Hiobsbotschaft für St. Vitus in Burglengenfeld: Orgel wird nicht zeitnah saniert – und gesperrt

Nach vielen Erfolgen muss Pfarrer Michael Hirmer, Chef der 2023 gegründeten katholischen Stadtkirche Burglengenfeld, einen Rückschlag verkraften. Das Ordinariat hat seinen Plan, die Orgel von St. Vitus endlich von Grund auf zu sanieren, durchkreuzt. Damit nicht genug: Das Instrument darf ab sofort nicht mehr bespielt werden.
Dass St. Vitus im Prinzip eine neue Orgel benötigt, ist seit langem bekannt. Ein Vierteljahrhundert haben viele Bürger genau dafür gesammelt. Nach Angaben des Orgelbauvereins liegen aktuell rund 140 000 Euro am Konto. Das Problem: Die Sanierung des königlichen Instruments, die „neubauähnlich“ erfolgen sollte, wurde immer wieder auf die lange Bank geschoben. Denn vorher sollte das Gotteshaus komplett instandgesetzt werden.
Weil Letzteres jedoch ein Projekt von noch viel größerer Dimension ist und entsprechend viel Vorlauf benötigt, hatte Hirmer nach einem anderen Weg gesucht. Ende 2023 glaubte er, ihn gefunden zu haben. Zusammen mit Kirchenmusiker Hubert Zaindl legte er ein Konzept vor, das aufhorchen ließ, weil es eben doch eine zeitnahe Sanierung der Orgel vorgesehen hätte. Damit würde das gesammelte Geld endlich seinem Zweck zugeführt werden, hieß es. Wenn „alles optimal läuft“, sollte die neue Orgel an Weihnachten 2025 erklingen, sprühte der Pfarrer vor Optimismus.
Doch das Baureferat und die Kunstkommission des Ordinariats machten einen Strich durch die Rechnung. Im Februar und März teilten sie laut Hirmer unabhängig voneinander mit, dass man mit dem Kurs nicht einverstanden sei. Die Generalsanierung der Kirche habe nach wie vor zwingend Vorrang.
Erhebliches Risiko – nicht nur für das Instrument
Das Scheitern der Idee zwang Hirmer zu einem harten Schnitt: Ab sofort darf auf der Orgel nicht mehr gespielt werden. Schon seit längerem ist seinen Worten zufolge nämlich durch Gutachten bestätigt, dass von dem Instrument ein erhebliches Risiko ausgehe. Der Motor könnte heiß laufen, bestätigte Hirmer, und unter den Tasten herrsche beim Spielen Funkenflug. Experten sollen deshalb dringend empfohlen haben, das Instrument nicht mehr zu nutzen.
Wer hätte das gedacht: Eine Woche, nachdem St. Vitus ein einzigartiges Konzert erlebt hat, sah sich Pfarrer Hirmer gezwungen, ein Spielverbot für die Orgel zu verkünden. Wer noch einmal auf das 24-stündige Musikerlebnis zurückblicken möchte, mache hier einen Klick.
Hirmer ließ Kirchenmusiker Zaindl, wie er offen zugibt, zunächst dennoch gewähren. Für einen befristeten Zeitraum hätte er das auch weiter getan – nämlich rund ein Jahr, bis zum erhofften Beginn der Sanierung. Das Risiko nahm Hirmer auf seine Kappe. Nun aber, da die Arbeiten am Instrument wieder in weite Ferne gerückt sind, zog er die Reißleine. „Mir blieb keine andere Wahl. Es war Gefahr im Verzug. Für den Weiterbetrieb kann keine Haftung mehr gewährleistet werden“, sagte der Geistliche. Im Falle eines Brandes könnte die ganze Kirche in Mitleidenschaft gezogen werden.
Auch eine provisorische Reparatur, die die Brandgefahr ausschließen würde, hält Hirmer unter Berufung auf ein Gutachten für nicht mehr machbar. Die filigranen elektrischen Verbindungen innerhalb des Spieltischs und im Pfeifenkasten ließen sich auf die Schnelle nicht mehr sicher gestalten.
Die Besucher des 24-Stunden-Konzerts, das am 13. und 14. April für Begeisterung sorgte, haben also die Orgel vermutlich zum letzten Mal gehört. Franz Xaver Riedhammer präsentierte, begleitet von Violine und Cello, „musikalische Edelsteine aus drei Jahrhunderten“.
Gravierende Konsequenzen für die Pfarrei
Die Konsequenzen des Verbots sind laut Hirmer umfassend. Das Markenzeichen der Stadtkirche und vor allem der Pfarrei St. Vitus sei ihre Musikalität. Wenn die Orgel schweige, werde die Gemeinde „um eines ihrer Wesensmerkmale beraubt“. Geknickt fragt sich Hirmer, was St. Vitus noch alles aufgeben soll. Ihr früheres „Wohnzimmer“, das Pfarrheim St. Michael, habe die Pfarrei quasi schon verloren. Nun gehe es um den Charakter feierlicher Gottesdienste, die ohne Orgel nicht vorstellbar seien.
Besonders tragisch: St. Vitus ist eine Pfarrei, die sich noch glücklich schätzen darf, mit Hubert Zaindl einen professionellen Kirchenmusiker in ihren Reihen zu haben. Nun ist er gezwungen, auf einem E-Piano sein Bestes zu geben. Hirmer veranschaulichte die Diskrepanz mit einem Vergleich aus der Welt des Sports: Das sei, wie wenn „ein Formel-1-Team mit Michael Schumacher keinen Ferrari mehr zur Verfügung hätte, sondern ein Dreirad“.
Kirchenmusiker will St. Vitus treu bleiben
Noch hat der Pfarrer die Hoffnung, das Ordinariat umstimmen zu können, nicht aufgegeben. Demnächst will er sich an das Bistum wenden und um eine Ausnahme von der Regel bitten. Eines seiner Argumente: Wird die Sanierung der Orgel weiter verzögert, dürften die Ersparnisse wegen der zu erwartenden Kostensteigerungen bedenklich schmelzen. Und könnte man die runderneuerte Orgel während der Kirchensanierung nicht professionell schützen?
Hubert Zaindl hat immer wieder Glanzlichter gesetzt. Zum Beispiel im Herbst vergangenen Jahres mit einem Kindermusical.
Zaindl (49) trägt sein Los nach außen mit Fassung. Leider sei es nicht gelungen, die Orgel zeitnah zu ertüchtigen, sagte er. Dabei sei der Handlungsbedarf schon seit Jahrzehnten bekannt. Nicht umsonst habe man einen Orgelbauverein gegründet. Absichten, die Pfarrei nun zu verlassen, hat Zaindl nicht. „Dafür sind wir hier zu sehr verwurzelt“, betonte er. Heuer steht sein 25-jähriges Dienstjubiläum in St. Vitus im Kalender.
Seitens des Bischöflichen Ordinariats stand eine Antwort auf die Fragen der MZ bis Redaktionsschluss noch aus.

