Woher kommt das benötigte Wasser für das geplante Wasserstoffwerk in Pilsach?

Zu Wochenbeginn vermeldete die Oberpfälzer Wasserstoffwerke GmbH, nahe dem künftigen Gewerbegebiet Waldeck (Gemeinde Pilsach) Wasserstoff herstellen zu wollen. Das Werk wäre eines der ersten seiner Art in Bayern. Entsprechend stellen sich noch einige Fragen. Wir sind auf die Suche nach Antworten gegangen.
• Warum wählt man den Standort in der Gemeinde Pilsach für das Werk?
Hauptgrund sind die nahen Windräder und Solarparks der Regensburger Firma Windpower. Windräder und Solarparks haben das Problem, dass sie vor allem an sonnigen Tagen zu viel Strom produzieren. Das Stromnetz ist überfordert, diese Spitzen aufzunehmen. Die Anlagen müssen deshalb immer wieder abgeschaltet werden. Verhindern lässt sich das, indem man den grünen Strom in grünen Wasserstoff umwandelt und so speichert. Windpower hat deshalb gemeinsam mit dem Münchner Unternehmen Hydrogenity die Oberpfälzer Wasserstoffwerke GmbH (OWW) gegründet.
• Wie wird grüner Wasserstoff erzeugt?
Ein sogenannter „Elektrolyseur“ spaltet mit Hilfe des Stroms Reinwasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Die Stromenergie steckt damit im Wasserstoff, der unter hohem Druck in Behälter verfüllt wird. Diese werden auf Lastwagenanhängern transportiert. Pro Anhänger können so bis zu 1,25 Tonnen Wasserstoff verladen werden. Darin stecken rund 41000 Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt hat einen durchschnittlichen Stromverbrauch zwischen 3000 und 4000 Kilowattstunden pro Jahr.
• Für was könnte grüner Wasserstoff verwendet werden?
Mithilfe von Wasserstoff werden industrielle Produkte hergestellt (z. B. Dünger). Im Fokus steht grüner Wasserstoff aber vor allem, um Strom zu speichern. Nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministeriums könnte grüner Wasserstoff energieintensiven Branchen wie Stahl- oder Chemieindustrie zur Klimaneutralität verhelfen. Allerdings wird es dabei zu Energieverlusten kommen, da der Strom zuerst in Wasserstoff und wieder zurück in Strom umgewandelt werden müsste. Verluste gäbe es auch, wenn der Wasserstoff in Wärme umgewandelt wird, um beispielsweise Häuser zu beheizen. Das Bundesforschungsministerium geht jedoch davon aus, dass Wasserstoff im Bereich Wärme in den nächsten Jahren eine untergeordnete Rolle spielen wird.
In Pilsach werde das Werk auch Abwärme und Restwasser produzieren, erklärt die OWW GmbH. Das könnte von den benachbarten Firmen Bärnreuther+Deuerlein und Chefs Culinar genutzt werden. Mit beiden Firmen bestünden Absichtserklärungen, teilt OWW mit.
• Wie steht es um den Einsatz in Fahrzeugen?
„Wir wissen noch nicht wohin der Weg beim Schwerlastverkehr geht“, sagt Werner Steinbrecher aus der Geschäftsführung von Bärnreuther + Deuerlein. Das Steinbruchunternehmen mit seinen vielen Lastwagen wäre Nachbar des Wasserstoffwerks, das auch eine Wasserstoff-Tankstelle für Lastwagen erhalten soll.
Die zurückhaltende Reaktion Steinbrechers unterstreicht aber: Die Anwendung von Wasserstoff in Fahrzeugen steckt noch in den Anfängen. Zudem gelten Autos, die in Brennstoffzellen Wasserstoff in Strom umwandeln, als weniger energieeffizient als „normale“ E-Autos, die den Strom aus Batterien abrufen. Das erklärt das Umweltbundesamt und verweist auf Studien. Der Grund: Bei der Wandlung des Stroms in Wasserstoff und wieder zurück geht Energie verloren.
Relevant könnte Wasserstoff vor allem dort werden, wo es zu viele Batterien bräuchte, um die nötige Leistung bereitzustellen. Wasserstoff könnte daher vor allem bei größeren Fahrzeugen wie Lastern, Bussen, Traktoren, Bahnen, Schiffen und Flugzeugen interessant werden.
Die OWW GmbH erklärt dennoch, dass unter anderem Wasserstofftankstellen beliefert werden sollen. Auch dieses Netz steckt noch in den Anfängen. Die nächsten Wasserstofftankstellen sind in Nürnberg, Regensburg und Ingolstadt.
• Wie viel Strom kann der Elektrolyseur verarbeiten?
Jährlich will die OWW GmbH in einem ersten Schritt 625 Tonnen Wasserstoff herstellen. Dafür braucht es nach Angaben des Unternehmens rund 35 Gigawattstunden Strom. Das sind 35 Millionen Kilowattstunden.
• Woher kommt das benötigte Wasser?
Um die 625 Tonnen Wasserstoff zu produzieren, braucht es neben Strom auch 8,7 Millionen Liter Wasser. In Zeiten zunehmend trockener Sommer stellt sich die Frage, woher das Wasser kommt und ob ausreichend davon vorhanden ist? Die OWW GmbH erklärt, dass der Wasserzweckverband Prönsdorfer Gruppe liefern werde und für die benötigte Menge ausreichend Wasser zur Verfügung stehe. Perspektivisch sieht man aber die Möglichkeit, Oberflächen- und Regenwasser zu nutzen.
Zweierlei ist den Verantwortlichen wichtig zu betonen: Das Wasser werde an die Atmosphäre wieder abgegeben, wenn der Wasserstoff verbraucht wird. Beim Prozess der Elektrolyse entstehe ein Drittel Abwasser. Wobei die OWW GmbH dieses Abwasser als nicht im herkömmlichen Verständnis als verunreinigt ansieht. Das entstehende Abwasser weise lediglich eine dreifache Mineralien- und Spurenelemente-Konzentration auf. Das Abwasser soll im Steinbruch verwendet werden.
• Müssen noch Leitungen verlegt werden?
Laut OWW GmbH ist das nicht nötig. Das Grundstück liege an der bestehenden Kabeltrasse.
• Wie profitiert die Gemeinde Pilsach von dem Projekt?
Die Gemeinde, die für das Projekt das Grundstück angeboten hat, werde durch Gewerbesteuer profitieren, sagt die Oberpfälzer Wasserstoffwerke GmbH. Bürgermeister Andreas Truber blickt aber nicht nur deswegen nach eigener Aussage „extrem positiv“ auf das Projekt. Auch das Renommee eine der ersten Gemeinden in Bayern mit einem solchen Projekt zu sein, spielt eine Rolle. Zudem ist für ihn denkbar, dass „in ferner Zukunft“ Haushalte in Laaber mit der Abwärme versorgt werden.
• Was sind die weiteren Schritte?
Das Wasserstoffwerk nimmt nun den Lauf eines Bebauungsplanverfahrens. Am Donnerstag stimmen die Gemeinderäte erstmals darüber ab. Truber ist zuversichtlich, da das Projekt bereits in nicht-öffentlicher Sitzung vorgestellt worden war. Anschließend wird das Verfahren durch die diversen Stufen und Behörden gehen. Truber hofft auf einen zügigen Verlauf. Zuletzt hatte Pilsachs Bürgermeister das Landratsamt kritisiert, dass die Baugenehmigung für Chefs Culinar viel zu lange gedauert habe.
Läuft alles bei der Genehmigung wie von den Projektmachern erhofft, sollen die Bauarbeiten 2025 beginnen und 2026 der Elektrolyseur seine Arbeit aufnehmen.
