Waldmünchens neue Wohlfühladresse für Senioren: Residenzpark 4

Von Petra Schoplocher · 14. April 2024 um 05:00

Einen alten Baum verpflanzt man nicht? Christiana Cavaletto muss schmunzeln. Und wie gerne die fast 88-Jährige noch einmal umzieht! Über die Straße, in die neue Dependance des Pflegestifts. Damit zählt sie zu den ersten Bewohnern im früheren Hotel Sonngarten – nicht nur deshalb ein bedeutsamer Schritt.

Für die frühere Münchnerin erfüllen sich in ihrem neuen Zuhause gleich zwei Wünsche: Sie hat ein Einzelzimmer bekommen und darf im ersten Stock wohnen. „Mit Balkon“, verrät sie stolz, und ist froh, dass sie keine Büsche und Passanten mehr vor der Nase hat.

Seit fast einem Jahr Waldmünchnerin

Vor fast einem Jahr ist die 87-Jährige in das Waldmünchner Haus der „Dienste für Menschen“ gezogen. „Die richtige Entscheidung, ich fühle mich wohl.“ Sie ist froh, endlich nicht mehr kochen oder das Bad putzen zu müssen. Und: „Es ist alles geregelt“, sagt sie zufrieden.

Wer denkt denn an Türklinken?

Worte, die Pflegedienstleiterin Nadine Pirner und ihr Mann Bernd, Chef der Einrichtung natürlich gerne hören. Hinter beiden liegen anstrengende Wochen und viele Erfahrungen aus der Kategorie „Der Teufel steckt im Detail“. So war dem Heimleiter lange nicht bewusst, dass er Türklinken würde ordern müssen. „Aber klar, es waren ja Hotelzimmer“, schmunzelt er über sich selbst. Weniger lustig war, dass sich der Einbau der Rufmeldeanlage derart verzögerte, dass der ursprüngliche Umzugstermin nicht gehalten werden konnte.

Vier Mutige

„War und bleibt spannend“, ordnet das Ehepaar ein. Auch, weil lange nicht klar war, wer denn nun in dieser Woche tatsächlich umzieht. Einige „Kandidaten“ hätten kalte Füße bekommen, berichtet Bernd Pirner: Er baut mit einem zuversichtlichen Lächeln im Gesicht darauf, dass sich „der eine oder die andere anschließen, wenn sie sehen, dass die noch leben“.

Nicht für jeden geeignet

Letztlich waren es „vier Mutige“, die an Tag eins den Neuanfang wagten, ein weiterer schloss sich zwei Tage später spontan an. Die Zahlen relativieren sich: Zum einen habe es durchaus Interessenten gegeben, für die der neue Trakt aber aufgrund ihrer Vorerkrankungen oder Pflegestufe nicht infrage komme.

Konzept setzt auf Offenheit und Begegnung

So seien Offenheit und Begegnung im früheren Hotel Kernelemente. Dies wiederum sei für demenziell Erkrankte nicht nur nicht vereinbar, sondern eine Gefahr. Weiteres Kriterium: Die Zimmer sind groß, die Flure aber nicht, folglich ist der Einsatz von Aufstehhilfen und Co. problematisch.

Wer bleiben will, kann bleiben

„Ganz klar die Fitteren“, umschreibt Pirner folglich die Zielgruppe derer, die nun nach und nach die 25 zusätzlichen Betten belegen sollen. Davon zeugen auch die zahlreichen und großzügigen Aufenthaltsräume, die einladen. Was beileibe nicht heiße, dass jemand, der künftig „über die Straße“ wohne, zurückwechseln müsse, wenn er schwer(st) pflegebedürftig würde.

Langsamer Personalaufbau

Weiterer begrenzender Faktor ist das Personal, wenngleich sich das Pflegestift – auch bezüglich der Expansion – auf bestem Wege wähnt. Am 22. fängt die erste „Neue“ an, weitere Pflegekräfte folgen am 1. Mai und 1. Juni. Dies ermögliche nach entsprechender Einarbeitungsphase eine baldige Neubelegung von rund zehn Personen, bis zum Jahresende soll(t)en die Betten dann komplett belegt sein. Und zwar – wie bisher auch – nicht „auf Biegen und Brechen“, nicht mit ausschließlichem Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Anfragen gäbe es aus ganz Deutschland nahezu täglich. „Es muss immer für alle passen.“

Wohl der Mitarbeiter im Blick

Das gilt auch für die Mitarbeiter, deren Wohl dem Arbeitgeber ein Anliegen ist. „Unzufriedenheit breitet sich sich aus und sorgt für schlechte Stimmung“, weiß der gelernte Altenpfleger. Ziel daher: Diese gar nicht erst aufkommen lassen. Auch der diakonische Gedanke, er steht nicht nur über dem Handeln, er wird gelebt und vom Team getragen.

Lesen Sie hier: Bunt ist Trumpf im Kupferdachl

Pirner verdeutlicht, dass es nicht nur Pflegekräfte brauche, sondern auch Reinigungs-, Hauswirtschafts- und Betreuungskräfte, die alle Tag für Tag Großes leisten würden. Beste aktuelle Bestätigungen: Einige der Bewohner hätten „ihrem“ Umzug erst nach der Zusicherung, dass die „Gesichter die gleichen bleiben“ , endgültig zugestimmt. Genau diese Bindungen sind es, die für die Pirners ein großes Stück Qualität ausmachen. Beispiel zwei: Drei Pflegekräfte, die sich vor einiger Zeit anderweitig orientiert hätten, würden zurückkehren.

Neue Perspektiven auch fürs Personal

Das Mehr an Betten macht das Pflegestift auch als Arbeitgeber attraktiver, sind die Chefs überzeugt. Ab sofort würden Hilfskräfte im Nachtdienst benötigt (die neue Abteilung bekommt eine eigene Nachtwache), der schon immer mit Zuschlägen und guter Vereinbarkeit von Familie und beruf punkten konnte.

Leere Zimmer werden renoviert

Schon immer hat das Pflegestift Zimmer vor einer Wieder-Belegung saniert oder renoviert. Nun aber ergeben sich durch die neuen Räumlichkeiten ganz andere Möglichkeiten, etwa Böden auszutauschen oder optische Veränderungen vorzunehmen, noch dazu ohne Zeitdruck. „Noch so ein Luxus“, wie die Pirners in Richtung des diakonischen Trägers anerkennend herausstreichen.

Lesen Sie hier: Gut aufgehoben bis zuletzt

An Bewohner, Angehörige, Mitarbeitende und dem Haus Zugeneigte richten sie zudem eine andere, wichtige Botschaft. „Wir sind ein Haus“. Bedeutet: Offenheit in beide Richtungen, die gleiche Verpflegung sowie die gleichen Freizeit- und Betreuungsangebote. Und: Die gleiche herzliche Fürsorge.

Kräftig mit angepackt haben die beiden Hausmeister Klaus Zangl und Werner Pirner (rechts) sowie Verwaltungskraft Tanja Grund. Schließlich galt es, persönliche Habseligkeiten, Kleidung und Möbel, aber auch Büroausstattung zu transportieren.
Das Kronenkreuz der Diakonie hat den Schriftzug Hotel an der Hauswand abgelöst, die neue Nutzung ist von Weitem sichtbar.
Christiana Cavaletto vor ihrem neuen Zuhause. Mit vier anderen Bewohnern ist sie diese Woche „ins Hotel“ gezogen.