Ja-Wort an besonderen Orten in Rötz: Winterhochzeiten und freie Trauungen immer beliebter

Von Stefanie Bauer · 10. April 2024 um 05:00

Heiraten unter freiem Himmel: Was in der Kreisstadt Cham noch Zukunftsmusik ist, gibt es in Rötz schon seit mehreren Jahren. Welche Trends es bei Eheschließungen in der Stadt auszumachen sind.

Die Burgruine Schwarzenburg auf dem Schwarzwihrberg ist einer der drei anerkannten Trauorte in Rötz, die gesamte Burganlage kann für die Trauung genutzt werden. Einer der Vorteile dieser Hochzeits-Location: Es gibt auf der weitläufigen Burganlage grundsätzlich keine Personenbegrenzung bei der standesamtlichen Trauung.

Die Stadt weist auf ihrer Internetseite vorsorglich auf das „Schlechtwetterrisiko“ hin. Ausweichmöglichkeiten werden bei schlechtem Wetter mit dem Brautpaar daher vorab persönlich abgesprochen.

Ein Großteil der standesamtlichen Trauungen findet, trotz der märchenhaften Kulisse auf der Schwarzenburg, dennoch im Sitzungssaal, der sich im ersten Stock des Rathauses befindet, statt. Hier finden rund 25 Personen Platz.

Brautstehlen in freier Natur

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, die viele Paare für ihre standesamtliche Trauung in Rötz wählen – wie auch für Hochzeitsfeiern im Rahmen einer kirchlichen Trauung: Den Museumstrakt im ersten Stock des Fürstenkastens, der Platz für größere Hochzeitsgesellschaften als das Rathaus bietet und der per Aufzug erreicht werden kann. Brautpaare dürfen sich jederzeit gern an das Standesamt Rötz wenden, um detaillierte Auskünfte zu den jeweiligen Orten und Terminen zu erhalten, erreichbar ist das Standesamt Rötz per E-Mail unter: standesamt@roetz.de.

Im Fürstenkasten finden neben den standesamtlichen Trauungen auch die weltlichen Feiern im Rahmen von kirchlichen Hochzeiten statt. Dazu wird oft der Saal mit Galerie genutzt und für das Brautstehlen gern der Museumstrakt oder das Areal um den Irlweiher. In den letzten beiden Jahren habe es ganz verstärkt einen Trend zu freien Trauungen gegeben, berichtet Christine Deml, die Pächterin des Fürstenkastens. In den meisten Fällen werde dabei kombiniert, zuerst die standesamtliche Hochzeit im dafür zugelassenen Museumstrakt mit dem Standesbeamten und danach eine freie Trauung mit Trauredner. Diese findet entweder wieder im Museumstrakt statt, oder, was vor allem in den Sommermonaten sehr beliebt ist, unten Am Irlweiher.

Unter freiem Himmel idyllisch an der Schwarzach heiraten – mit der Möglichkeit, bei schlechtem Wetter in den Museumstrakt auszuweichen – das sei für viele die perfekte Kombination, so Christine Deml. Auch das Brautstehlen in der freien Natur an der Schwarzach sei sehr beliebt und zum Empfang der Gäste werde der kleine, idyllisch angelegte Garten gern genutzt.

Dieses Jahr sei der Fürstenkasten für Hochzeiten schon wieder bis zum Winter ausgebucht: Am 30. November findet die vorerst letzte Feier statt. Letztes Jahr gab es sogar eine Hochzeit im Dezember. Diese Winterhochzeiten sind laut Christine Deml der zweite große Trend, der in den letzten Jahren ausgemacht werden konnte. Letztes Jahr kam noch Wetter-Glück dazu: Es fielen weiße Flocken vom Himmel, und so konnten Hochzeitsfotos in zauberhafter schneebedeckter Landschaft gemacht werden. Neben dem besonderen Flair der Winterhochzeiten erfreuen sich diese vermutlich auch wachsender Beliebtheit, da Location, Fotografen und was man noch für eine Hochzeitsfeier benötigt, eher verfügbar sei als in den üblicherweise gut ausgebuchten wärmeren Monaten.

Hochzeit in Pillmersried

Noch etwas, das die Pächterin des Fürstenkastens als Trend bei Hochzeiten festgestellt hat: „Alles ist sehr bunt und fröhlich gehalten.“ Und bei den Menüs werde nun verstärkt Wert darauf gelegt, dass auch ein fleischloses Gericht für die Vegetarier zur Auswahl stehe.

Ob der Trend zu den freien Trauungen etwas damit zu tun haben könnte, dass er in diesem Jahr nur ein einziges Paar trauen wird – in der Filialkirche St. Antonius in Pillmersried – und keines in der Rötzer Stadtpfarrkirche oder in St. Salvator, das vermag Stadtpfarrer Alexander Dyadychenko nicht zu sagen. Vielleicht sei diese geringe Zahl bei einigen auf Kostengründe in Zeiten der allgemeinen Teuerung zurückzuführen, wobei auch freie Trauredner sicherlich nicht kostengünstig seien. Und auch ein Gasthaus und Musik müsse gefunden und bezahlt werden.

Möglicherweise liege es bei anderen auch an ihrer allgemeinen Einstellung zur Kirche, dass sie auf eine kirchliche Hochzeit verzichten. Warum es aber gerade heuer so auffallend wenige Hochzeiten seien in Rötz – in den Vorjahren habe er immer zwischen sechs bis acht Paare getraut – ließe sich nicht sagen, so Dyadychenko, auch in den Jahren 2022 und 2023. Im Herbst findet in St. Salvator noch eine Trauung mit einem auswärtigen Priester statt, es komme vor, dass Paare in Rötz heiraten möchten, die beispielsweise ihre Wurzeln hier haben, aber die Trauung vom Pfarrer ihres jetzigen Wohnorts vornehmen lassen möchten. Weil kirchliche Hochzeiten in fast allen Fällen einen Vorlauf von mindestens einem halben, meist aber eher einem Jahr haben, „werden es dieses Jahr sicherlich nicht mehr werden“, so der Stadtpfarrer. Für 2025 gebe es hingegen schon jetzt einzelne Anfragen. Natürlich hoffe er, so Dyadychenko, dass bei den Paaren, die heuer standesamtlich heiraten, noch eine kirchliche Hochzeit folgt.

Ob Paare sich in Rötz für die Stadtpfarrkirche St. Martin oder für St. Salvator entscheiden, sei ganz individuell, je nachdem, welche Größe und welches Ambiente die Eheleute bevorzugen oder zu welcher der Kirchen sie einen persönlichen Bezug haben. Der Stadtpfarrer spricht sich auch für kirchliche Trauungen im Freien aus, die derzeit von kirchlicher Seite noch nicht erlaubt sind: Darüber lohne es sich, nachzudenken – der Ort sei weniger entscheidend, die Hauptsache sei für ihn, dass ein Paar mit Gottes Segen heirate.

Zahlen aus dem Standesamt:

Standesamt: 2023 fanden 18 standesamtliche Trauungen in Rötz statt; in den Vorjahren waren es 16 (2022), 15 (2021), 13 (2020), und 15 (2019).

Anteil: Welchen Anteil die freien Trauungen insgesamt ausmachen, ist schwer zu sagen, denn sie werden nicht wie die standesamtlichen oder kirchlichen erfasst.

In der Filialkirche St. Antonius findet dieses Jahr eine kirchliche Hochzeit statt. Foto: S. Bauer
Eine Sommerhochzeit: Hier ist alles für eine freie Trauung Am Irlweiher vorbereitet. Fotos: Christine Deml
Angerichtet für eine Winterhochzeit im Fürstenkasten