Insolvenz der Kompostanlage Moosdorf droht Wärmeversorgung des Dorfes mit in den Abgrund zu reißen

Die Rückkehr des Winters, er könnte für etliche Haushalte in Moosdorf im wahrsten Sinne des Wortes einen Kälteeinbruch bedeuten. Denn: Die Insolvenz der Kompostanlage reißt die Biomethan GmbH mit in den Abgrund. Mit anderen Worten: „Der Ofen geht aus“, sagt Firmengründer Ludwig Schiedermeier.
Seit Wochen schon laufe die Biogasanlage auf Sparflamme, weil kein Grüngut mehr angeliefert wird – keine Besonderheit im Winter. Nun aber bleiben die Frühjahrslieferungen aus, gleichzeitig gehen die Vorräte zur Neige. Die Lage ist laut Schiedermeier dramatisch.
Das Material geht aus
Wie üblich habe der Familienbetrieb im Winter auf silierten Grünschnitt zurückgegriffen, was stets gut geklappt habe und die Zeit bis zum Eintreffen des ersten frischen Materials Ende März/Anfang April überbrückt habe. Aber: „Es kommt nichts mehr.“
Vorwürfe gegenüber den Kreiswerken
Laut dem Senior-Chef, weil die Kreiswerke die vertraglich zugesicherte Überlassung des Guts aus den Grüngut-Containern „ohne Ankündigung und Begründung“ eingestellt haben. Schiedermeier erhebt erneut schwere Vorwürfe, spricht von „menschenverachtender Arroganz“ und zeigt sich maßlos enttäuscht von der Politik. Kein einziger Entscheidungsträger habe sich nach der Insolvenz gemeldet oder gar gefragt, ob und wie er im Sinne eines Lösungsansatzes helfen könne.
Kein Grüngut mehr vom Landkreis
Dass der Landkreis in diesem Frühjahr kein Grüngut mehr anliefere, habe ihn aus heiterem Himmel getroffen. „Hätten wir das gewusst, hätten wir die Chance gehabt, Akquise an anderen Stellen zu betreiben.“ Vereinzelt sei das bis in den schwäbischen Raum erfolgt, aber „wir wussten ja nicht, wie die Dinge tatsächlich stehen.“ Seine persönliche Schlussfolgerung: „Man will uns ganz bewusst am langen Arm verhungern lassen.“ Immer noch versteht er nicht, warum Grüngut und -schnitt nun nach Passau oder Regensburg gehen, „in Zeiten, in denen alle von regionaler Wertschöpfung reden“.
Betroffene hätten Verständnis
Die Wärme-Bezieher habe er schriftlich über mögliche Einschränkungen informiert, sagt er, und sei auf viel Verständnis und Solidarität gestoßen, schließlich „haben wir seit 2009 zuverlässig geliefert“. Zwei befragte Bezieher bestätigen das und betonen, vom Leistungsabfall indes noch nichts bemerkt zu haben.
Kreiswerke: Dinge liegen gänzlich anders
Aus Sicht von Kreiswerken und Landkreis stellt sich die Situation völlig gegensätzlich dar. Es sei vielmehr Insolvenzverwalter Dr. Hans-Peter Lehner gewesen, der in einem Schreiben vom 3. April mitgeteilt hat, dass die Kompostanlage Moosdorf ihren vertraglichen Verpflichtungen zur Entsorgung von Grüngut nicht mehr nachkommen wird.
Insolvenzverwalter: Der einzig richtige Weg
„Das ist korrekt“, bestätigt der Rechtsanwalt und Fachmann, gleichermaßen einordnend, dass dieser Schritt nach einer erfolgten Gesamtabwägung „die einzig vertretbare Maßnahme“ war. Wie auch die Beibehaltung der Schließung der Kompostanlage. Die „war und ist angebracht“, betont der Insolvenzverwalter aus Regensburg mit Hinweis auf die Liquidität . Lehner kann zudem auf vielversprechende Gespräche zur Zukunft des Betriebs verweisen. „Die Anlage ist als solche interessant.“ Schiedermeier befürchtet indessen, dass nach dem Einstieg eines Käufers oder Investors weder Kompost- noch Biogasanlage Bestand haben werden.
Politik weist Vorwürfe zurück
Sowohl Landkreis als auch Stadt betonen, dass sich ihre Repräsentanten der Problematik sehr wohl angenommen hätten. Laut Auskunft aus dem Rathaus hat Bürgermeister Markus Ackermann etliche Gespräche in der Angelegenheit geführt. Landrat Landrat Franz Löffler stehe seit Beginn des Insolvenzverfahrens im engen Kontakt mit Dr. Lehner, um für die von der Wärme der Biomethan GmbH abhängigen Bürger in Moosdorf eine tragfähige und vor allem schnelle Lösung zu finden, teilt Landkreis-Sprecher Fabian Koller mit .
Vergabe hielt vor Gericht stand
Der betont erneut, dass die Vergabe der Biomüllentsorgung ab 2023 an einen anderen Betreiber als die Moosdorfer ordnungsgemäß war und gerichtlicher Prüfung standhielt. „Wenn ein Angebot um mehr als 15 Prozent höher ist als andere, kann dafür der Werkausschuss keinen Zuschlag erteilen.“
Noch gibt es Wärme
Frieren oder mit kaltem Wasser duschen müssen die Wärmegaskunden indes (noch) nicht, erklärt Schiedermeier. Die Anlage sei nach wie vor in Betrieb und am Netz, stoße aber weniger Leistung aus. Bedeutet: Statt der anvisierten 80 Grad kämen mitunter nur 60 oder 40 beim Kunden an – vergleichbar mit dem Kreislauf einer Zentralheizung, in der die Gesamttemperatur zu niedrig sei. „Ein Dauerzustand ist das nicht“, sagt er. Und meint damit nicht nur die Wärmeerzeugung.