So soll der Wald der Zukunft aussehen: Neunburg bereitet sich auf die Folgen des Klimawandels vor

Der Postloher Forst im Nordosten von Bodenwöhr ist ein Vorbild: Der Revierleiter des Forstbetriebs Roding Siegfried Gschmack erklärte, woran das liegt.
Die Folgen des menschengemachten Klimawandels waren einst eine erschreckende Vorstellung für etwas nicht näher Definiertes, das sich in irgendeiner fernen Zukunft abspielte. Die Modelle von damals sind inzwischen zur Realität geworden, die aktives Handeln erfordern. Das wurde bei einem Informationstreffen zur nachhaltigen Waldgestaltung klar, das am Montag im Postloher Forst im Nordosten von Bodenwöhr stattfand. Es fügte sich ein in die dreitägige Führungskräftetagung der Wasserwirtschaft in Neunburg.
Maßnahmen für die Wälder der Stadt
In Deutschland bedecken Wälder etwa 30 Prozent der gesamten Fläche, wie die Interessengemeinschaft gesunder Boden mitteilt. Um sie vor den Bedrohungen zu schützen, müssten diese in den kommenden Jahren teils deutlich umgestaltet werden. Die Stadt Neunburg beschloss vor wenigen Wochen als erste Kommune Bayerns den nachhaltigen Umbau seiner Stadt- und Stiftungswälder. Die Maßnahmen betreffen dabei laut Bürgermeister Martin Birner (CSU) ein Waldgebiet von etwa 320Hektar.
Das Handbuch für nachhaltigen Waldumbau, an dem sich die Maßnahme orientiert, wurde unter anderem von Wissenschaftlern der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und dem Forstamt Landsberg am Lech erstellt und gibt Waldbesitzern, Städten und Gemeinden Lösungsansätze, um ihre Wälder für die künftigen Herausforderungen zu wappnen. Das langfristige Ziel ist dabei die Umgestaltung zu laubholzreichen Mischwäldern, die die im Boden befindliche Biomasse und Organismen schützen und fördern.
Seit Jahren für den Waldumbau im Einsatz
Im Postloher Forst wird der Waldumbau seit Jahren vorangetrieben. Ludwig Pertl, Mitautor des Handbuchs und Fachbeirat der „Interessensgemeinschaft gesunder Boden“ erörterte zunächst einzelne Aspekte, darunter auch ein vierstufiges Modell zur Gesamtbewertung des Waldbestandes. In diese fließen beispielsweise Baumarten, Humusform und Bewirtschaftungsart mit ein.
Die Umwandlung der Wälder sei „unsere Verantwortung nach dem Generationenvertrag“. Darüber hinaus betonte er die Funktion lebendiger Böden, auch für den Wasserhaushalt. „Derzeit entsprechen nur zehn bis 15 Prozent der Böden dem erwünschten Zustand“, so Pertl.
Mahnung zu Eile
Die Grundlagen in Form des Handbuchs solle jeder Waldbesitzer erhalten, jedoch sprach sich Pertl grundsätzlich gegen aufgezwungene Maßnahmen aus. Umweltpionier und Unternehmer Franz Ehrnsperger schloss sich Pertl an und betonte die elementare Bedeutung gesunder Böden für die Artenvielfalt, auch wenn diese im täglichen Leben teils schwer zu greifen sei. Zudem sei er der Meinung, die Aufgaben dürften nicht nur auf die Waldbesitzer und Bauern ausgelagert werden. In Bezug auf die Umsetzung mahnte Ehrnsperger zur Eile: „Wenn nichts getan wird, wird es irgendwann keinen Wald mehr geben.“
Birner nahm an dem Treffen gemeinsam mit seinem Amtskollegen Markus Dauch (Freie Wähler) aus Neukirchen-Balbini teil. Sein erklärtes Ziel sei es, „verschiedene Akteure zusammenzubringen und die Umsetzung voranzubringen“.
Frauke Holland, die stellvertretende Betriebsleiterin des Forstbereichs Roding, nannte die Nutz-, Erhol- und Schutzfunktion als primäre Aufgaben, die ein Wald zu erfüllen habe. Dazu zähle auch der Beitrag zum Klimaschutz. Um alle drei weiterhin zu erhalten, müssten die Wälder umgebaut werden. Deutlich wurde das an einem einstigen Kiefernaltbestand, an dem Holland das sogenannte Vier-Baum-Konzept demonstrierte.
Mehr Stabilität durch Baumvielfalt
Gemäß diesem sollen nach Möglichkeit in jedem Bereich mindestens vier Baumarten gemischte Wälder bilden, die im Vergleich zu den Reinbeständen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels sind. Bei dem Bestand wurden bereits vor über zehn Jahren Eichen ausgesät, die künftig in der Kombination mit Buchen oder Linden den Laubholzanteil in dem Gebiet erhöhen soll. Da die jungen Eichen viel Licht benötigen, wurden die Abstände zwischen den hohen Kiefern durch den regulären wirtschaftlichen Holzabbau Schritt für Schritt erhöht.
In Zukunft sollen dann auf allen Flächen mindestens vier verschiedene Baumarten angesiedelt sein. Die Auswahl ist dabei groß, so Holland: „Inklusive aller Besonderheiten stehen in Bayern rund 40 verschiedene Baumarten zur Verfügung, die nicht nur dem Klimawandel standhalten sollen, sondern auch eine Vielfalt an Lebensräumen bilden.“

