Mehr Unfälle, aber weniger Tote im Bereich Furth im Wald – Polizei sagt Rasern den Kampf an

Im Vergleich zu 2022 ist es im vergangenen Jahr wieder häufiger zu Unfällen gekommen. Josef Weindl, kommissarischer Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald (PI) und sein Team wissen, woran das liegt.
Bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik verrät Weindl auch, worauf in Zukunft schwerpunktmäßig ein Auge geworfen wird. Man hört es immer wieder, auch nach Beendigung der Corona-Zeit sind noch deren Auswirkungen zu spüren.
Der Gurt rettet Leben
Trotzdem ist es verwunderlich, dass die Virusinfektion zumindest indirekt am Anstieg der Verkehrsunfälle von 459 im Jahr 2022 auf 558 im vergangenen Jahr schuld sein soll.
„Nach der Pandemie sind die Menschen wieder aktiver geworden, mehr unterwegs gewesen“, sagt Weindl. Bei jungen Erwachsenen bis 24 Jahre (verursachte Unfälle 31, 2022 waren es 23) und Senioren (33, 27) könnte hinzukommen, dass die Unsicherheit nach einer längeren Pause größer ist. Einen Beleg für die Aussage sieht stellvertretender Dienststellenleiter Michael Mühlbauer mit Blick auf die Mehrjahresstatistik: Vor Corona hat es im Jahr 2019 insgesamt 578 Mal gekracht. Dann gingen die Zahlen nach unten und mit 558 Fällen befindet man sich jetzt wieder auf dem Niveau von 2019. Erfreulich für Weindl: Die Zahl der Schwerverletzten ging von 32 auf 18 zurück und nicht mehr drei, sondern nur noch einer starb bei einem Verkehrsunfall. Am 12. August kollidierte gegen 22 Uhr auf der Bundesstraße 20 auf Höhe Arnschwang ein deutscher Pkw-Fahrer mit einem Kleintransporter. „Wer auf die falsche Fahrbahnseite gekommen ist, wird derzeit noch von einem Gutachter geklärt, so Weindl. Der nicht angeschnallte rumänische Beifahrer verstarb noch an der Unfallstelle. „In diesem Zusammenhang appelliere ich an alle, einen Gurt anzulegen. Auch der rumänische Staatsbürger könnte noch leben.“ Einsame Spitze im Ranking der häufigsten Unfallursachen: Ungenügender Sicherheitsabstand (126). Es folgen: Fehler beim Abbiegen und Wenden (97), Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebotes (37) sowie Nichtbeachten der Vorfahrt (35).
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Überhaupt keinen Spaß versteht man seitens der Polizei, wenn der Gurt vorsätzlich nicht angelegt ist. Manche Zeitgenossen stecken einfach eine Ersatz-Schnalle in den Verschluss, damit der Alarmton im Wagen ausgeht oder rasten den Gurt zwar ein, setzen sich aber dann darauf. „In solchen Fällen verdoppeln wir das Ordnungsgeld von 30 auf 60 Euro“, so Weindl.
Von 54 auf 88 Fälle gestiegen ist die Anzahl der Verkehrsunfallfluchten. „Das sind 16 Prozent mehr, dafür stieg die Aufklärungsquote um 42 Prozent von 19 auf 37.“ Seitens der Polizei ist man in diesem Bereich auf Hinweise von Zeugen angewiesen. „Das klappt in Furth im Wald ganz gut, was uns auch zeigt, dass die Bevölkerung Vertrauen in die Polizei hat.“
Zehn Unfälle (2022: acht) unter Alkoholeinfluss wurden 2023 registriert. In beiden Jahren wurden sieben Menschen verletzt und jeweils einer starb. Lediglich ein Unfall unter Drogeneinfluss (zwei) wurde registriert. 2023 wurden präventiv zwei Drogenfahrten (null) verhütet, 66 (100) Mal blieben die Kontrollierten unter dem strafbewehrten Wert, 65 (100) Mal kam es zu Verkehrsordnungswidrigkeiten (VOWI). Was mit der Cannabis-Legalisierung auf die Ermittlungsbehörden zukommt, ist für Weindl und seine Kollegen noch nicht abzusehen. „Die Kontrolle gestaltet sich schwieriger als beim Alkohol, den man riechen kann“, so Weindl. Wie die Grenzwerte sein werden und die Kontrollen letztlich ablaufen, kann noch nicht abgeschätzt werden. Die Zahlen beim Alkohol: Verhütete Trunkenheitsfahrten sechs (15), folgenlose Alkoholfahrten, die unter der Promillegrenze geblieben sind 45 (56), VOWI 28 (34)sowie Vergehen 19 (24). Die Zahl der Straftaten im Straßenverkehr stieg von 122 auf 150. Dazu gehören Nötigung, Beleidigung, Bedrohung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Körperverletzung.
Weindls Fazit: „Der Rückgang der Trunkenheits- und Drogenfahrten zeigt die Wirksamkeit der starken Kontrolltätigkeiten. Da wollen wir dranbleiben.“ Den Kampf angesagt hat die Further Polizei auch Rasern. 276 extreme Fälle, die Anzeigen nach sich ziehen, hat das Handmessgerät registriert. Weitere Zielgruppe sind Fahrzeugführer, die während der Fahrt Nachrichten am Handy schreiben. 50 Verstöße wurden 2023 festgestellt. „Innerhalb einer Sekunde Unaufmerksamkeit legt ein Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern 15 Meter zurück“, so Mühlbauer.
Bei 100 Stundenkilometern auf der Landstraße sind es dementsprechend 30 Meter. Weindl erinnert sich an einen Fall in seiner Bad Kötztinger Zeit, in der jemand eine Nachricht ins Handy tippte und beim darauffolgenden Unfall verstarb. „Eine Sekunde online, für immer offline, ich kann das nicht verstehen.“
Situation in Furth entspannt
Holger Bäumler, Mitarbeiter Verkehr in der Drachenstichstadt„ ist mit der Gesamtsituation auch in Zeiten vieler Baustellen zufrieden. „Die Beschilderung ist nicht immer ideal aber es wird, so gut es geht, abgesichert.“ Bisher habe es keine größeren Beschwerden gegeben.
Verkehrslage 2023
Die Polizeistatistik für Furth im Wald: Unfälle gesamt: 558 (2022: 459), davon mit Personenschaden 75 (69). Getötete Personen: eine (drei), leicht verletzte Personen 84 (69), schwer verletzt wurden 18 (32). Schwerwiegende Unfälle mit Sachschaden: 82 (130). Sachschaden insgesamt in tausend Euro: 1285 (941). Kleinunfälle 353 (308). Wildunfälle, die laut Weindl in ländlichen Regionen kaum zu verhindern sind: 164 (162). In der Statistik ist auch ein Schulwegunfall enthalten.