Wasserschutz beginnt im Boden: Hamburger Doktorandin nimmt Maxhütter Acker unter die Lupe

Von Johannes Lesser · 22. November 2023 um 15:00

Auf einem Feld nahe Roding trafen sich am 15. November Experten der Interessensgemeinschaft gesunder Boden e.V., um sich über Möglichkeiten zur Förderung von gesundem Grundwasser auszutauschen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Bodentage 2023 statt.

Im Mittelpunkt stand dabei der Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Ackerböden und der Wasserqualität in der Region. Die Agrarwissenschaftlerin Andrea Beste gab einen kurzen Einblick in die von ihr entwickelte Erweiterte Spatendiagnose, einer Methode zur Untersuchung der Bodenzusammensetzung.

Auf die Bearbeitung der Felder kommt es an

Je nach Beschaffenheit können Erdböden unterschiedliche Wassermengen in einer bestimmten Zeit aufnehmen. Jana Rose von der Technischen Universität Hamburg forscht am Veranstaltungsort und erklärte, wie sich unterschiedliche Bearbeitungsmethoden der Felder auf deren Wasseraufnahme auswirken können.

Das Treffen der Expertenrunde in Maxhütte war Teil der Bodentage 2023. Dazu ist ein weiterer Bericht erschienen. Lesen Sie: Schleichender Tod der Böden: Humus-Gehalt nimmt weiter ab

Ihre Untersuchungen laufen in Zusammenarbeit mit dem Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura, einem Zusammenschluss von aktuell elf lokalen Wasserversorgern. Auf dessen Gebiet werden laut Rose seit über 30 Jahren sinkende Grundwasserstände beobachtet. Darüber hinaus gebe es einen Trend zu erhöhten Nitratwerten.

Landwirte sollen geschult werden

Ein Ansatz, den Entwicklungen entgegenzuwirken, ist dabei, die Landwirte in der Region zum wasserschonenden Wirtschaften weiterzubilden, sagte Stephan Junge, Fachbeirat der Interessensgemeinschaft. Durch die Herausforderungen des Klimawandels, wie längere Trockenphasen und sehr starke Niederschläge werde es zunehmend wichtiger, die Landwirtschaft daran anzupassen. Gerade die Trockenheit werde für sie künftig stark ertragsrelevant werden. Ausgetrocknete Böden könnten kaum Wasser aufnehmen und Schadstoffe wie beispielsweise Pestizide schlechter filtern.

Die Stadt Maxhütte-Haidhof war vor Jahren Gegenstand umfangreicher Untersuchungen, die in ein Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) mündeten. Nun unternimmt die Kommune einen neuen Anlauf für ihre Entwicklung. Mehr dazu lesen Sie hier.

Zu den wasserkonservierenden Behandlungsformen, die auch von Jana Rose untersucht werden, gehört auf dem Feld bei Roding die Arbeit mit Zwischenpflanzen in der Zeit von Ernte bis Aussaat. Zu diesen zählen beispielsweise Wickelroggen oder vielfältige Artenmischungen. Sie haben laut Junge das Ziel, den Erdboden, wie in der freien Natur üblich, über das ganze Jahr bedeckt zu halten.

Pflanzen mindern Wucht des Aufpralls von Regen

Für die behandelten Böden ergäben sich daraus mehrere Vorteile: Die Pflanzen stabilisierten die Temperatur an der Oberfläche und dämpften die Wucht des Aufpralls von Starkregen. Zusätzlich, so der Experte weiter, trügen die Pflanzen zur Bildung einer nährstoffreichen Humusschicht unter der Erdoberfläche bei, die die Widerstandsfähigkeit der angebauten Pflanzen förderten. Darüber hinaus gebe es mit der Bodenschonenden Bodenbearbeitung als Alternative zum tiefen Pflügen eine Möglichkeit, die Bodenstrukturen zu schonen.

Experte mahnt: Landwirte nicht alleine lassen

Wichtig ist Stephan Junge bei alledem, dass die Landwirte mit diesen Aufgaben nicht alleine gelassen werden. Die Arbeit an der Bodenfruchtbarkeit bedeute eine zusätzliche finanzielle Belastung und große Fachkenntnis in einer finanziell generell schwierigen Situation. Hier komme es auf die richtige Zusammenarbeit von Wasserversorgern, Interessensgemeinschaft und Landwirten an, um die „gesamtgesellschaftlichen Herausforderung auch gesamtgesellschaftlich zu lösen“.

Agrarwissenschaftlerin Andrea Bester erklärt die von ihr entwickelte Erweiterte Spatenanalyse. Foto: Johannes Lesser