Kompostanlage Moosdorf muss Insolvenz anmelden: Vorwürfe gegen den Kreis Cham

Aus jeder einzelnen Silbe ist Ludwig Schiedermeiers riesiger Frust herauszuhören. Der Sohn, in ärztlicher Behandlung. Der mit Herzblut aufgebaute Familienbetrieb, die Kompostanlage Moosdorf: insolvent. Wofür es seiner Meinung nach vorwiegend einen Verantwortlichen gibt: den Landkreis Cham.
Der habe entgegen früher angeblich gemachter Absichtserklärungen den Abfall aus den braunen Biotonnen seit zwei Jahren nicht mehr nach Moosdorf geliefert. Damit habe die Anlage die für einen wirtschaftlichen Betrieb nötigen Mengen nicht mehr zur Verfügung gehabt, formuliert der Senior seine Vorwürfe. Darauf sei die Insolvenz „im Wesentlichen zurückzuführen“.
Ausfälle nicht kompensierbar
Zwar habe man versucht, die Ausfälle mit Anlieferungen bis aus den Räumen Stuttgart und München zu kompensieren, letztlich habe „aber alles nicht geholfen“. Denn: „Wenn wir die Mengen nicht bekommen, ist es eines Tages einfach so weit.“
Schiedermeier senior (der wegen der Erkrankung seines Sohnes Stellung nimmt) will nicht ausschließen, dass eigene Fehler gemacht wurden. Allerdings sei man, „finanziell angeschlagen, dem Landkreis auf Gedeih und Verderb ausgeliefert gewesen“. Seit allerdings der Landkreis, der zuvor sämtlichen biologischen Abfall aus den braunen Tonnen nach Moosdorf hatte fahren lassen, seit rund zwei Jahren andere Wege beschreitet, wurde die wirtschaftliche Situation immer schwieriger, erläutert Schiedermeier, der einst bekennendes CSU-Mitglied war.
Zumal für ihn persönlich über die Fragen zu seiner Existenz hinaus nicht nachvollziehbar sei, warum das etablierte System – nicht zuletzt unter den Stichworten kurze Wege und Nachhaltigkeit – korrumpiert würde. Statt nach Moosdorf werden die Gartenabfälle nämlich nun bis zu 100 Kilometer weit in den Landkreis Passau gefahren, berichtet er kopfschüttelnd. „Und das in Zeiten, in denen wir über Co2-Ausstöße diskutieren.“
Der Senior will nicht nur schwarz malen oder Vorwürfe erheben, sondern auch Positives sehen. Das Insolvenzverfahren sei durchaus eine Chance, schließlich würden Betriebe wie seiner (wenngleich Sohn Christian seit längerem Geschäftsführer ist und mit Enkel Stefan die nächste Generation bereit steht) gesucht. Unternehmen wie dem Moosdorfer würden florierende Perspektiven bescheinigt, betont er.
Drei Monatslöhne gesichert
Dennoch sind nun erst einmal 14 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen. Dass deren Löhne für die kommenden drei Monate sichergestellt seien (wie auch Kosten für Diesel etc. gedeckt), ist ein wichtiger Punkt für den vielfach ehrenamtlich Engagierten.
Das Aus trifft ihn hart. „Wir haben hier wirklich Einzigartiges geschaffen“, unterstreicht er. Grasabfälle oder Biomüll an Ort und Stelle zu verwerten, sei „das ökologisch Sinnvollste, was es gibt“. Davon ist er nach wie vor überzeugt.
Allerdings gehöre zur Wahrheit auch, dass die Umsetzung dieser Idee in den vergangenen Jahren immer weniger Freude bereitet habe. Der Mehraufwand in Sachen Bürokratie alleine habe in schon so mancher familieninternen Diskussion die Frage zutage gefördert, ob man sich das noch antue. „Da vergeht einem die Lust.“
Zumal, wenn man immer wieder das Gefühl vermittelt bekomme, den politischen Entscheidungsträgern sei „alles egal“. Aussagen würden sich nicht mit Taten decken, fasst Schiedermeier sein Empfinden und seine Erfahrungen zusammen.
Gegründet wurde die Kompostanlage Moosdorf 1992 als GmbH als Reaktion auf Einführung der Biotonne als Pilotprojekt im Bereich Waldmünchen. Schon zuvor hatte Ludwig Schiedermeier die Vision, organische Materialien und Abfälle wie holzige Gartenabfälle zu verwerten und einem zweiten Leben als Kompost, Gartenerde oder Dünger zuzuführen (zuletzt rund 12.000 Tonnen pro Jahr), später kam Energiegewinnung hinzu. Die Idee: Durch die Vergärung entsteht Biomethangas (die entsprechende Firma namens Biomethan GmbH besteht seit 2007), das in einem Blockheizkraftwerk verstromt wird. Mit dem wird die Anlage versorgt, aber auch Moosdorf.
Die Insolvenz betrifft beide Gesellschaften, in beiden Fällen hat das zuständige Gericht in Regensburg das entsprechende Verfahren angeordnet und Hans-Peter Lehner als Insolvenzverwalter bestellt. Der promovierte Rechtsanwalt gilt als Experte für schwierige Fälle.
Beim Landratsamt Cham hatte man bis Mittwoch noch keine Kenntnis von der Insolvenz, ließ Pressesprecher Fabian Koller wissen. Eine Anfrage unserer Zeitung zu Schiedermeiers Vorwürfen sowie zum Sachverhalt blieb bis zum Abend jedoch unbeantwortet. Koller verwies auf den komplexen Sachverhalt, kündigte aber eine baldige Stellungnahme an.
