Wasserschaden an Regensburger Berufsschule lässt Ärger über Sanierungsstau wachsen

Der Schulleiter spricht von „Glück im Unglück“ – doch der aktuelle Wasserschaden wirkt bezeichnend für den Sanierungsstau in dem Schulzentrum in der Prüfeninger Straße.
Kleine Ursache, große Wirkung: Ein gelöster Flexschlauch hat in der vergangenen Woche über Nacht für einen handfesten Wasserschaden im Beruflichen Schulzentrum Matthäus Runtinger in der Prüfeninger Straße gesorgt. Der Ostflügel des einstigen Verwaltungsgebäudes der Messerschmitt-Flugzeugwerke wurde dabei über vier Geschosse in Mitleidenschaft gezogen. Vom Damen-WC im zweiten Stock drang das Wasser bis hinunter in den Keller, der Schaden liegt nach ersten Schätzungen mindestens im mittleren fünfstelligen Bereich.
Trotz dieses Malheurs sagt Schulleiter Manfred Soderer: „Wir hatten noch Glück im Unglück, weil Hausmeister und Feuerwehr sehr schnell reagiert haben und weil jetzt schon einige Abschlussklassen weg sind. Wäre das zum Beginn des Schuljahrs passiert, wäre es eine Katastrophe gewesen.“ Aufgrund des Wasserschadens sind vorübergehend nämlich einige Klassenzimmer nicht nutzbar – bei Vollbesetzung wie im Herbst wäre diese Situation für das ohnehin unter Platzmangel leidende Schulzentrum kaum mehr lösbar gewesen.
Neubau 2017 beschlossen
Rund 3600 junge Erwachsene werden derzeit in Block- und Teilzeitunterricht am Standort Prüfeninger Straße 100 beschult, Tendenz weiter steigend. Bei der Stadt weiß man daher schon lange, dass dem Schulzentrum etwa 5000 Quadratmeter Nutzfläche für Fach- und Klassenzimmer sowie Verwaltungs-, Mensa- und Pausenräume fehlen.
Und vor allem ist bekannt: „Das ursprünglich als Bürogebäude errichtete Gebäude ist in einem Zustand, der eine weitere schulische Nutzung ohne Sanierung nicht möglich macht. Es besteht ein Umbau- und Sanierungsbedarf.“ So stand es im Entwurf für das Investitionsprogramm 2023 bis 2027, über das im Herbst im Ausschuss für Bildung diskutiert wurde.
Der aktuelle Wasserschaden lässt den Sanierungsbedarf an dem knapp 90 Jahre alten Bau zwar wieder ein Stück dringlicher erscheinen, doch absehbar ist die allenthalben für notwendig erachtete große Lösung nicht. Im Gegenteil: Der bereits im Sommer 2017 gefasste Grundsatzbeschluss für einen Neubau – die Kostenschätzung lag damals bei 65 Millionen Euro – wurde im November 2023 nochmals auf die lange Bank geschoben. Erst ab dem Jahr 2026 sind wieder Planungsmittel eingestellt, die mittlerweile auf 86 Millionen Euro taxierten Gesamtkosten sollen bis dahin um zehn Millionen reduziert werden.
Angesichts des im Schulbereich vorhandenen enormen Neubau- und Sanierungsbedarfs mit immensen Ausgaben für die Stadt muss sich das Berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger also einmal mehr hinten anstellen. Während Soderer dafür notgedrungen Verständnis zeigt, gibt sich ein anderes, namentlich nicht genannt werden wollendes Mitglied der Schulfamilie weniger diplomatisch: „Wir als Berufsschule haben einfach keine Lobby. Wir warten seit bald 30 Jahren auf eine Generalsanierung oder einen Neubau, aber es passiert einfach nichts.“ Der jetzige Wasserschaden sei der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
„Das ist nur noch peinlich“
Denn auch wenn seit Freitag die Trocknungsgeräte in den betroffenen Räumen laufen, sei eine weitere Verschlechterung der Situation zu befürchten: „Jetzt stinkt es halt nicht mehr nur im Keller, sondern auch in anderen Bereichen. Gäste braucht man sich da künftig gar nicht mehr ins Haus einladen, denn das ist nur noch peinlich.“ Vor diesem Hintergrund wirke der Namensgeber des Schulzentrums mehr und mehr unpassend: „Matthäus Runtinger war ja ein reicher Kaufmann – davon merkt man bei uns überhaupt nichts mehr.“
