Regensburg: Jahn und Eisbären ausverkauft – Vorfreude groß, Polizei gewappnet

Von Philip Hell, Rainer Wendl · 12. April 2024 um 19:00

Am Sonntag kommt es zu einem Novum: Zum ersten Mal überhaupt spielen der Jahn und die Eisbären am gleichen Tag vor ausverkauftem Haus.

Im Jahnstadion werden ab 13.30 Uhr 15200 Zuschauer das bayerische Duell zwischen dem SSV und dem TSV 1860 München verfolgen, um 17 Uhr lockt das zweite Finalspiel um die Meisterschaft in der DEL 2 zwischen den Eisbären und den Kassel Huskies knapp 4800 Eishockeyfreunde in die Donau-Arena.

Das macht zusammen ziemlich exakt 20.000 Sport-Fans, die an diesem Nachmittag auf den Beinen sind. Diese besondere Konstellation elektrisiert auch die Sport-Bürgermeisterin: „Für Regensburg ist das ein Super-Sport-Sonntag, auf den wir uns echt freuen können“, sagt Astrid Freudenstein.

Sechzig? Da war doch was! Der chronische Chaos-Klub aus München gastierte zuletzt im Mai 2017 in Regensburg. Damals traf der Jahn in der Relegation zwischen Zweiter Bundesliga und Dritter Liga auf die Löwen, deren Anhänger mit einer Pyro-Aktion für eine Spielunterbrechung sorgten. Auch diesmal dürfte die Partie nicht nur aus sportlichen Gründen brisant sein.

Die Behörden sehen in der Begegnung ein Hochrisikospiel, wie Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd, auf Anfrage bestätigt. „In der Regel werden bei einem Hochrisikospiel mehr Kräfte eingesetzt“, sagt er. Das dürfte sich auch in der Stadt bemerkbar machen. „Die Polizei hat bei Fußballspielen regelmäßig neben dem Stadionumfeld auch die Reisewege sowie den Bereich der Innenstadt im Auge und setzt dort bedarfsgemäß Einsatzkräfte ein.“

Die Polizei rechnet Reitmeier zufolge mit rund 4000Löwen, die nach Regensburg reisen. Der Jahn geht indes nur von rund 1800 Fans aus München aus, wie Pressesprecher Johannes Liedl mitteilt.

Mehr Sicherheitspersonal als üblich

Die Einstufung als Heimspiel mit hohem Risiko bringe eine noch engere Abstimmung aller an der Spieltagsorganisation involvierter Parteien mit sich, so Liedl weiter. Auch der Austausch mit dem Gastverein gestalte sich intensiver als bei Heimspielen mit einer geringeren Anzahl an Gästefans.

Die Zahl der eingesetzten Ordner bemesse sich an der erwarteten Zuschauerzahl und an der Risikoeinstufung, teilt Liedl mit. Heißt: Am Sonntag wird mehr Sicherheitspersonal als üblich im Jahnstadion sein. Für die Münchner Fans gelten Liedl zufolge dieselben Regeln wie für andere Anhänger. „Je nach Anreisesituation werden nach dem Spiel Shuttle-Busse vom Gästeparkplatz zum Bahnhof bereitstehen.“

Fans mit mehreren Herzen

Es gibt aber auch Löwen-Freunde mit kurzer Anreise, denn der Deutsche Meister von 1966 hat zwei Fanclubs in Regensburg. „Ich gehe seit 50 Jahren zum Jahn, bin aber zugleich seit 45 Jahren ein Sechzger. Das war damals halt so üblich, dass man sich zusätzlich zum meistens niedriger spielenden Jahn noch einen Bundesliga-Klub ausgesucht hat“, sagt ein Mitglied vom Löwen-Fanclub Ratisbona.

Seinen Namen will der altgediente Schlachtenbummler lieber nicht in der Zeitung lesen, denn er weiß: Die heute tonangebende Fan-Generation (Motto: „Alles für Stadt und Verein“) hat für derartige Kompromisse keinen Sinn, weder in Regensburg noch in München. Vom Stadion-Besuch hält ihn das freilich nicht ab. „Ich habe ja eine Dauerkarte für den Jahn.“ Die wird er auch am Sonntag nutzen, mit zwei Herzen in der Brust.

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Animositäten bestehen bisweilen sogar zwischen Anhängern des Jahn und der Eisbären. Die Fundamentalisten in beiden Lagern strafen den jeweils anderen Verein mit Nichtachtung und gönnen ihm nicht das Schwarze unter den Fingernägeln – nicht zuletzt deshalb, weil die Sport-Unternehmen wirtschaftliche Konkurrenten sind und im selben Teich möglicher Sponsoren fischen.

Viel größer ist jedoch die Schnittmenge, also die Zahl der Regensburger Sportinteressierten, die regelmäßig ins Jahnstadion und in die Donau-Arena pilgern. Johannes Schmucker gehört zu ihnen. „Ich gehe gern zum Jahn und zum EVR, das ist doch klar“, sagt der Architekt und Café-Betreiber mit 40-jähriger Doppel-Fan-Erfahrung, der die aktuelle Phase mit Aufstiegschance für den SSV und möglichen Meister-Ehren für die Eisbären besonders genießt: „Ich finde es cool, dass derzeit beide einen Lauf haben.“

Probleme beim Ticket-Kauf im Netz

Der Nachteil daran: Die Tickets werden rar. Beim Jahn stört dies Schmucker dank Dauerkarte nicht, in der Donau-Arena aber gibt es am Sonntag keinen Platz für ihn. „Ich bin beim Online-Kartenkauf immer wieder rausgeflogen. Jetzt muss ich mir das Spiel halt im Fernsehen anschauen.“

Solche Probleme hat Astrid Freudenstein nicht. Für die Sport-Bürgermeisterin sind die ausverkauften Spiele quasi dienstliche Termine, die sie beide wahrnehmen wird. Neben Vorfreude strahlt sie dabei auch Optimismus aus: „Ich setze auf zwei Heimsiege. Der Jahn hat einen Lauf und wird gegen die Löwen drei Punkte holen, ich tippe auf ein 2:0. Die Eisbären haben gegen Kassel eine Mammutaufgabe vor sich. Aber mit Teamgeist und der grandiosen Unterstützung der Fans ist ein Sieg drin – 4:3.“

Bürgermeisterin rät zum Rad

Wer wie die Bürgermeisterin beide Spiele besucht, hat zwischen dem Abpfiff im Jahnstadion und dem Eröffnungsbully in der Donau-Arena ein Zeitfenster von 90 Minuten. Mit dem Auto könnte dies inklusive Stau und Parkplatzsuche knapp werden. „Zeitlich ist das eng“, meint auch Freudenstein und hat daher einen sportlichen Rat parat: „Ich fahre mit dem E-Bike, das dauert vom Jahnstadion zur Donau-Arena keine 15 Minuten. Das Wetter soll ja sehr angenehm sein am Sonntag. Wer fit ist, kann den Weg in knapp einer Stunde auch zu Fuß schaffen.“

Auch der Bus ist eine Option. Die zwischen Fußballstadion und Eishalle bestehende Direktverbindung mit der Linie 5 verkehrt sonntags zwar nicht, doch es gibt Sonderbusse vom Jahnstadion und zur Donau-Arena. Umstieg wäre am Hauptbahnhof. Hier könnten daher für einen kurzen Zeitraum Fußball- und Eishockey-Fans aus Regensburg, München und Kassel aufeinandertreffen. Die für die Sicherheit am Bahnhof zuständige Bundespolizei ist mit „verstärkten Kräften“ präsent, wie Sprecherin Sylvia Hieninger mitteilt.

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