Im Schrank in der Sakristei der Stadtpfarrkirche Rötz hängen ganz besondere Messgewänder

Jedes seiner Messgewänder hat eine eigene, tiefe Symbolik und einen theologischen Hintergrund, die auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sein mögen.
Stadtpfarrer Alexander Dyadychenko zeigt es an der Weihnachtsstola: Wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass darauf auf der einen Seite drei und auf der andren nur zwei goldene Streifen sind. Diese Asymmetrie hat eine Bedeutung: Die Zahl drei steht für die göttliche Dreifaltigkeit, die Zahl zwei dafür, dass Jesus sowohl göttlich als auch menschlich ist.
Im Schrank in der Sakristei der Stadtpfarrkirche hängen viele Messgewänder, und die schönsten davon sind handbestickt. Auf diese ist Stadtpfarrer Dyadychenko besonders stolz, denn es handelt sich um Unikate nach seinen eigenen Entwürfen. Bestickt werden die Messgewänder inklusive der Stola und auch der Palla, der Abdeckung für den Kelch, von Ingeborg Sauer aus Cham.
Dyadychenko hat sie in seiner Zeit als Kaplan in Cham Mitte der 2010er Jahre kennengelernt. Auch damals bestickte sie schon ehrenamtlich einige Messgewänder für ihn, und das macht sie noch, seit er Stadtpfarrer in Rötz ist.
Oftmals Zahlensymbolik
Dyadychenko freut sich, dass die 73-Jährige so aufwendige und schöne Stickereien ganz exklusiv für ihn anfertigt. Mit ihr bespricht er vorab, wie sie seine Entwürfe am besten umsetzen kann, zum Beispiel mit welchem Garn gestickt wird.
Die Paramentenstickerei ist ein eigener Beruf. Für Ingeborg Sauer ist diese zum Hobby und zum Freundschaftsdienst geworden. Wer die Stickereien der Chamerin sieht, mag kaum glauben, dass sie den Beruf nicht erlernt und sich die Technik selbst angeeignet hat.
Oftmals ist es Zahlensymbolik, die man auf den Messgewändern findet. Auch die Sieben hat im christlichen Glauben eine große Bedeutung, sie steht für die sieben Gaben des Heiligen Geistes und ist die Zahl der Vollkommenheit. Auf einer Stola ist das als Strahlen unter dem Stern von Bethlehem aufgegriffen.
Auf den zweiten Blick
Auf einer anderen Stola, die der Stadtpfarrer zum Ostergottesdienst getragen hat, ist Jesus als junger Mann dargestellt. „Meist ist Jesus auf meinen Messgewändern ohne Gesicht dargestellt“, erklärt Dyadychenko. Das hat den Hintergrund, dass jeder Mensch sich den Messias selbst vorstellen können soll. Manches sieht man erst auf den zweiten Blick, wie ein Kreuz, in dem die Umrisse eines Herzens „versteckt“ sind. Wenn er dieses Messgewand anziehe, freue er sich, dass das Symbol der Liebe dann zur Geltung komme, so der Stadtpfarrer.
Zu den Ostergottesdiensten hat er sein neuestes Messgewand zum ersten Mal getragen, auf dem beinahe die ganze Bibelgeschichte symbolisch dargestellt ist: wie das Kreuz mit den Händen Jesu, ein Blitz als Zeichen für den ewigen Gott, das Unendlichkeitssymbol, das die Schöpfungsgeschichte darstellt, der Baum der Erkenntnis, der Stab Mose, das Lamm, Alpha und Omega, die Taube als Symbol für den Heiligen Geist, der zerbrochene Sarg als Zeichen für den Sieg über den Tod.
Im Schrank findet sich auch eine farbenfrohe Stola, auf der chinesische, thailändische und afrikanische Schriftzeichen zu sehen sind – ein Zeichen dafür, dass die Kirche international und vielfältig ist, so Dyadychenko. In Afrika oder Indien etwa seien bunte Messgewänder typisch. Der handgestickte thailändische Schriftzug bedeutet zum Beispiel „Jesus liebt dich“. Der Davidstern auf der Stola steht dafür, dass Jesus Jude war und das Christentum seinen Ursprung im Judentum hat.
Die Palla bedeckt während des Gottesdienstes den Kelch mit dem Messwein. Insgesamt 24 Pallas mit den verschiedensten Stickereien besitzt der Stadtpfarrer, klassische in quadratischer Form, aber auch runde, die für ihn ein Symbol sind, dass man bei Gott gut aufgehoben ist. Auch eine Palla mit einem gestickten Kreuz im typischen Stil seines Heimatlandes Ukraine findet sich dar-unter und eine mit einem roten Herz für Trauungen, eine grüne runde Palla mit einem Kinder-Motiv für Schülergottesdienste, eine weitere runde Palla mit einem Herz und dem Wort „Jahwe“ in hebräischer Schrift darüber sowie eine schwarze Palla mit goldenem Kreuz für Beerdigungen.
Die Ausgaben für die Messgewänder, Stolen und Pallas trägt der Stadtpfarrer selbst. Zwar gibt es von der Pfarrei eine Auswahl an einfachen Messgewändern, die von Urlaubsvertretungen oder von Konzelebratoren genutzt werden können. Es sei jedoch üblich, so Dyadychenko, dass man sich als Stadtpfarrer eigene, schöne Messgewänder besorge, vor allem natürlich für besondere Feste wie die Erstkommunion, die demnächst in Rötz und Heinrichskirchen ansteht. Welches Messgewand es dann sein wird, steht noch nicht fest. „Wenn man so viele schöne Messgewänder in seinem Schrank hat, fällt die Auswahl manchmal schon schwer“, gibt der Stadtpfarrer zu und schmunzelt.





