunde oder darunter versehen.

Nach der Beteiligungsrunde will die Stadt ihren Aktionsplan bis Juli fertigstellen und dem Stadtrat zum Beschluss vorlegen. Binnen fünf Jahren will sie ihn umsetzen. Als Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern muss Regensburg alle fünf Jahre „für die ermittelten Belastungsschwerpunkte konkrete Maßnahmen zur Verminderung der schädigenden Lärmwirkungen“ prüfen, so schreibt es eine EU-Richtlinie vor.