24-Stunden-Konzert übertraf in Burglengenfeld alle Erwartungen

Von Friedrich Gluth · 15. April 2024 um 17:00

Mit ihrer Idee, in der Pfarrkirche St. Vitus ein 24-Stunden-Konzert zu veranstalten, waren die „Macher“ Pfarrgemeinderatssprecher Markus Heider und Kirchenmusiker Hubert Zaindl bei Pfarrer Michael Hirmer sofort auf offene Ohren gestoßen. Jetzt war es so weit – und die Premiere übertraf schließlich alle Erwartungen.

Am vergangenen Wochenende – von Samstag um 18 Uhr bis Sonntag um 18 Uhr – wurde das Projekt umgesetzt. Das Kirchenschiff verwandelte sich dafür für einen Tag in einen Konzertsaal. In der Bevölkerung waren die Zweifel vorher groß, ob dieses Vorhaben denn gelingen könne. Wer geht schon mitten in der Nacht in die Kirche, um Musik zu hören, so lautete eine der Fragen, die oft gestellt wurden.

Die Organisatoren Heider und Zaindl ließen sich von diesen Vorbehalten aber nicht abhalten. Im Gegenteil: Sie organisierten kurzerhand 40 Musikgruppen und über 400 Mitwirkende, die den Zeitraum von 24Stunden mit Musik füllen sollten.

Das Ergebnis jedenfalls gab den Optimisten Recht, denn das 24-Stunden-Konzert wurde ein voller Erfolg. Alle Beteiligten zeigten sich von der Veranstaltung angetan – egal, ob das Künstler oder Zuhörer waren.

Voll besetzte Pfarrkirche St. Vitus in Burglengenfeld

Das Event fand im Rahmen des ökumenischen Formats „Nacht der offenen Kirche(n)“ statt. Es begann am Samstag um 18Uhr in der voll besetzten Pfarrkirche mit einer Andacht, die der Gospelchor unter Leitung von Kirchenmusiker Hubert Zaindl gestaltete, während die liturgische Gestaltung in der Hand von Markus Heider lag.

Dieser stellte am Beginn die Frage: „Was glaubst denn Du?“ Als Antwort trugen Mitglieder des Orga-Teams Texte vor, die auch kirchenkritische Themen wie Kreuzzüge, Inquisition und Missbrauch aufgriffen.

Neben dem Hauptaltar waren mehrere Leinwände aufgestellt, auf denen mit einer Power-Point-Präsentation Sprüche berühmter Personen zum Thema Glauben zu sehen waren. Darunter waren Sängerin Nina Hagen („Ich weiß, dass Gott mich immer auffängt – und die Liebe immer siegt“) oder Nationaltorwart Manuel Neuer („Ja, ich glaube an Gott und bete auch“).

Nach der Andacht trat der Gospelchor mit einprägsamen und rhythmischen Liedern wie „If you’re happy“ auf, die die Besucher in der lila, rot und orange illuminierten Kirche gleich in ihren Bann zogen. Das Lied erntete denn auch begeisterten Applaus.

Die große Besucherzahl war aber keine vorübergehende Erscheinung, die sich nur auf den Anfang beschränkte. Nein, tatsächlich hielt der Ansturm bis in die tiefen Nachstunden hinein an.

Ein Gebet für den Frieden im Nahen Osten

Die Künstler traten auf drei Bühnen auf. Diese mussten immer wieder umgebaut werden, weil die Besetzung der einzelnen Bands unterschiedlich war. Dabei ging der Umbau dezent und für das Publikum kaum wahrnehmbar vonstatten. Auch die Besucher waren sehr rücksichtsvoll, wenn sie den Kirchenraum verließen, um andere Zuhörer nicht zu stören.

Je weiter der Abend fortschritt, desto präsenter wurde die Frage, ob die Künstler in den Nachtstunden vor leeren Bänken spielen müssten. Dies war jedoch zu keinem Zeitpunkt der Fall. Als zwischendurch bekannt wurde, dass der Iran Israel angegriffen habe, sprach Pfarrer Hirmer ein Gebet für den Frieden in dieser Region.

Auch beim Festgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr war die Kirche voll besetzt. Dabei trugen Firmlinge die Fürbitten und ein Predigtspiel vor. Die musikalische Gestaltung lag bei der Gruppe Kneitingales. Pfarrer Michael Hirmer lud nach dem Gottesdienst zu einem Weißwurstfrühstück im Eingangsbereich der Kirche ein.

Schließlich folgte ein Höhepunkt des 24-Stunden-Konzerts, nämlich die Welturaufführung der von Marianne Zaindl komponierten Suite für Blasorchester. Das Werk mit dem Titel „Pictures“ wurde von der Musikkapelle St. Vitus gespielt und von der Komponistin selbst dirigiert. Das Publikum quittierte die Premiere mit einem langanhaltenden Applaus.

Auch am Sonntagnachmittag war die Kirche voll besetzt. Kein Wunder, standen doch unter anderem der Unterstufenchor des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums und drei Chöre der Singschule von St.Vitus auf der Bühne.

Während der 24 Stunden legten Stadtrat Bernhard Krebs (SPD), MdB Marianne Schieder (SPD), MdB Martina Englhardt-Kopf (CSU) und MdL Tobias Gotthardt (Freie Wähler) ein Glaubenszeugnis ab. Sie erklärten dabei jeweils, wie sie zur Kirche und zum Glauben stünden.

Zuspruch übertraf alle Erwartungen

Beim ökumenischen Abschlussgottesdienst bedankte sich Pfarrer Hirmer bei allen, die zum Gelingen dieses Konzerts beigetragen hatten. Sein besonderer Dank galt dem Bild- und Tontechniker, den Mitgliedern der Crew, die sich einen ganzen Tag darum gekümmert hat, dass die Künstler kulinarisch versorgt wurden, und dem Orga-Team sowie den beiden „Chefs“ Hubert Zaindl und Markus Heider. Er sei dankbar, dass die beiden – unterstützt von tatkräftigen Helfern – dieses kulturell so wertvolle Werk zustande gebracht hätten. Drei Dinge hätten ihn besonders beeindruckt: die hervorragende Qualität der Musik, die Professionalität, mit der das Konzert organisiert und realisiert worden sei, und das mit dem Konzert verbundene Glaubensbekenntnis.

Heider resümierte, dass der Zuspruch alle Erwartungen übertroffen habe. Zaindl fasste die Freude über das gelungene Projekt kurz und bündig mit den Worten: „Burglengenfeld, ihr seid der Wahnsinn!“ zusammen. Die Reaktionen der Zuhörer waren ebenfalls durchwegs positiv. Das Burglengenfelder Ehepaar Elke und Georg Brüderl etwa äußerte sich mit Worten, die auch in vielen Gesprächen mit anderen Besuchern zu hören waren. Sie lobten den stimmungsvollen Kircheninnenraum durch die Illumination, die tolle Musikauswahl sowie das ansprechende Konzept.

Das Organisations-Team sorgte für das Catering, damit die Musiker gut versorgt waren.
Auch die Zauberelfen bewiesen in der Pfarrkirche St. Vitus ihr musikalisches Können.
Die Firmlinge bereiteten sich akribisch vor, denn sie trugen die Fürbitten und ein Predigtspiel vor.
Das Trio You & Me trat bei der Veranstaltung mit Cover-Songs auf.
Das Ehepaar Elke und Georg Brüderl war begeistert.
Der Gospelchor St. Vitus begeisterte die Zuhörer bei der Eröffnungsandacht.