Zahnarzt und Pilot – Wolfgang Froschauer aus Schwandorf berät Deutschlands größte Flugschule

Von Hubert Heinzl · 15. April 2024 um 15:00

Vor einem knappen Jahr hat Wolfgang Froschauer seine Zahnarztpraxis an der Augustinstraße in Schwandorf für immer geschlossen. Doch von Ruhestand kann keine Rede sein. Der 65-Jährige ist immer noch häufig unterwegs – gerne auch auf Reisehöhen von bis zu 40000 Fuß. Er arbeitet als Berater und leitender Angestellter bei Deutschlands größter Flugschule – ist Ausbildungsbeauftragter, Prüfer und immer wieder auch Pilot.

Das Faible für die Luftfahrt wurde Wolfgang Froschauer sozusagen in die Wiege gelegt: „Ich bin mit der Fliegerei bei meinem Vater aufgewachsen.“ Der praktizierte in Schwandorf als Urologe. Aber in der Freizeit ging es mit dem Segelflugzeug oder Motorflieger von Charlottenhof oder Schmidgaden aus in die Luft. Sohn Wolfgang war mehr als nur fasziniert. Schon mit 17 Jahren erwarb er die erste Lizenz, wollte eigentlich Berufsflieger werden. „Doch die Lufthansa hat damals keine Leute mit Brille genommen“, erinnert er sich.

Examen und Pilotenschein im selben Jahr

Und so hat er sein Hobby, nein, seine Passion „auf der privaten Schiene weiter verfolgt“. Wegen der Kosten ging das nur häppchenweise. Zunächst erwarb er die Berechtigung zum Schleppen von Segelflugzeugen und finanzierte so seine Ausbildung zum Fluglehrer. 1983 legte Wolfgang Froschauer nicht nur sein Staatsexamen ab, sondern gleich auch noch die Prüfung zum Verkehrsflugzeugführer und war damit Berufspilot und Zahnarzt in Personalunion.

Mehr als 40 Jahre hat Wolfgang Froschauer als Zahnmediziner gearbeitet, davon fast 37 Jahre in der eigenen Praxis. „Und mir hat mein Beruf schon sehr viel Spaß gemacht“, wie er im Rückblick sagt. 90 Prozent der Tätigkeit sei Handwerk, so der 65-Jährige. Und wie in jedem anderen Handwerk auch sehe man in der Zahnheilkunde, „was man geschaffen hat“.

Doch mit derselben Akribie, mit der der Zahnarzt Füllungen legte oder Wurzelbehandlungen vornahm, hat er in all den Jahren auch die Fliegerei betrieben – immer dann, wenn Zeit war, am Mittwochnachmittag also oder an den Wochenenden. 1987 heuerte Froschauer bei einer großen Flugschule in Nürnberg an und war dort 27 Jahre in der Ausbildung tätig. Aber damit nicht genug: Der fliegende Zahnarzt saß im Auftrag von Unternehmen bei Charterflügen im Cockpit und war über Jahre selbst Teilhaber einer Luftfahrtgesellschaft in München. Eine Zeit lang arbeitete er auch als Flugbetriebsleiter und Trainingsmanager in München und Hamburg.

Der Mann ist viel herumgekommen – in ganz Europa, aber auch in Asien, Afrika und Nordamerika. Viele Promis hat er von A nach B gebracht, Sportgrößen, bekannte Filmschauspieler, aber auch Kabinettsmitglieder der verschiedensten europäischen Regierungen. Namen kommen ihm aber auch heute nicht über die Lippen. Lieber erzählt er von den Organtransporten, die er geflogen hat. Einmal hat Froschauer das Herz eines verstorbenen Kindes um zwei Uhr nachts von Oslo geholt und direkt zur Transplantation nach München geflogen. „Zwei Tage später habe ich erfahren: Ja, es hat geklappt. Das sind Dinge, die einen erfüllen.“

Zuständig für die Qualität der Ausbildung von 270 Flugschülern

Heute, mit 65 Jahren, hat Froschauer die Altersgrenze für gewerbliche Flüge überschritten. Aber auch künftig hofft er, „dass ich zwei, drei Mal im Monat unterwegs sein werde“. Denn für große Unternehmen, die über eine eigene Flugzeugflotte verfügen, gilt die Beschränkung nicht.

Zur Faszination für die Praxis hat sich bei ihm schon früh die Passion gesellt, als Ausbilder mit jungen Menschen zu arbeiten. Aber auch auf der anderen Seite, bei der Erfolgskontrolle, ist Froschauer seit langen Jahren tätig. Bei den zweistrahligen Geschäftsflugzeugen gehört der 65-Jährige inzwischen sogar zum auserlesenen Kreis der sogenannten „Senior Examiner“, die nicht nur die Leistungstests der Flugschüler abnehmen, sondern auch andere Prüfer beurteilen dürfen. In ganz Deutschland haben in Froschauers Fachgebiet nur acht weitere Kollegen dieses Level erreicht. Auf 70 Flugprüfungen bringt er es pro Jahr, schätzt der 65-Jährige.

Besonders stolz ist der frühere Zahnarzt auf eine Tätigkeit, die er vor ein paar Jahren bei Deutschlands größter Flugschule angetreten hat, der TFC GmbH in Essen. Hier ist er als sogenannter „Head of Training“ verantwortlich für die Qualität der Ausbildung von zurzeit etwa 270 Flugschülern. Der Schwandorfer schult auch selbst, „denn man muss die Hand schon am Puls haben“, wie er es formuliert.

Aber er sorgt auch dafür, dass die Ausbildung durch die Fluglehrer nach standardisierten und nachvollziehbaren Kriterien erfolgt. Das ist wichtig, denn die Genehmigung für den Lehrbetrieb muss regelmäßig durch das Luftfahrt-Bundesamt erneuert werden. „Dabei werden alle Grundlagen der Ausbildung auf den Prüfstand gestellt“, so Froschauer.

Im Frühzug nach Essen

Solange ihn „die Reisetätigkeit nicht stört“, will der fliegende Zahnarzt in seiner verantwortungsvollen Position „schon noch einige Jahre weitermachen“, wie er sagt. Denn die Technik macht zwar vieles möglich, doch Online-Konferenzen sind nicht alles. Mindestens zwei Mal im Monat muss Froschauer auch bei der Flugschule vor Ort sein. Dann steigt er, kurz nach vier Uhr früh, in Schwandorf in den Zug und kommt um 10.30 Uhr in Essen an. Was folgt, ist bunt gemischt: Er hält Kurse in Theorie oder am Simulator, erledigt aber auch Verwaltungskram und Behördentermine.

„Für die Fliegerei muss man brennen. Sie bringt ständige Anforderungen mit sich, lebenslanges Lernen und lebenslange Leistungskontrolle“, lautet Froschauers Fazit nach vielleicht 12500 Flugstunden und 6000Stunden Unterricht. Ehefrau Petra übrigens, die ehemalige Amtsgerichtsdirektorin in Schwandorf, hat nach den Worten ihres Mannes immer Verständnis für seine Flieger-Leidenschaft gehabt. Froschauer: „Sie hat eine Ahnung davon, weil sie selber einmal geflogen ist. Eine Zeit lang, bis die Kinder da waren, hatte sie die Segelfluglizenz.“

Der fliegende Zahnmediziner war vor allem in Europa viel unterwegs – hier mit einer Cessna C 525 in Norwegen. Foto: Froschauer
1983 erwarb der 24-Jährige den Verkehrspilotenschein. Foto: Froschauer