Schwandorfer Zahnarzt hinterlässt Lücke: Wolfgang Froschauer findet keinen Nachfolger

Von Jan Lange · 26. April 2023 um 16:15

40 Jahre, davon 36 in der eigenen Praxis, hat Wolfgang Froschauer als Zahnarzt gearbeitet. Nun ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, die Instrumente zur Seite zu legen. Ende April schließt seine Praxis in Schwandorf.

Einen Nachfolger hat der Mediziner nicht gefunden. Mehrere Hundert Patienten aus Schwandorf und dem Umland müssen sich jetzt einen neuen Zahnarzt suchen. In der Augustinstraße 13a werden künftig keine Zähne mehr behandelt oder gezogen. Es sei keine Ad-hoc-Entscheidung gewesen, erklärt Wolfgang Froschauer. Er habe längere Zeit nach einem Kollegen gesucht, der seine Praxis weiterführen könnte. Ohne Erfolg.

Lieber im Verbund tätig

„Die Struktur einer Einzelpraxis ist ein aussterbendes Modell“, ist der 64-Jährige überzeugt. Niemand wolle mehr eine Praxis alleine führen, meint er. Junge Zahnärzte würden lieber auf Gemeinschaftspraxen setzen – auch wegen der Vertretungen im Urlaubs- und Krankheitsfall oder der breiteren Ressourcennutzung.

Wolfgang Froschauer hatte sich immer mit zwei bis drei Kollegen anderer Praxen über die notwendigen Vertretungen abgestimmt. Er wird sein soziales Engagement als Kindergarten- und Schulzahnarzt fortsetzen und könnte sich vorstellen, auch künftig noch das eine oder andere Mal einem Kollegen auszuhelfen. Ansonsten stehen erst einmal andere Dinge im Vordergrund. So habe er noch einen zweiten Beruf in der Luftfahrt, meint Froschauer. Aber auch dem Radfahren, Wandern und den Enkeln werde er nun mehr Zeit widmen.

Auch seine Frau ist in Ruhestand gegangen

Nicht zu vergessen seine Frau. Petra Froschauer leitete bis vor Kurzem das Amtsgericht Schwandorf. Anfang März verabschiedete sie sich in den Ruhestand. Es war einer der Gründe, dass sich Wolfgang Froschauer entschied, nun seine Praxis zu schließen.

Aber auch zahnmedizinische Beweggründe gab es, sagt Froschauer. So erlasse der Gesetzgeber immer mehr Auflagen und Bestimmungen für Zahnärzte. Als Beispiel nennt er das elektronische Rezept. Er sei keineswegs ein Gegner der elektronischen Datenverarbeitung, betont der 64-Jährige. Schon Ende der 1980er Jahre habe er seine Praxis mit Computertechnik ausgestattet. Eine Papierakte von jedem Patienten gebe es trotzdem noch.

Die heutigen gesetzlichen Regelungen würden nicht funktionieren, steht für den Schwandorfer Zahnarzt fest. Und so habe er sich irgendwann mal gefragt, ob er in diesem System noch weiter mitmachen wolle. Die Antwort sei Nein gewesen.

Keine Honorarerhöhung seit 1988

Kritik übt Froschauer ebenso an der Honorierung: Seit 1988 habe es keine Erhöhung gegeben. „Gleichzeitig wird von uns Zahnmedizinern ständig gefordert und erwartet, dass wir mit dem Fortschritt mitgehen.“

Froschauer ist mit der Ecke rund um die Augustinstraße seit der frühesten Kindheit eng verbunden. 1960 kam er mit seinen Eltern nach Schwandorf, sein Vater eröffnete damals im Nachbarhaus der Augustinstraße 13a eine urologische Praxis. Als er 1992 in Rente ging, fand auch er keinen Nachfolger und musste die Praxis für immer schließen – so wie auch 31 Jahre später sein Sohn.

Da er in einem Arzthaushalt aufgewachsen sei, war für ihn früh klar, ebenfalls Medizin studieren zu wollen, meint Froschauer. Er hätte die Fachrichtung seines Vaters einschlagen und später einmal seine Praxis übernehmen können. Ihn zog es aber in den zahnmedizinischen Bereich. Von seinem Vater sei er nie gedrängt worden, auch Urologe zu werden. Dieser habe ihm sogar geholfen, als Wolfgang Froschauer Räumlichkeiten für eine eigene Praxis suchte. Anfang Juli 1987 machte er sich als Zahnarzt selbstständig, nachdem er einige Zeit als wehrpflichtiger Zahnarzt in der Kaserne Amberg tätig war.

Für die Praxis wurde ein komplettes Geschoss umgebaut und eine Wohnung erweitert. Dort hatte Froschauer dann 36Jahre praktiziert.

Noch genügend Zahnärzte in Schwandorf

Der Großteil seiner Patienten kam aus Schwandorf, ein kleiner Teil aus dem Landkreis und ein paar wenige von weiter her. Dass sie Probleme bei der Suche nach einem neuen Zahnarzt haben werden, glaubt der 64-Jährige nicht. Immerhin gebe es noch mehr als ein Dutzend Zahnärzte in der Stadt Schwandorf.

Er selbst habe auch in den letzten Monaten noch neue Patienten aufgenommen, welche als Schmerzpatienten kamen. Ihnen musste er allerdings auch erklären, dass er sie nur noch einen überschaubaren Zeitraum behandeln werde.

Für seine beiden Mitarbeiterinnen habe sich auch eine Lösung gefunden: Eine werde in einer anderen Praxis anfangen und die zweite werde den Beruf wechseln.

Wie die Praxisräume künftig genutzt werden, will Wolfgang Froschauer, der auch Eigentümer ist, auf sich zukommen lassen. Er rechnet aber eher nicht damit, dass hier später wieder eine Zahnarztpraxis einziehen wird.