Zwei große Leerstände: Regensburger „Super-Standort“ braucht frisches Blut

Von Rainer Wendl · 27. März 2024 um 17:00

Das Porsche-Zentrum ist umgezogen, in der früheren Bäckerei Ebner ist die Produktion längst eingestellt – sind diese Leerstände Anzeichen dafür, dass es mit der Johann-Hösl-Straße in Regensburg bergab geht?

Das direkt an der Autobahn-Anschlussstelle Universität gelegene Gebäude wirkt auch nach 20 Jahren noch modern und elegant. Sein edles Innenleben aber ist weg, im Porsche-Zentrum stehen keine Porsches mehr. Mit den an Fassade und Scheiben angebrachten Hinweisen „Achtung, neuer Standort“ und „Wir sind umgezogen“ werden die Sportwagen-Freunde der Region zum frisch eröffneten Domizil am Prüller Weg in Burgweinting geschickt.

Wenige Meter vom alten Porsche-Zentrum entfernt fällt ein weiterer großer Leerstand ins Auge. In der Zentrale der ehemaligen Bäckerei Ebner gibt es zwar noch die kleine Verkaufsstelle sowie vermietete Appartements im Obergeschoss, die riesige Produktionsstätte aber liegt seit eineinhalb Jahren brach. Was ist also los in der Johann-Hösl-Straße?

Stadt: Es ist nur eine Phase

Im Amt für Stadtentwicklung und im Amt für Wirtschaft und Wissenschaft wird diese Frage entspannt gesehen. „Die aktuelle Situation ist lediglich als Phase der Neuvermietung zu verstehen“, diagnostiziert man hier keine grundsätzliche Schwäche des Standorts.

Bei der Findung von adäquaten Neunutzungen für die Brachen stünden die städtischen Fachstellen im Austausch mit den Eigentümern und Mietinteressenten für die Brachen und zeigten die verschiedenen Möglichkeiten auf. Maßgabe dafür sind die Festsetzungen im Bebauungsplan, und die lassen in diesem Mischgebiet ganz offensichtlich vieles zu. In der Johann-Hösl-Straße reicht das Spektrum von Nahversorgung über Einzelhandel bis zu Büronutzung und Dienstleistungen, auch Gastronomie gab es hier schon.

„Der Standort ist super“, sagt Immobilienmakler Thomas Vogel. Seine Firma ist mit der Neuvermietung des ehemaligen Ebner-Komplexes betraut. Es gebe zwar Themen wie Modernisierungsbedarf an den aus dem Jahr 1989 stammenden Gebäudlichkeiten und einzuhaltende Auflagen, aber das ändert nichts an Vogels Zuversicht: „Wir sind intensiv dran und wir finden auch einen passenden Nutzer.“

Vorreiterrolle in Elektromobilität

Noch ganz am Anfang dieses Prozesses steht Johannes Marx. Er ist Gesamtgeschäftsführer der Jepsen-Autogruppe, zu der auch das Porsche-Zentrum Regensburg gehört. Er hat gerade erst den Umzug an den Prüller Weg hinter sich gebracht, in erster Linie hätten Platzgründe den Neubau dort erforderlich gemacht: „Porsche ist eben eine Marke, die sich sehr gut entwickelt“, freut sich Marx und meint damit sowohl die Funktion als Erfolgsgarant innerhalb der Jepsen-Gruppe als auch die Vorreiterrolle der Sportwagen-Schmiede in Sachen Elektromobilität.

Was die Zukunft des alten Standorts an der Johann-Hösl-Straße (die exakte Postadresse lautet Merowingerstraße 2) angeht, sagt er: „Wir prüfen Optionen, das Gelände entweder als Jepsen-Gruppe oder außerhalb der Branche weiterzuentwickeln, aber es gibt noch nichts Spruchreifes.“ Nur eine Zahl ist bereits konkret und per Online-Inserat veröffentlicht: Ein Mieter müsste 39.000 Euro zahlen, im Monat. „Es ist ja auch ein riesiges Objekt, bestehend aus zwei Gebäudeteilen“, betont Marx.

Auch der künftige Mieter der ehemaligen Ebner-Zentrale muss gut bei Kasse sein. 24.000 Euro beträgt die Monatsmiete für das im Internet als „Hallenfläche in Top-Lage“ beworbene Areal. Dieser Preis bezieht sich auf die knapp 3000 Quadratmeter große Gesamtfläche, die auf Wunsch auch im Verhältnis zwei Drittel/ein Drittel teilbar wäre.

Wie ein „zweites Leben“ für Autohäuser aussehen kann

Immobilien-Fachmann Vogel hat keinen Zweifel daran, dass Interessenten diese Preise stemmen können. „Wir sind ja in keiner armen Gegend“, meint er und hebt vor allem den Wert und die Vorteile des Standorts hervor: „Zufahrt, Bekanntheit, Sichtbarkeit – das alles passt. In dieser Lage wird Geld verdient.“

Was die möglichen Arten der Nachnutzung angeht, lässt sich Vogel genauso wenig in die Karten schauen wie Marx. Doch zumindest bei Autohäusern gibt es im Stadtgebiet gleich mehrere Anschauungsbeispiele, wie ein „zweites Leben“ gelingen kann. Sie fungieren jetzt als großer Schuh-Discounter, edler Fahrradladen oder italienischer Feinkosthandel mit angeschlossenem Bistro – denn Themen wie Mode, Lifestyle und gutes Essen und Trinken stehen in „keiner armen Gegend“ wie Regensburg immer hoch im Kurs.

Die Backproduktion in der Ebner-Zentrale ist längst eingestellt.