1000-jährige Linde in Hoffeld stark beschädigt: Wie geht es dem Baum-Methusalem?

Von Martin Hladik · 23. April 2024 um 19:00

Sie ist das Wahrzeichen von Hoffeld und sie steht immer noch gut da im frischen Grün des Frühlings: die „1000-jährige“ Hoffelder Linde. Doch Anfang April hat es das Wahrzeichen der kleinen Ortschaft oberhalb von Tiefenbach ordentlich erwischt. Einer ihrer Haupttriebe, ein dicker, schwerer Ast, ist in der Nacht von 2. auf 3. April abgebrochen. Ausgerechnet der, der nicht besonders gesichert war, ist zu Boden gekracht. Jetzt ist auf der Südseite des Stammes gleich oberhalb einer alten Wunde viel helles, frisches Bruchholz zu sehen. Der große Ast ist mittlerweile beseitigt.

Die Familie von Silvia und Josef Schneider, die früher auch die Gaststätte „Zur 1000-jährigen Linde“ in Hoffeld betrieben haben, wurde von dem Vorfall komplett überrascht. Ihr Anwesen liegt direkt an dem Baum-Methusalem, wie die alten Bäume in Fachkreisen bezeichnet werden. Josef Schneider erzählt, dass es am Vortag stärkeren Wind gegeben habe. Der starke Ast sei dann in der Nacht abgebrochen. „Wir haben gar nichts gehört!“, sagt er. Seine Frau und er hätten das Malheur erst am nächsten Morgen aus dem Fenster gesehen und das Landratsamt informiert.

Das ist in diesem Fall tatsächlich für den Baum zuständig. Er ist eines der im Landkreis eingetragenen Naturdenkmale und dadurch besonders geschützt. Die Hoffelder Linde gehört zu den besonders alten Bäumen der Region. Obwohl sie immer als 1000-Jährige bezeichnet wird, ist sie Schätzungen nach um die 500 Jahre alt.

Hell leuchtende Verletzung

Egal wie, die Verletzung, die sie Anfang April erlitten hat, ist massiv. Der frische Abrissstelle am Stamm ist noch gut zu sehen und leuchtet mit einem Durchmesser von geschätzt einem Meter hell am Stamm. Den Ast selbst beschreibt Johannes Winter von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt so: „Ein starker Ast mit einem Durchmesser von circa 70 Zentimeter am Ansatz, der sich im südlichen Bereich befand, ist in der Nacht vom 2. auf den 3. April abgebrochen.“ Winter kümmert sich seit Jahren um die uralten Bäume im Landkreis Cham. Weiter heißt es in seinem Antwortschreiben auf unsere Anfrage: „Um weitere Maßnahmen einleiten zu können, wird der Fall aktuell von einem Gutachter untersucht. Der Baum sieht derzeit noch vital aus.“

Tatsächlich scheint dem Baum der große Verlust vorerst wenig auszumachen. In den letzten zwei Wochen hat er zu grünen begonnen und scheint bis in die Äste hinein vital zu sein. Das bestätigt auch Silvia Schneider, die sich jedes Mal darüber freut, wenn der Baum ihrer Familie, so sieht sie die Linde jedenfalls, zu grünen anfängt.

Dennoch: Die Vitalität kann täuschen. Josef Schneider sagt, dass der jetzt abgebrochene Ast dem Anschein nach der gesündeste am ganzen Baum gewesen sei. Deswegen sei er wahrscheinlich auch nicht gesichert gewesen. Aber eine Schwachstelle am Ansatz habe genügt, um den großen Ast abbrechen zu lassen. Er hätte das niemals vermutet.

Zwei Mal im Jahr kontrolliert

Das sieht auch Winter von der Naturschutzbehörde ähnlich. Er schreibt: „Der aktuelle Schaden war trotz strenger und regelmäßiger Kontrollen nicht vorhersehbar. Bäume wie die „1000-jährige Linde“ werden als Naturdenkmal mindestens zwei Mal im Jahr vom Landratsamt auf gefahrerhöhende Merkmale und Veränderungen kontrolliert.“

Dass der Baum eine weit größere Verletzung bereits einmal überstanden hat, zeigt ein großes Loch im Stamm unterhalb der jetzigen Beschädigung. Dort war der Ansatz eines noch größeren Seitenastes. Aus Erzählungen wisse er, so Josef Schneider, dass „darauf 40 Mann Platz hatten“. Zum Beweis zeigt Silvia Schneider eine entsprechende Fotografie aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Trotz allen Stolzes auf die alte Linde macht sich Silvia Schneider derzeit Gedanken. Einer der Hauptäste, der über das Wohnhaus ragt, ist nicht zusätzlich gesichert. Winter befasst sich in seinem Schreiben auch indirekt mit diesem Thema: „Zudem werden regelmäßige Gutachten durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen eingeholt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Hierbei werden auch alle eingebauten Sicherungen geprüft und Empfehlungen für die Anbringung zusätzlicher Sicherungen ausgesprochen. Sicherungen sollten aus baumbiologischen Gründen nur eingebaut werden, wenn dies zwingend notwendig ist.“ Der abgebrochene Ast sei nicht gesichert worden, weil er nicht über die Straße und nicht zum Gebäude geragt habe. Zum Schluss setzt sich Winter für den Erhalt der alten Bäume ein: „Neben ihren kulturellen Hintergründen leisten diese Bäume einen herausragenden Beitrag für eine hohe Artenvielfalt. Methusalembäume wie die Hoffelder Linde oder die Wolframslinde beherbergen viele seltene oder vom Aussterben bedrohte Arten. “

So sah der abgebrochene Ast aus. Foto: Josef Schneider