Student untersucht Brennpunkt am Regensburger Hauptbahnhof mit KI

Von Heike Haala · 24. April 2024 um 10:00

Wie die Menschen, die jeden Tag am Regensburger Hauptbahnhof unterwegs sind, zum Ausdruck bringen könnten, was sie in dem Bereich empfinden, ist Thema der Masterarbeit von Joseph Brandmaier. Er untersucht den Brennpunkt mit KI.

Der 31-Jährige aus München studiert an der Hochschule Magdeburg Stendal Interaction Design. Bei diesem Masterstudiengang lernen die Studierenden, technologiebasierte Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln und dieses Wissen in Anwendungen zu übersetzen. Deren Ziel ist es laut der Homepage der Hochschule, die Welt von morgen lebenswert zu erhalten und zu verbessern, anstatt sie lediglich aufzuhübschen. Deswegen baut Brandmaier für seine Abschlussarbeit gerade an einer künstlichen Intelligenz (KI), wobei ihm Regensburgs prominentestes Problemviertel wertvolle Dienste leistest.

Passanten bauten Bilder

Wie kann KI in Bürgerbeteiligungsverfahren, bei denen es um die Gestaltung öffentlicher Räume geht, angewandt werden, lautet die Leitfrage, die den jungen Forscher bei seiner Masterarbeit antreibt. Einen Prototypen für diese KI hat Brandmaier schon gebaut. Der sollte in einem nächsten Schritt getestet werden. Dafür lud ihn das Team von Bauwärts zu den Baukulturtagen in das M26 ein. Und so kam Brandmaier kürzlich zwei Tage nach Regensburg und ließ Passanten mit der KI Bilder vom Bereich beim Hauptbahnhof, beim Ernst-Reuter-Platz und beim M26 bauen. Die konnten die ausdrucken und auf die entsprechenden Stellen einer Karte kleben.

Auf einem Laufzettel konnten die Teilnehmer zudem Schlagwörter zu den Oberbegriffen Aktivitäten, Zugänglichkeit, Komfort und Geselligkeit ankreuzen oder dabei eigene Beschreibungen einpflegen, um diese Aspekte zu charakterisieren. „Es haben etwa 30 Menschen mitgemacht. Das waren zum Beispiel Schüler, Studenten oder Senioren“, berichtet der junge Forscher.

Er habe schnell bemerkt, dass die Bilder umso düsterer und weniger farbenfroh gestaltet waren, je näher der gezeigte Bereich am Bahnhof liegt. „Den Bahnhof sahen viele Teilnehmer kritisch“, sagt Brandmaier. Auf den Grünflächen und im Bereich der Fußgängerzone klebten am Ende aber auch positive, heitere und kunterbunte Bilder auf der Karte. „Diese Stellen haben die Menschen als lebhaft und in warmen Licht dargestellt“, berichtet er. Brandmaier wollte mit diesem Test erfahren, wie die Teilnehmer seinen Prototypen wahrnehmen und für wie funktional sie ihn halten. „Die Frage ist, ob so eine Anwendung Sinn bei einem Beteiligungsverfahren machen könnte, weil die Bürger so ihre Alltagsexpertise verbildlichen können und nicht mehr darauf angewiesen sind, dies in Worte zu fassen“, erklärt der Student.

Wie aber geht es nun weiter? Brandmaier will das Design seiner KI in den kommenden zwei Monaten überarbeiten und die Ergebnisse seiner Masterarbeit Mitte des Jahres in Madgeburg vorstellen. Hat er den Abschluss in der Tasche, werde er seine berufliche Karriere wohl in der Industrie starten, wo er Anwendungen entwickeln möchte, die Wissen vermitteln und Lösungen finden.

Das ist geplant

Im Park beim Hauptbahnhof hat die Stadt zuletzt frisch lackierte Bänke angeschraubt. Die Oberbürgermeisterin kündigte im Stadtrat an, mehr Beleuchtung zu prüfen und die Patrouille des Kommunalen Ordnungsservices (KOS) zu stärken. Zudem seien zuletzt Betreuungsverbote ausgesprochen worden.

Außerdem brachte der Stadtrat im Dezember ein Maßnahmenpaket auf den Weg, dass vorsieht, den Bahnhofsvorplatz in diesem Jahr aufzuhübschen: eine barrierefreie Verbindung zum Alleengürtel und zur Maximilianstraße, neues Pflaster, Fahrradabstellanlagen, Wendemöglichkeiten. Zudem soll der Bahnhofsvorplatz weiterhin vorrangig dem Fuß- und Radverkehrvorbehalten bleiben. Die CSU kündigte wenig später an, die unterbrochene Durchfahrt vor dem Hauptbahnhof abschaffen zu wollen.