Angst vor dem Cyberkrieg: Chinesische Spione bedrohen Regensburger Unternehmen

Die Polizei, ein Verfassungsschützer und Experten informierten über das heiße Eisen KI und IT-Sicherheit in Regensburg. Der Verfassungsschützer, ein Spezialist für die Spionage- und Sabotageabwehr, berichtete, wie nachlässig manche Unternehmen mit der Bedrohung aus China umgehen.
Das, was der für Spionage zuständige Mitarbeiter des Landesamts für Verfassungsschutz erzählte, lässt einem durchaus den Atem stocken – die große Zahl an IT-Experten war nicht überrascht: „Meine nächsten beiden Vorträge gehen darum, dass ein deutsches Unternehmen das deutsche und chinesische Netz miteinander verschmelzen wollen“, sagte der Verfassungsschützer, der weder fotografiert, noch gefilmt werden durfte. Auch eine Namensnennung sei nicht erwünscht, hieß es am Montag beim 3. Cyber Security Kongress im Regensburger Jahnstadion. „Da gibt es kein Bewusstsein für die Kronjuwelen“, sagte der Verfassungsschützer über die Leichtsinnigkeit des Unternehmens. „Bei Russland sind wir uns da jetzt im Klaren. Aber wenn gerade kleinere Unternehmen denken, der chinesische Nachrichtendienst interessiert sich nicht für uns – da täuschen sie sich“, so der Mann.
Kritische Infrastruktur in ständiger Bedrängnis
Längst vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine tobte der Cyberkrieg schon lange. Spätestens jetzt ist aber klar, dass sich unterschiedliche Systeme gegenüberstehen – und die Demokratien westlicher Prägung häufig eher wehrlos wirken gegen autokratische Regime, die nicht so viel Wert auf Datenschutz oder informelle Selbstbestimmung ihrer Bürger legen. „50 Prozent des Stroms weltweit läuft durch Produkte von der Maschinenfabrik Reinhausen“, sagte Hubert Feyrer am Rande der Tagung. „Angriffe auf die kritische Infrastruktur bestimmen jeden Tag die Schlagzeilen – die Sicherheit unserer Produkte sind eben weltweit im Einsatz.“ Deshalb müsse MR dafür sorge tragen, dass die Produkte aus Regensburg „cybersecure“, also sicher vor Angriffen sein.
„Die Dynamik im Bereich Cyberkriminalität spielt zunehmend eine größere Rolle“, sagte Robert Fuchs, Vizepräsident im Polizeipräsidium Oberpfalz. Die Polizei stecke viel Personal in die Bekämpfung von Cyberkriminalität. Ein Drittel der Menschen in Deutschland hätten Angst vor Künstlicher Intelligenz und ihren Folgen. „Dabei stecken wir schon mittendrin“, so der Polizist. Doch der Einsatz von neuen Technologien würde nicht nur Kriminellen neue Möglichkeiten bieten. Auch die Polizei nutzt KI zwischenzeitlich, um die Verbrecher dingfest zu machen. „Wenn wir beispielsweise Material über Kindsmissbrauch bekommen, müssen wir prüfen, ob es ein noch laufendes Tatgeschehen ist, an welchem Ort auf der Welt es stattfindet und wie der oder die Täter agieren.“ Dabei könne KI helfen, aber auch dabei, auszuwerten, wie alt ein etwa auf einem Video gezeigtes Kind ist, das missbraucht wird. „Wir werden den Faktor Mensch nie durch Maschinen ersetzen“, sagte Fuchs. Doch: „Cyberangriffe sind Kriegsinstrumente.“ Man müsse die neue Technik auch nutzen. „Wenn wir nicht über die Risiken reden, können wir nur wie die kleinen Kinder auf China und die USA zeigen“, fand auch Georg Barfuß, Finanzreferent der Stadt und einer der Veranstalter des Kongresses. Sieben Risiken für die Weltwirtschaft beschrieb der Internationale Währungsfonds (IWF) kürzlich. „Eines dieser Risiken ist Cybersicherheit.“
Dass die Europäische Union gerade versuche, den Geist durch Reglementierungen in die Flasche zu drücken, beschrieb der IT-Rechtler Dennis-Kenji Kipker. „Wieso der AI-Act nichts bringen wird“ lautete sein provokanter Vortragstitel. Die EU versucht gerade, das Thema KI so zu reglementieren, dass die Risiken begrenzt sind. Doch Kipker versuchte darzulegen, dass man selbst die Maschinen übers Ohr hauen kann. Vergangenes Jahr kündigten die Anbieter wie OpenAI an, die KI so zu justieren, dass sie beispielsweise nicht mehr bei sogenannten Phishing-Mails behilflich ist. Kipker führte vor, wie wenig standhaft die KI ist – er gab einfach vor, sich gegen einen Phishing-Angriff wappnen zu wollen. Und siehe da: Die KI spuckte einen Vorschlag für eine Fang-Mail aus, wie sie täglich millionenfach auch in deutschen Postfächern landet.
Risiken gab es schon immer
„Die Dualität solcher Techniken ist nicht neu“, sagte der IT-Rechtler, der sowohl die EU, als auch die Bundesregierung berät. Man könne mit einem 3D-Drucker nützliche Dinge produzieren, aber eben auch Waffen. Das sei auch mit dem Internet so gewesen: Einerseits biete das Netz unfassbare Informationsmöglichkeiten. Andererseits – siehe oben – fluten es russische und chinesische Trolle mit Fakenews.


