Die Ölkrise in der Küche: Olivenöl wird knapp und teurer

Klimawandel, Wetterkapriolen – in den großen Ernteregionen Spanien, Italien und Griechenland gibt es heuer nur wenig Olivenöl. Schon das Jahr zuvor fiel schlecht aus. Die Preise ziehen stark an. Dabei gibt es aber große Unterschiede, wie Händler aus Ostbayern sagen.
Ein sattes Grün mit Gelbstich – in kräftiger Farbe liegt das Olivenöl im Glas. Ganz frisch ist es, die erste Ernte dieses Jahres, sagt Willi Österer stolz. Die Qualität sei „ein Traum“. Bio, mit der Hand gepflückt. Allerdings: Die Menge, die seine Bäume in der Toskana liefern, war zuletzt eher ein Alptraum. Wie viel bis zum Ende der Ernte im Februar zusammenkommt, ist noch offen. Allzu üppig wird es nicht werden, sagt Österer, der in Regensburg das Unternehmen Zum Ölbaron betreibt. In den vergangenen beiden Jahren fielen die Erträge bescheiden aus: „2022 war es wenig, 2021 ebenfalls. Ungefähr 35 bis 40 Prozent weniger als normal.“
Und so ist es vielerorts. Olivenöl für die ganze Welt kommt fast ausschließlich aus Südeuropa: Fast die Hälfte aus Spanien, dann folgen Italien mit 12 bis 15 Prozent und Griechenland mit fast zehn Prozent. Den Rest steuert Nordafrika bei. Auch Portugal, die Türkei und Albanien haben kleinere Volumina. Weitere nennenswerte Anbaugebiete gibt es nicht, sagt Willi Österers Sohn Florian. In allen großen Olivenregionen brechen die Erträge ein. In der Folge steigen die Preise, binnen eines Jahres um 35 Prozent, berichtet das Statistische Bundesamt.
Trockenheit in Spanien
Der Klimawandel macht sich in der Branche unbarmherzig bemerkbar. Gerade der Hauptversorger Spanien leidet unter einer heftigen Trockenheit, der Wassermangel dort wird chronisch. Deshalb fehlen auf dem Weltmarkt riesige Mengen. Auch Griechenland wird immer trockener. Ein Händler aus Ostbayern, der seit Jahrzehnten griechisches Öl verkauft, spricht für dieses Jahr von einer „Katastrophe, wie ich sie noch nie erlebt habe“.
Heuer allerdings war das Frühjahr im Süden ungewöhnlich nass und kalt. „Bis 22. Juni hat es in der Toskana nur geregnet“, erinnert sich Willi Österer. Auch in Griechenland ließ der Sommer ewig auf sich warten. Danach folgten Hitzewellen, Brände und dann wieder Überflutungen – Extremwetter, wie es den Klimawandel charakterisiert.
Nur noch Drittel der Menge
Andres Lopez betreibt in Ingolstadt das Unternehmen Oliva Kultur. Er verkauft Olivenöl mehrerer Familienbetriebe aus Andalusien, die eine Kooperative bilden, an Restaurants und Privatkunden. Nach seinen Worten war die Ernte des vergangenen Winters besonders mau. Nur ungefähr ein Drittel eines (bisherigen) Durchschnittsjahres konnten die Bauern ernten. Die aktuelle Ernte könnte etwas besser ausfallen, schätzt Lopez, aber mehr als die Hälfte eines früher gewohnten Ertrags erwartet er auch nicht. „Man weiß es noch nicht genau.“ Die Ernte beginnt gerade und dauert bis Januar. Gerade 2022 machte den Spaniern eine extreme Trockenheit zu schaffen.
Wegen der höheren Temperaturen beginnen die Erzeuger immer früher mit der Ernte. Österer ist seit 25 Jahren im Geschäft und weiß: Damals wurde in der Toskana vor dem 18. November nie geerntet. Jetzt fange man teilweise schon Mitte Oktober an.
Ausnahme in der Toskana
Allerdings gibt es Ausnahmen. So berichtet Annette Mueller von der Fattoria La Vialla, die einen Verkaufsstandort in Mintraching-Rosenhof (Landkreis Regensburg) betreibt, von einer bisherigen Ernte, die besser ausfalle als gedacht: „Wir haben in der Toskana nicht das Gefühl, dass es ein besonders schlimmes Jahr für Oliven ist – auch bei unseren Nachbarn. Wie jedes Jahr, mal hat der eine etwas mehr, mal der andere. Da war die Weinlese 2023 ein ganz anderes Thema.“ Womöglich nutze es, dass der Betrieb biodynamisch, im Einklang mit der Natur, anbaue, so Mueller.
Auf der anderen Seite wurde Michael Auburger, Marktleiter beim Regensburger Spezialitätenhandel Il Mercato, von Lieferanten aus Italien bereits gewarnt, dass sie nur wenig Öl werden liefern können. „Ob es dramatisch wird, wissen wir noch nicht“, sagt Auburger. Il Mercato sehe sich jedenfalls schon mal vorsorglich nach zusätzlichen Lieferanten um.
„Massive Preiserhöhungen“
Die Knappheit des Olivenöls heizt die Preise an. Auburger ist sich sicher, „es wird massive Preiserhöhungen geben“. Lopez berichtet für spanische Öle von aufgerufenen Preisen, die zwei- bis dreimal höher seien als noch vor zwei bis drei Jahren, aus seiner Sicht bereits im spekulativen Bereich. Acht Euro pro Liter im Großhandel sei ein gängiger Tarif, viel mehr als früher. Wegen dieser Übertreibungen erwartet er nun eine leichte Entspannung, im Gegensatz zu anderen Kollegen.
Bei Österer ist es prozentual weniger, sein Öl ist ohnehin im hochpreisigen Segment angesiedelt. Er hat heuer den Preis für den Kanister mit einem Dreiviertel Liter Inhalt von 19,50 auf 21 Euro angehoben.
Bei billigeren Qualitäten schlägt der Mangel stärker zu. Außerdem erhöhen sich wegen der allgemeinen Inflation und der Energiepreise die Kosten für Flaschen, Kanister, Etiketten, Transport etc. erheblich.
Große Qualitätsunterschiede
Österer und andere Branchenkenner befürchten, dass die Versuchung bei Anbietern noch größer werden könnte, zu tricksen und zu panschen. Irgendwo müssten die großen Mengen für die Supermärkte und Discounter ja herkommen... Der Begriff „erste Pressung“ etwa werde weit gedehnt, bei Herkunftsangaben wie „beste Oliven aus der EU“ sei klar, dass die Qualität am unteren Rand anzusiedeln sei. Florian Österer nennt etwa Öle, die als „desodoriert“ deklariert sind. Das bedeute schlicht, dass das Öl unter Wasserdampf erhitzt worden sei. Damit würden alle guten Inhaltsstoffe und Aromen zerstört – sprich mehr oder weniger elegant die Ranzigkeit alten Öls eliminiert. Auch wenn Olivenöl als Bratöl bezeichnet werden, das höhere Temperaturen als 180 Grad aushalte, sei die Qualität bescheiden.
