Waldmünchner Jäger-Chef findet bei Hegeschau deutliche Worte: „Wir werden mit Füßen getreten“

Von Petra Schoplocher · 23. April 2024 um 05:00

Es ist eine Menge Frust gewesen, die sich Stefan Daiminger da von der Seele reden musste. „Wir werden außen vor gelassen, instrumentalisiert, beschuldigt und mit Füßen getreten“, machte der Chef der Jäger-Kreisgruppe Waldmünchen seinem Ärger bei der Hegeschau Luft. Wieder. Bereits im Vorjahr hatte er das fehlende Miteinander kritisiert, nun fehlten ihm ob mancher Aktionen und Aussagen fast gänzlich die Worte.

So kämen die Jäger im bayerischen Waldpakt erst gar nicht vor. Offenbar werde man nicht als Interessensvertreter gesehen, meinte er bitter. Dabei „investieren wir Zeit, wir betreiben Naturschutz!“, hielt er dem entgegen. Einmal mehr würden Jäger als Schuldige für die Fehler der Forstwirtschaft vieler Jahre verantwortlich gemacht.

Wenn sich der Verbiss trotz ständig steigender Abschusszahlen nicht verbessere, müsse nachdenken erlaubt sein, ob das das probate Mittel ist. Zudem: Wenn genug Naturverjüngung vorhanden sei, falle Verbiss nicht ins Gewicht. Und: 30 Prozent Verbiss würden gleichzeitig bedeuten, dass 70 Prozent der Bäumchen keinen Wildschaden aufweisen. Ausdrücklich betonte er, weder den Klimawandel zu leugnen noch die Notwendigkeit des Waldumbaus.

Kritik am „Verbissgutachten“

Am forstlichen Gutachten übte er scharfe Kritik. Licht, Boden, Bewirtschaftung, all das würde nicht berücksichtigt. Dann der Zeitpunkt – Frühjahr: „Es muss der Eindruck entstehen, es geht nur darum, den Verbiss darzustellen.“ Statt nur zu fragen, was die Jäger zu tun gedenken, sei es angebracht, diese Frage den Waldbesitzern zu stellen. „Was denken die zu tun?“ Waidleute sollten sich von der Kitzrettung bis zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) um alles kümmern. „Und dafür noch zahlen.“ Daiminger regte an, das System ernsthaft zu hinterfragen und zu überlegen, ob die Übernahme von Wildschäden vor diesem Hintergrund noch geboten sei.

Unzufrieden zeigte sich der Jägerchef mit der Arbeitsgemeinschaft Jagd auf Landkreisebene mit ihrem scheinheiligen Miteinander. „Wir werden nach außen gestreichelt und intern mit Füßen getreten.“

Bürgermeister Markus Ackermann bemühte sich um Entspannung. Egal, wo er hinkomme, die Jäger würden nicht mit Füßen getreten. Im Gegenteil, ihnen würde Wertschätzung und ehrlicher Respekt entgegengebracht. Er wollte den Fokus auf das Ziel richten und das seien klimatolerante Wälder. Für die brauche es Waldbesitzer und Jäger, „das ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur im Miteinander zu bewältigen ist“, so Ackermann.

Verantwortungsvoll mit Hingabe und Weitsicht

Der Schwarze Peter werde nicht einseitig den Jägern zugeschoben, und das Schwarze Peter-Zuschiebespiel sei genauso wenig ein Lösungsansatz wie mit dem Finger auf andere zu zeigen. Das Engagement der Waidmänner stellte er mehrfach heraus, sie würden es verantwortungsvoll mit Hingabe und Weitsicht ausüben.

Stephan Daiminger hörte die Worte wohl. „Schön, dass man hier hinter uns steht“ und verortete das Hauptproblem auf die große Politik. Der Kreischef bekräftigte „Wir stehen für einen Dialog auf Augenhöhe bereit.“

Hegeringleiter Andreas Wittmann legte „seine“ Zahlen für Tiefenbach sowie die von Johann Bauer (Waldmünchen) und Josef Prokopetz (Rötz) vor. Der Wille, den Abschussplan zu erfüllen, sei eindeutig erkennbar, bilanzierte er. Allerdings bleibe der Verbiss bei stetiger Zunahme der Abschusszahlen gleich. In einem Wirtschaftsunternehmen wird man etwas ändern, wenn Kennzahlen und Parameter nicht mehr passen, etwa Aufwand und Umsatz. Er frage sich folglich, ob es nicht auch beim Vegetationsgutachten Änderungsbedarf geben müsse.

Trophäen belegen Leistung

„Die Trophäen zeigen, was die Jägerschaft leistet“, anerkannte Ronald Burger als Vertreter der Unteren Jagdbehörde, und doch seien sie nur ein kleiner Teil dessen. Auch er war um Ausgleich bemüht: „Jagdausübung und Waldbewirtschaftung haben für uns den gleichen Stellenwert.“ Er ist überzeugt: „Dort, wo gemeinsam gearbeitet wird, wird der Waldumbau gelingen.“ Zu schaffen wäre er ohnehin nur gemeinsam.

Die Abschussplanung würde sich die Behörde Amt nicht leicht machen, betonte er. Den Jägern zollte er allerhöchste Anerkennung für ihre Arbeit für die Allgemeinheit. „Das ist mehr als ein Hobby.“

Gerüstet für die ASP

Burger riss zwei weitere Themen an, Botschaften inklusive. „Wenn die ASP kommt, sind wir gerüstet.“ Zum Waffenrecht stellte er mehr unangekündigte Kontrollen in Aussicht, aber auch die Beibehaltung des Grundsatzes, „mit Maß und Ziel“ zu agieren.

Forstrat Bernhard Ostermayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bezeichnete das forstliche Gutachten als bewährtes Monitoring und gute Situationsaufnahme. Die Außenaufnahmen seien abgeschlossen und reibungslos verlaufen. Auch hätten zahlreiche Waldbesitzer und Jagdpächter die Erhebungen mitverfolgt.

Zu Ergebnissen oder einer Zustandseinschätzung könne man aber noch keine Aussagen treffen. Er rechne mit Juni, im Herbst werden die Gutachten den Beteiligten dann zugestellt. Der stellvertretende Bereichsleiter Forsten ermutigte, die revierweisen Aussagen zu nutzen beziehungsweise zu beantragen. „Verständigungswille ist unabdingbar“, bat auch er um Mäßigung. „Eine Auseinandersetzung nur um der Auseinandersetzung willen zu führen, bringt uns nicht weiter.“

Stephan Daiminger griff in seinen Schlussworten eine Aussage von Andreas Wittmann auf. Der hatte aus dem Gedicht Waidmannsheil zitiert. „Das ist des Jägers Ehrenschild,

dass er beschützt und hegt sein Wild“ und geschlussfolgert: „Wir Jäger sind die Anwälte des Wilds.“ Daiminger bekräftigte: „Dazu stehen wir uneingeschränkt.“

Zahlen aus den drei Hegeringen

Zunahme: In 64 Revieren wurden im vergangenen Jahr 1470 Stück Rehwild erlegt. 2022 waren es 1427. 180 Tiere kamen bei oder in Folge von Verkehrsunfällen zu Tode.

Rückgang: 2023 erwischten die Jäger 255 Stück Schwarzwild, was erneut einen leichten Rückgang (2022: 293 Keiler, Bachen, Frischlinge und Überläufer)

Nullnummer: Die 52 geschossenen Paarhufer der Rotwild-Familie sind in Tiefenbach (21) und Waldmünchen (31) dokumentiert, keiner im Bereich Rötz.

Gleichgewicht: Die weiteren geschossenen Tiere verteilen sich gleichmäßig auf die drei Hegegemeinschaften, informierte Andreas Wittmann. In der Gesamtstreckenliste tauchen 23 Tierarten auf. Spitzenreiter ist der Fuchs mit 561, gefolgt von der Rabenkrähe (306). Einzig die Stockente ist dreistellig geführt (123). Erlegt wurden 89 Elstern, je 68 Dachse und Marder, 63 Feldhasen sowie 56 Eichelhäher. Fischotter stehen vier in der Statistik.

Manche Trophäe machte selbst unter Fachleuten Eindruck. Mehr als 100 Jäger waren zur Hegeschau für Rötz, Waldmünchen und Tiefenbach gekommen.
Besonderheit. Kreischef Stephan Daiminger (links) und Ehrenvorsitzender Norbert Przybyla (rechts) freuten sich, Daimingers Stellvertreter Simon Richter (Zweiter von rechts) für 20 Jahre bei den Jagdhornbläsern zu ehren. Gewürdigt wurde zudem Karl Gröbners außergewöhnlicher Einsatz für die Brauchtumspflege.