Schleichender Tod der Böden: Humus-Gehalt nimmt weiter ab

Von Franziska Mahler · 16. November 2023 um 17:54

Eigentlich scheint es ganz leicht: Gesunder Boden, gesunder Mensch. Über diesen Grundsatz waren sich zumindest beim 8. Bodentag in Neunburg (Landkreis Schwandorf) alle einig. Für umso mehr Fragezeichen sorgte die Entscheidung der EU, die Glyphosat-Zulassung zu verlängern.

Weitere zehn Jahre kann das Mittel Glyphosat nun eingesetzt werden. Unter den Bodenexperten war das Unverständnis über diese Entscheidung deutlich spürbar. Glyphosat wird auch als Totalherbizid bezeichnet, es lässt Pflanzen absterben. In der Landwirtschaft wird es eingesetzt, um Unkraut zu beseitigen, bevor Nutzpflanzen gesät werden. Doch das Mittel ist umstritten.

Ein Schaden für die Gesundheit

Ein gesunder Boden wirkt positiv auf Pflanzen, Wasser, Tiere und Menschen – im Prinzip ein Gesundheitsschutz, sagte IG-Boden-Vorsitzender Franz Rösl bei der Pressekonferenz zum 8. Bodentag. Über die krebserregende Wirkung von Glyphosat wird bereits viel diskutiert. Der Wissenschaftler Martin Grassberger sagte, dass man aber viel mehr über die Effekte der antibiotischen Wirkung sprechen müsse. Durch Glyphosat entstünden multiresistente Keime im Boden.

Das eigentliche Thema des Bodentags war aber nicht Glyphosat, sondern „Gesunder Boden, mehr als nur Ernte – Symbiosen und Artenvielfalt fördern“. Auch in diesem Jahr war die Neunburger Schwarzachtalhalle mit etwa 300 Interessierten gefüllt. Online nahmen ungefähr 150 teil, schätzt der Pressereferent der IG Boden, Josef Schönhammer. Unter den Referenten waren renommierte Wissenschaftler sowie Praktiker. Am Tag zuvor fand zum ersten Mal ein umfangreicher Praxis- und Vernetzungstag statt.

Es besteht dringender Handlungsbedarf

Rösl ist sich sicher, das diesjährige Thema kann einen Umdenk-Prozess anstoßen. Und es besteht durchaus dringender Handlungsbedarf: „Der Boden wird immer weniger lebendig“, sagte Rösl im Gespräch mit der MZ. Zwischen diesem und dem vergangenen Jahr merke man keinen wirklichen Unterschied. Betrachtet man den Humusgehalt im Boden aber über einen langen Zeitraum, so müsse man feststellen, dass aus einem Anteil von zehn bis 30 Prozent, zwei bis acht Prozent geworden sei.

Durch einen schlechten Humusgehalt kann der Boden Wasser weniger gut aufnehmen und speichern, so Rösl. Bisher sei „die Fitness des Bodens“ missachtet worden, der Ertrag stünde im Vordergrund.

Die Maßnahmen, um den Humusgehalt und somit die Lebendigkeit des Bodens zu fördern, hat die IG Boden in einem Positionspapier zusammengefasst. Unter anderem die Fruchtfolgegestaltung und der Einsatz von Zwischenfrüchten würden eine Rolle spielen. „Ein gesunder Boden ist die beste Investition“, so Rösl weiter. In der Oberpfalz gebe es schon viele innovative Ideen von landwirtschaftlichen Betrieben.

Ein Zusammenspiel in der Erde

Das Thema betreffe aber nicht nur Landwirte. Auch die Gesellschaft müsse einsehen, dass eine regionale Ernährung das beste für den eigenen Körper sei. Dementsprechend müsse man das Engagement der Landwirtschaft schätzen, sagte Rösl.

Benedikt Ley-Röckenwagner ist ein Vorreiter, wenn es um dieses Engagement für einen gesunden Boden in der Landwirtschaft geht. Er bewirtschaftet in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Mühlenhof Zepelin | Tarnow | Witzin eine 2100 Hektar große Gesamtfläche, davon 1600 Ackerfläche nach den Bioland-Richtlinien. Er nutze das Zusammenspiel von Pflanzen, Tieren und Boden, um nachhaltig in einem möglichst geschlossenen Kreislauf zu wirtschaften. Dabei profitiere er von einer guten Bodenfruchtbarkeit durch Biodiversität und positiver Mikrobiologie.

Es sei entscheidend, dass der Mensch weiß, warum er bestimmte Dinge tut, sagte Ley-Röckenwagner in der Pressekonferenz. Deshalb stecke er viel Zeit in die Ausbildung seiner Mitarbeiter und begeistere sie für die neue Art des Ackerbaus.