Eignet sich das frühere Porsche-Zentrum als Eventhalle für Regensburg?

Veranstaltungen statt Edel-Sportwagen? Die Brücke Stadtratsfraktion hat eine Idee für die Neunutzung des früheren Regensburger Porsche-Zentrums.
Die Jepsen-Autogruppe ist auf der Suche nach einer neuen Nutzung für das aktuell leerstehende ehemalige Porsche-Zentrum in der Merowingerstraße/Johann-Hösl-Straße im Stadtsüden. Die entsprechende Berichterstattung in der Mittelbayerischen hat die Brücke-Stadtratsfraktion auf eine Idee gebracht:
Sie will prüfen lassen, ob sich das einstige Autohaus als städtischer Veranstaltungsort für kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse eignet. Zu diesem Zweck soll die Stadtverwaltung bei den Eigentümern der Immobilie vorfühlen.
Die Initiative für diesen Vorschlag kommt von Stadtrat Thomas Mayr. In seinen Augen hätte das frühere Porsche-Zentrum das Potenzial, den in Regensburg bestehenden Mangel an mittelgroßen Veranstaltungshallen zu lindern. Weitere Vorzüge: Die nächste Wohnbebauung ist einigermaßen weit weg, während die riesigen Parkplatzflächen des Jahnstadions nur einen Katzensprung über die Autobahnbrücke entfernt liegen.
„Spannende Geschichte“
Mayr ist überzeugt, dass die von ihm angedachte Nutzung „nicht nur der lokalen Kulturszene zugutekommen würde, sondern auch zur Attraktivität unserer Stadt als Veranstaltungsort beitragen könnte“. Als mögliche Nutznießer erwähnt er die Alte Mälzerei und den Jazzclub.
Mälze-Geschäftsführer Hans Krottenthaler ist durchaus angetan von dem Vorstoß. Das Gebäude hat seiner Meinung nach genau die richtige Größe, um Events für 500 bis 1000 Besucher beherbergen zu können. „Und es sieht von außen sehr cool aus. Das wäre eine spannende Geschichte.“
Wie hoch der bauliche Aufwand für eine Umnutzung wäre, kann Krottenthaler freilich nicht abschätzen. Zudem weiß er nach den Erfahrungen aus den Nuller-Jahren, als mit dem Kulturspeicher in der Bruderwöhrdstraße eine Konzerthalle dieser Größe zur Verfügung stand, dass für einen kostendeckenden Betrieb eine hohe Auslastung nötig wäre. Doch reizvoll fände er das Projekt allemal, weshalb er sagt: „Die Initiative ist sehr begrüßenswert. Wir würden uns freuen – und andere sicher auch.“
Defizit in Sachen Veranstaltungen
Zu diesen „anderen“ gehört der Jazzclub. Vorstandsmitglied Bernhard Lindner kann die Diagnose von Brücke-Stadtrat Mayr teilen. „In Sachen Veranstaltungssäle hat Regensburg ein Defizit.“ Zwischen dem Leeren Beutel mit einer Kapazität von maximal 250 Plätzen und dem Audimax mit 1500 gebe es nach dem Wegfall des Antoniushauses so gut wie kein Angebot mehr. „Bedarf ist sicher da. Aber vor allem halt in der Innenstadt.“
Dass ein Mangel an mittelgroßen Hallen herrscht, bestätigt auch Michael Lehner. Der Chef der CSU-Stadtratsfraktion hält aber wie Lindner die Lage für wichtig. „Beim früheren Porsche-Zentrum gibt es keine Hotel-Infrastruktur, für Kongresse wäre der Standort daher schon mal nicht geeignet.“
Anders als Mayr sieht er zudem das Thema Nachbarschaft und verweist auf die südlich der Otto-Hahn-Straße entstehende Neubebauung: „Die ist zwar bei Weitem nicht so nah dran wie beim Marinaforum, wo es sicher nicht die allerklügste Entscheidung war, so dicht hinzubauen. Doch völlig ohne Anwohner ist auch das Porsche-Zentrum nicht.“
Lehner schaut genauer hin
Lehner bezeichnet die Brücke-Idee daher als „nicht völlig schlecht“, meint aber: „Wenn man genauer hinschaut, tun sich viele Fragen auf. Vor allem hätte ich zuerst mit den Eigentümern geredet.“ Die wollten Einnahmen generieren − und für die Stadt wären die Kosten enorm. Laut Immobilienanzeigen stellt sich die Jepsen-Autogruppe eine Monatsmiete von 39 000 Euro vor.
„Ob sich das wirtschaftlich vertretbar darstellen ließe?“, fragt SPD-Fraktionschef Thomas Burger und gibt die Antwort gleich selbst: „Das ist eine schnelle Idee aus der Hüfte, die charmant klingt – aber ich bin skeptisch. Eigentlich suchen wir als Stadt ja gerade nach Einspar-Möglichkeiten.“
Tot ist die Brücke-Initiative dennoch nicht, betonen Burger und Lehner. Sofern eine Vorprüfung der Verwaltung positiv ausfalle, könne demnächst im Kulturausschuss darüber diskutiert werden.