Folgen des Klimawandels abmildern: Wie bei Roding der Wald der Zukunft entsteht

Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher – auch bei den Wäldern in Bayern, die in ihrer bisherigen Baumarten-Zusammensetzung oft den höheren Temperaturen, der häufiger werdenden Trockenheit und den Schädlingen, die früher sowie öfter unterwegs sind, nicht standhalten können. Der Forstbetrieb Roding bemüht sich deshalb, den „Klimawald der Zukunft“ zu schaffen.
Durch unterschiedliche, auch bisher wenig genutzte Baumarten sollen bei den Wäldern die Voraussetzungen geschaffen werden, um den Herausforderungen durch das Klima trotzen zu können, erläutern Forstbetriebsleiter Dominik Schwarz und Reinhold Schlögl, erfahrener Leiter des Forstreviers Zell.
Derzeit laufen die Frühjahrespflanzungen im Forstbetrieb Roding der Bayerischen Staatsforsten auf Hochtouren. Die nasse Witterung der vergangenen Wochen und die somit feuchten Böden seien dafür die idealen Voraussetzungen, weiß Schwarz.
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Die Wahl der Baumarten und ihre Mischung seien entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Waldes. Gemäß dem „Vier-Baum-Konzept“ der Bayerischen Staatsforsten werden deshalb nach Möglichkeit in jedem Baumbestand mindestens vier Baumarten künftig vielfältige, gemischte und gestufte Wälder bilden, die weniger empfindlich gegen die Auswirkungen des Klimawandels sind als etwa Reinbestände, wie sie momentan noch oft bestehen.
Heimische Baumarten wie Buche, Eiche oder Tanne sowie bereits etablierte „Gastarten“ wie Douglasie oder Roteiche machen den Löwenanteil unter den Neupflanzungen aus, erläutern Schwarz und Schlögl. Wo es vom Standort her passt, werden diese mit heimischen und bisher selteneren Baumarten wie Elsbeere, Edelkastanie, Spitzahorn oder Vogelkirsche ergänzt.
Die Zeit drängt
„Inklusive aller Besonderheiten stehen uns ins Bayern rund 40 verschiedene Baumarten zur Verfügung, die nicht nur dem Klimawandel standhalten sollen, sondern auch eine Vielfalt an Lebensräumen bilden“, so der Forstbetriebs-Leiter. Allein auf eine einzelne Baumart zu setzen, sei angesichts der Veränderungen des Klimas zu gefährlich.
Dass die Zeit dränge und der Klimawandel immer schneller vonstattengehe, zeigten neueste Daten. So war nach den Angaben des Deutschen Wetterdienstes das Jahr 2023 rund 2,8 Grad wärmer als im Referenzzeitraum von 1961 bis 1990 und somit das wärmste Jahr in Bayern seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen. Daher herrsche auch Zeitdruck, den „Klimawald von morgen“ heranzuziehen. „Es dauert natürlich seine Zeit, bis die Bäume wachsen, aber wir tun, was wir können“, antwortet Schwarz auf die Frage, ob die Geschwindigkeit reicht, um den Klimawandel auszubremsen. Auf Mischwald zu setzen, sei auch kein neuer Gedanke, „aber durch das Klima wird es nun immer dringender.“
Durch die Wandlung des Klimas gäbe es einige unberechenbare Aspekte. Neben Hitze- und Trockenperioden könnten auch Schädlinge wie der Borkenkäfer große Auswirkungen haben. „Je früher es warm ist, desto früher fliegt der Käfer“, erläutert Schwarz. Deshalb gelte es im Moment auch, das Schneebruch-Holz so schnell es geht aus den Wäldern zu befördern.
„Die Mischung ist entscheidend. Wenn in unseren Beständen eine Baumart ausfällt, übernehmen die anderen“, sagt Schlögl und zeigt auf eine frisch gepflanzte Winterlinde. Sie soll im Rodinger Forst auf einer trockenheitsgeschädigten Käferfläche künftig in Mischung mit Eichen gedeihen und den künftigen Wald stabilisieren.
„Alleine im Forstbetrieb Roding pflanzen wir heuer auf einer Fläche von fast 50 Fußballplätzen junge Bäume, mehr als die doppelte Fläche kommt durch Naturverjüngung hinzu“, erklärt Schwarz. Der Forstbetrieb Roding verantwortet insgesamt mehr als 20000 Hektar Staatswald, die Pflanzung sei daher jedes Jahr eine Mammutaufgabe. In einem engen Zeitraum im Frühjahr und Herbst müssen die Forstwirte über 100000 Bäume setzen. Damit die Pflanzen gut anwachsen, haben die Förster einen Wunsch, den sonst kaum einer hat: Ein feuchtes und kühles Frühjahr sowie auch im Sommer immer wieder ein paar Niederschläge.
Welche Baumarten in welchem Waldgebiet gepflanzt werden, sei stark vom Standort, den Lichtverhältnissen und den vorhandenen Bäumen abhängig, erläutert Schlögl. Ziel der Bayerischen Staatsforsten sei jedoch, auch seltenere heimische Laubbaumarten wie Elsbeere, Flatterulme und Spitzahorn einzubringen.
Große Rolle für Tanne
In Roding nehme aufgrund des größeren Anteils an sandigem und grundwasserbeeinflussten Böden die Tanne eine große Rolle für die Zukunft ein. „Mit ihrer Pfahlwurzel ist sie als Nadelbaumart der Fichte im Klimawandel überlegen. Sie ist nicht nur stabiler bei Stürmen, sondern kann auch Wasservorräte in größeren Tiefen erreichen“, weiß Schlögl.

