Vor 20 Jahren wurden die ersten PV-Anlagen in Neumarkt gebaut – nun ändert sich alles

Von Peter Romir · 7. Januar 2024 um 14:30

Kaum zu glauben: Um das Jahr 2000 waren Solarzellen auf Hausdächern noch eine absolute Seltenheit. Bis der „Regionale EnergieVerein“ mit Unterstützung des Landkreises daran ging, die neue Technik populärer zu machen. Zum 20-jährigen Jubiläum seiner ersten PV-Anlage steht der Verein allerdings vor einer Umstellung, die erneut alles verändern wird.

„Als wir angefangen haben, war Klimaschutz noch keine Selbstverständlichkeit – da brauchte es Pioniergeist“, sagt Roland Hadwiger. Er ist der aktuelle Vorstand des Regionalen EnergieVereins, der in den Jahren 2003 bis 2005 die ersten Photovoltaik-Projekte in Neumarkt realisierte. „Uns ging es darum, den Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, dass es Sinn hatte, in erneuerbare Energien zu investieren.“

Start auf dem Klinikum

Damals wurde eine Förderung der Projekte für die Zeit von 20Jahren beschlossen – was auch bedeutete, dass man Standorte brauchte, die diese zwei Jahrzehnte zur Verfügung stehen würden.

„Deshalb fiel die Wahl auf öffentliche Gebäude, da sie vermutlich nicht so schnell den Besitzer wechseln, umgebaut oder abgerissen werden“, so Hadwiger.

Die erste Anlage wurde schließlich auf dem Dach des Klinikums gebaut. Es folgten die Knabenrealschule in der Mühlstraße und die Wirtschaftsschule am Theo-Betz-Platz. „In der Zeit von 2003 bis 2005 errichteten wir insgesamt 14Anlagen, vorwiegend auf den Dächern von Gebäuden im Besitz des Landkreises.“

Förderung für teure Solaranlagen

Die Anlagen waren damals noch sehr teuer: „Die Preise lagen bei über 6000Euro pro Kilowatt peak-Leistung“, erzählt Hadwiger. „Heute sind wir bei etwa 1500Euro.“ Damit sich die Investition auch rentierte, wurde die Abgabe von Strom ins Netz mit einer staatlichen Einspeisevergütung bezuschusst. 2003 betrug diese (je nach Leistung) etwa 45Cent pro Kilowattstunde. Mit zunehmender Laufzeit nahm der Zuschuss stetig ab. „Zuletzt waren wir bei etwa 10Cent pro eingespeister Kilowattstunde“, so Hadwiger. „Aber es ging ja auch nie darum, Geld zu drucken, sondern einen Anreiz für den Einsatz klimafreundlicher Technologien zu schaffen.“

Alte PV-Anlagen auf dem Prüfstand

Von Anfang an war klar, dass die Förderung 20Jahre nach Inbetriebnahme der Anlage vollends auslaufen würde. Ein Zeitpunkt, der nun erreicht ist. „Deswegen haben wir uns die ältesten Anlagen jetzt genau angesehen, um festzustellen, wie viel Leistung sie noch bringen“, erklärt Markus Mederer, Leiter der Abteilung Liegenschaften beim Landkreis. Bei der ersten PV-Anlage auf dem Klinikum war das nicht mehr möglich: Sie war kurz vor dem Erreichen der 20-Jahres-Grenze dem Umbau des Gebäudes gewichen.

Doch auf den Dächern der Knaben- und Wirtschaftsschule machten die Inspektoren eine erfreuliche Entdeckung: „Die Anlagen laufen auch nach 20Jahren noch weitgehend störungsfrei und mit gleicher Leistung“, freut sich Mederer. Er schätzt, dass die Geräte noch mindestens fünf bis zehn Jahre genutzt werden können.

Entscheidung für die Zukunft

Der Landkreis steht damit nun vor der Entscheidung, ob die Anlagen abgebaut oder ohne staatliche Zuschüsse weiter betrieben werden sollen. Für Mederer ein klarer Fall: „Die Einspeisevergütungen sind für uns nicht so wichtig, da die betreffenden Gebäude fast alles für den Eigenbedarf produzieren und kaum etwas ins Netz abgeben.“ Er empfahl den Mitgliedern des Kreistags deshalb, die Anlagen dem EnergieVerein für einen symbolischen Preis von je einem Euro abzukaufen und selbst weiter zu betreiben. Der einzige Nachtteil dabei wäre laut Mederer, dass der Landkreis irgendwann die Abbau-Kosten übernehmen muss. Der zuständige Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Umweltausschuss nahm diesen Vorschlag einstimmig an – auch in der Hoffnung, dass die Anlagen noch deutlich länger als die vorausgesagten fünf bis zehn Jahre voll leistungsfähig sein werden.

Regionaler Energie Verein zieht sich zurück

Für den Regionalen EnergieVerein bedeutet der Verkauf der Anlagen den Anfang vom Ende seiner Tätigkeit: „Wir haben seit vielen Jahren keine neuen PV-Projekte mehr realisiert“, sagt Vereinsvorsitzender Roland Hadwiger. „Der Markt hat sich stark gewandelt, so dass sich eine Nutzung nur noch für den Eigenbedarf rentiert, aber nicht mehr als externer Betreiber.“

Zudem seien die Preise für Solarmodule so günstig geworden, dass sich die meisten Leute jetzt auch ohne Unterstützung eines Vereins eine Anlage aufs Dach bauen können. Der Verein hat somit ein wichtiges Ziel erreicht: Solaranlagen für die Bevölkerung zu etwas Alltäglichem und Erschwinglichem zu machen. Und damit eine echte Vorreiterrolle übernommen.

Begriffe der Solartechnik

Photovoltaik-Anlagen (kurz PVAs) wandeln Sonnenstrahlung mit Hilfe von Solarzellen in elektrische Energie um. Die Bezeichnung wird sowohl für die Einrichtungen auf Hausdächern verwendet, als auch für die großen Freiflächen-Anlagen.

Watt Peak (vom englischen ‘Spitze‘) ist die übliche Messeinheit für die von Solarmodulen abgegebene elektrische Leistung. Es handelt sich um einen Labor-Testwert, der in der Realität nur selten erreicht wird. Dachanlagen bewegen sich zwischen einem und zehn Kilowatt Peak. Die größte Solaranlage der Welt in China erzeugt 850 Megawatt Peak.

Entdeckt wurde die Solarenergie bereits 1839 durch Alexandre Edmond Becquerel. Der französische Physiker bemerkte, dass eine Batterie im Sonnenlicht mehr Leistung abgibt als im Dunkeln. Praktisch nutzen konnte er diese Erfindung aber noch nicht.