Eine Form der Hölle – oder einfach nur der Arbeitsplatz: Neumarkter Anwalt spricht über das Büro

Wenn der Chef keine Eier hat, die Kollegin zu wenig Intellekt und der Kollege ein Drogenproblem: All das kann man im Büro erleben. Und noch viel mehr, wie der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta in seiner neuen Ausgabe der Kolumne „Paprottas Paragrafen“ zu berichten weiß.
Eines sage ich Ihnen als „Chef“ ganz ehrlich: Ich möchte gar nicht so genau wissen, was meine Mitarbeiterinnen alles machen. Natürlich bin ich dankbar dafür, wenn sie mit Mandanten telefonieren, die Post einordnen oder Schriftsätze tippen – was man in einer Rechtsanwaltskanzlei eben so arbeitet. Aber wir ahnen alle, dass in Büros nicht nur gearbeitet wird.
Tiervideos und Enthüllungsromane
Wie ich darauf komme, fragen Sie? Ganz einfach – ich sitze doch selber mittendrin! Und ich weiß, was mir alles einfällt, wenn ich keine Lust auf Akten habe. Details erspare ich Ihnen lieber – aber man kann im Internet spannende Tiervideos finden! Und im Haus gegenüber der Kanzlei, da wohnt... aber lassen wir das. Wenn ein Mitarbeiter den ganzen Tag wie ein Wahnsinniger tippt und dabei ein fanatisches Glitzern in den Augen hat, dann könnte es sich bei ihm um einen von den ganz Fleißigen handeln. Den müssen sie als Chefin oder Chef, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, wie ein rohes Ei behandeln!
Es könnte allerdings auch sein, dass der Kollege gerade einen Enthüllungsroman über ihr Büro schreibt, bei dessen Lektüre kein Auge trocken bleibt. Letzteres wurde vor dem Landesarbeitsgericht Hamm verhandelt. Da hatte ein 51-jähriger Sachbearbeiter aus dem Vertrieb eines Küchenmöbelherstellers seine intimsten Gedanken zu Kolleginnen und Vorgesetzten in einem „Büro-Roman“ zu Papier gebracht.
Seine schriftstellerischen Ergüsse bot er den Kolleginnen und Kollegen zum Kauf an – während der Arbeitszeit. „Wer die Hölle fürchtet, kennt das Büro nicht“, nannte er sein Werk. Dem Kollegen „Hannes“ wird darin nachgesagt, er habe „alles geraucht, was ihm vor die Tüte kam“. Über „Fatma“ heißt es, ihr Intellekt stehe im diametralen Gegensatz zu ihrer Körbchengröße und Junior-Chef „Horst“ sei ein Feigling, der habe „nicht die Eier, jemandem persönlich gegenüberzutreten, dafür schickt er seine Lakaien“.
Fristlose Kündigung als Konsequenz
Was der eierlose „Horst“ dem Literaten übrigens auch schickte, das war eine fristlose Kündigung. Doch das Landesarbeitsgericht Hamm befand: Die Namen wurden geändert? Die Charaktere sind nicht für jeden auf den ersten Blick erkennbar? Ein Fall für die Kunstfreiheit! Ein Fall fürs gute Büroklima war es allerdings weniger (Az. 13 Sa 436/11).
Was machen Menschen im Büro noch? Ebenfalls mit einer Kündigung stand ein Mann vor dem Landesarbeitsgericht in Hamm, der seinen E-Roller an der Bürosteckdose aufgeladen hatte. Gigantische 1,9 Cent Schaden waren dem Arbeitgeber entstanden! Das Gericht stellte klar: Auch wenn es nicht mal zwei Cent sind, geht heimlich Strom klauen im Büro eigentlich gar nicht. Aber immerhin war der Mann ohne die geringste Verfehlung schon seit 19 Jahren im Betrieb. Da hätte eine Abmahnung genügt. Apropos... ich habe mein Handy-Ladekabel schon wieder vergessen. Vielleicht leiht mir eine meiner Mitarbeiterinnen eins (Az. 16 Sa 260/10).
Bei mir im Büro arbeiten nicht nur juristische Fachkräfte – gelegentlich taucht auch ein Hund auf. Der ist aber langweilig und schläft die ganze Zeit nur, selbst wenn ich meinen Handmassageball werfe. Der Bürohund, um den es beim Arbeitsgericht Düsseldorf ging, war offenbar agiler: Die gesamte Belegschaft samt Chef hatte Angst, wenn er da war. Vielleicht lag es daran, dass er nur drei Beine hatte? „Der tut doch nichts“, sagte das Frauchen, als der Chef dem bissigen Dreibeiner schließlich Büroverbot erteilte. Aber das sagen Frauchen immer!
Das von ihr angerufene Arbeitsgericht gab dem Chef Recht: Es liegt im Ermessen eines Arbeitgebers, ob Haustiere mitgebracht werden dürfen. Wenn aber der Geschäftsführer Angst vor dem Hund seiner Sekretärin hat, müssen dringend die Prioritäten geklärt werden (Az. 8 Ca 7883/12).
