Dominik Schwarz ist der neue Herr über 20.000 Hektar Wald

Von Oliver Hausladen · 15. März 2023 um 11:00

Rund 21.000 Hektar groß (davon rund 20.000 Hektar Wald) ist das Staatswaldgebiet, das der Forstbetrieb Roding betreut. Der neue kommissarische Leiter Dominik Schwarz hat aber keine Angst, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

„Ich freue mich sehr auf die Aufgabe und wurde von den Kollegen herzlich aufgenommen“, berichtet er. Die größte Aufgabe für ihn und seine 51 Beschäftigten: Den Wald so „umzubauen“ (beziehungsweise der Natur dabei zu helfen), dass er dem Klimawandel trotzen kann.

Für Schwarz, der in Bruck aufgewachsen ist, ist Roding quasi ein „Heimspiel“, auch wenn es etwas dauern werde, bis er alle Ecken seines neuen Dienstgebietes kennengelernt hat: Zehn Forstreviere in zwei Landkreisen (Cham und Schwandorf) umfasst das Gebiet des Forstbetriebs, die Ost-West-Ausdehnung von Altenschwand bis Neukirchen b. Hl. Blut liegt bei rund 50 Kilometern, etwa 30 Kilometer sind es von Nord nach Süd von Tiefenbach bis Zell.

Gebiet ist sehr vielfältig

Das Gebiet ist sehr vielfältig, erzählt Schwarz, der den Forstbetrieb auf jeden Fall die nächsten zweieinhalb Jahre lang leiten wird, solangeRudolf Zwicknaglin die Zentrale nach Regensburg abgeordnet ist. Angefangen vom Erholungs- und Naturschutz-Hotspot „Hoher Bogen“ im Osten, über die gemischten und gestuften Bergmischwälder mit hohen Tannen- und Buchenanteilen in Waldmünchen, Treffelstein und Geigant, das Ausflugsziel Schwarzenburg bei Rötz bis hin zum „besonderen Naturschutzschmankerl“, dem Naturschutzgebiet „Wald- und Heidelandschaft östlich von Bodenwöhr und Bruck“ mit seinen Sandkiefernwäldern und Sandmagerrasen ganz im Westen, reicht das Angebot.

„Stolz sind wir auch auf unser Seeadler-Vorkommen“, berichtet Schwarz. Auch der Goldsteig-Wanderweg verläuft durch den ganzen Forstbetrieb. „Es ist für alle etwas geboten, Erholungssuchende, Naturschutzbegeisterte, Wanderer und Sportler. Und gleichzeitig wächst in diesen Wäldern der nachhaltige Rohstoff Holz nach“, so Schwarz.

Wald wird „umgebaut“

Sein oberstes Ziel sei, die Arbeit fortzuführen, die seine Vorgänger schon angefangen und vorangetrieben haben: Den Wald an die sich in hoher Geschwindigkeit ändernden Rahmenbedingungen, den mittlerweile für alle spürbaren Klimawandel, anzupassen beziehungsweise fit zu machen. Der„Waldumbau“sei eine große Aufgabe.

Vor allem Fichten- und Kiefernreinbestände bekommen Probleme, denn Fichten haben ein flaches Wurzelsystem, erläutert der Experte. Dadurch seien sie einerseits auf regelmäßige Niederschläge angewiesen, andererseits finden die Bäume bei Stürmen weniger Halt im Boden. Trocken- und Borkenkäferschäden sowie Windwurf sind die Folge.

Die Lösung sei der „Waldumbau“. Dabei werden klimaempfindliche Nadelwälder in widerstandsfähige Mischwälder umgewandelt. „Ziel sind stabile und strukturreiche Mischwälder, die zu mindestens 30 Prozent aus Laubbäumen oder Tanne, mindestens vier verschiedenen Baumarten bestehen“, erklärt Schwarz.

Dieser Umbau sei in vollem Gange: „Wir sind beim Umbau der Wälder schon gut vorangekommen, aber wir müssen weiter dranbleiben“. Es werden daher im Forstbetrieb Roding jährlich rund 30 Hektar Mischbaumarten gepflanzt oder gesät, das heißt rund 100.000 Bäume (hauptsächlich Buche, Eiche, Tanne, Edellaubholz und Douglasie). Und: Mehr als die doppelte Fläche komme jährlich zusätzlich über die Naturverjüngung hinzu.

Der Klimawandel sei das derzeit größte Problem. Derzeit gäbe es etwa 15.000 Festmeter Borkenkäferschaden im Forstbetrieb jährlich, erzählt der Leiter, bei 170.000 Festmetern Einschlag insgesamt sei das handhabbar, man müsse aber stets wachsam bleiben.

Verschiedene Stationen

Bevor Schwarz beruflich in seiner Heimatregion tätig wurde, hat er auch etwas anderes gesehen. Nach einigen Gesprächen und Ausflügen mit seinem Großonkel, der ebenfalls Förster war, entschied er sich, Forstwissenschaften in Weihenstephan zu studieren. 2014 machte er seinen Master.

Für das Referendariat ging Schwarz von 2014 bis 2016 nach Rheinland-Pfalz anschließend wechselte er dann zu den Bayerischen Staatsforsten, wo er in verschiedenen Funktionen (Mitarbeiter im Leitungsdienst im Forstbetrieb Heigenbrücken, stellvertretender Leiter im Forstbetrieb Bodenmais, Sacharbeiter für Waldbau sowie Vorstandsbüro in der Zentrale) tätig war, bevor er seit 20. Februar kommissarischer Forstbetriebsleiter in Roding ist.

Dort sei er von den „netten und engagierten Kolleginnen und Kollegen“ sehr gut aufgenommen worden: „Man merkt, dass alle, von den Forstwirten und Forstwirtschaftsmeistern über Förster sowie den Kollegen im Büro für ihren Beruf brennen und für den Wald und seinen Erhalt alles geben.“

Insgesamt hat derForstbetrieb Rodingderzeit 51 Beschäftigte (26 Forstwirte, vier Forstwirtschaftsmeister, elf Försterinnen und Förster, zehn Beschäftigte im Büro). Dazu kommen regelmäßig Forstanwärter sowie Referendare zur Ausbildung.

Persönliches

Heimat:Dominik Schwarz ist 35 Jahre alt und ist in Bruck in der Oberpfalz aufgewachsen. Roding ist für ihn daher quasi ein „Heimspiel“.

Familie:Schwarz ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder.

Hobbys:In seiner Freizeit ist der neue Rodinger Forstbetriebsleiter unter anderem in der Hundeausbildung tätig. Er geht mit seinen beiden Hunden auch regelmäßig auf die Jagd.