Zwischen Hilferuf und Galgenhumor: Wasserschaden setzt Regensburger Berufsschule zu

Von Rainer Wendl · 24. April 2024 um 10:00

Ende Januar hat es einen massiven Wasserschaden im Beruflichen Schulzentrum Matthäus Runtinger in der Prüfeninger Straße in Regensburg gegeben. Drei Monate später erreicht die MZ ein Hilferuf: „Die Sachlage hat sich noch einmal deutlich verschlimmert.“

Der Hinweisgeber will anonym bleiben, weil er rechtliche Konsequenzen fürchtet. Das Schulhaus war seiner Schilderung zufolge bereits vor dem Vorfall im Januar „in einem absolut unwürdigen Zustand“, mit von der Decke fallendem Putz, Schimmel im Keller, unzureichender technischer Ausstattung und ekligen Toiletten.

Gänge sind gesperrt

Der Wasserschaden habe dem Ganzen nun die Krone aufgesetzt: „Mittlerweile wurden ganze Gänge gesperrt. Um im ersten und zweiten Stockwerk von A nach B zu gelangen, muss man zuerst ins Erdgeschoss laufen“, lautet die Schilderung des aktuellen Zustands.

Für Rollstuhlfahrer sei dies mehr als eine zumutbare Unannehmlichkeit, sie könnten nämlich das Sekretariat nicht mehr erreichen. Außerdem fehle wegen der Sperrung für einige Klassenzimmer ein zweiter Fluchtweg, was im Ernstfall zu einer echten Gefahr werden könnte.

Was tut die Stadt zur Linderung der misslichen Situation? „Wir prüfen alle Möglichkeiten“, sagt Bildungsreferentin Sabine Kellner-Mayrhofer und verweist für detailliertere Informationen an die Pressestelle. Dort betont man, dass Antworten wegen der großen Anzahl der beteiligten Ämter mehr Zeit in Anspruch nähmen.

Im Austausch mit den einzelnen Ämtern ist auch Schulleiter Manfred Soderer bestens geübt. In einer aktuellen Info-Mail ans Lehrerkollegium (liegt der MZ vor) bemüht er sich trotz aller den Arbeitsalltag erschwerenden Probleme um einen optimistischen Grundton. In der Stadtverwaltung, so ist er überzeugt, habe man mittlerweile erkannt, „dass die Optimierung unserer Mangelverwaltung ausgereizt ist“.

Die jetzige Situation bezeichnet Soderer als „Schwebezustand“, die Sperrung von Gängen und einzelnen Räumen empfindet er als „sehr ärgerlich, wenn auch notwendig“. Der Schulleiter hofft, dass die derzeit laufenden Messungen von Luftschadstoffen sowie die Probeentnahmen zur Abklärung von Schimmel- und Asbestbelastung demnächst abgeschlossen sind und Ertüchtigungsmaßnahmen auf den Weg gebracht werden.

Der zeitliche Rahmen dafür ist klar gesteckt: Wenn das das neue Schuljahr beginnt, müssen wieder alle Räume zur Verfügung stehen. Zumindest davon geht man bei der Stadt aus. Überdies wurden in der benachbarten Dr.-Leo-Ritter-Straße zusätzliche Flächen von 385 Quadratmetern für die Schule angemietet.

Die endgültige Lösung für das einstige Verwaltungsgebäude der Messerschmitt-Flugzeugwerke wird indes noch lange auf sich warten lassen. Erst ab 2026 sind im städtischen Investitionsprogramm wieder Mittel in Höhe von (vorläufig) 86 Millionen Euro für die bereits 2017 beschlossene Generalsanierung eingestellt.

Warum fehlen Türen am Klo?

„Es fehlte und fehlt die politische Entscheidung“, übt Soderer in seiner Lehrer-Mail Kritik an dieser Hängepartie. Gleichzeitig ermuntert er die Kollegen zu Zuversicht und Galgenhumor. Er selbst geht damit voran und bezeichnet seinen Situationsbericht als „Wasserstandsmeldung“. Als Schlusswort hat er ein Zitat des großen Satirikers Ephraim Kishon gewählt: „Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh – und es kam schlimmer.“

Nicht auf den Wasserschaden zurückzuführen ist übrigens der Umstand, dass bei der Herren-Toilette die Eingangstür fehlt und nur noch jede zweite Kabine eine Tür hat. „Das wurde mit Absicht gemacht, um den Drogenhandel zu unterbinden“, erklärt ein Mitglied der Schulfamilie. Ein anderes Problem also ...

Gänge im ersten und zweiten Stock sind nicht mehr passierbar.
Notmaßnahme mit Eimern