Nachverdichtung in Regensburg-Königswiesen: Neue Wohnungen, noch mehr Parkplätze

Die Regensburger Stadtpolitik wünscht sich, dass Wohnungen auf Parkplätzen entstehen. Zwei Projekte dieser Art in Königswiesen ziehen sich aber hin.
Wer in der Klenzestraße in Königswiesen unterwegs ist, könnte meinen, an Stellplätzen mangelt es hier nicht. An der Straße, vor und zwischen den Häusern, überall tun sich große Lücken auf. Auf einem Parkplatz zwischen Reihenhäusern und bis zu zehnstöckigen Mehrfamilienhäusern will ein Investor seit Jahren Wohnungen bauen. Dass sich das Projekt so lange hinzieht, liegt unter anderem an einem Stellplatz-Problem.
Einstimmig hat der Planungsausschuss des Stadtrats am Dienstag die Auslegung eines Bebauungsplans für das 3160 Quadratmeter große Areal zwischen Klenzestraße und Königswiesenweg beschlossen. Investoren, die Parkplätze überbauen, sind der Stadtpolitik willkommen, weil so keine Freifläche verloren geht. Dennoch dauerte es knapp acht Jahre, bis der Bebauungsplan-Entwurf zum zweiten Mal in den Ausschuss kam.
Baubeginn 2025 in der Klenzestraße?
Projektentwickler Jürgen Geisler sagt dazu: „Es ist unbefriedigend, aber vor dem Hintergrund, was in den vergangenen Jahren auf dem Immobilienmarkt und mit Corona passiert ist, nachvollziehbar.“ Inzwischen habe sich die Lage bei den Baupreisen aber entspannt und er hoffe auf baldiges Baurecht. „Es ist die Idee, dass nächstes Jahr gebaut wird.“ Geisler und ein Geschäftspartner planen im Moment mit „unter 50 Wohnungen“, außerdem mit 156 Stellplätzen, davon 126 unterirdisch. Seine Absicht sei es, „etwas größere Wohnungen zu schaffen“, etwa mit zwei oder drei Zimmern. Eigentlich würde er gern mehr Wohnungen bauen und weniger Parkplätze, das aber sei nicht möglich.
Zum einen stehe dem die Bayerische Bauordnung mit ihren Anforderungen an die Stellplatzzahl entgegen. Zum anderen gehören zum Grundstück dem Grundbuch zufolge auch „dinglich gesicherte Parkplätze“ von Bestandsbauten im Umfeld. Geisler muss auch diese nachweisen.
Laut Stadtsprecherin Katrin Holzgartner führte diese Besonderheit zu „planerischen und rechtlichen Herausforderungen“. Auch hätten „Umplanungen“ vorgenommen werden müssen. Der Planungsausschuss beschloss 2016 weniger Baumasse und den Erhalt eines Grünstreifens.Trotzdem wandten sich Nachbarn gegen das Projekt, wie die Eingaben bei der frühzeitigen Beteiligung zeigen. So schrieben Bewohner eines benachbarten Reihenhauses der Beschlussvorlage für die Stadträte zufolge, sie würden sich durch die „massive Bebauung eingemauert und erdrückt“ fühlen. „Zusätzlich zur Schattenproblematik geht der Villencharakter dieses Stadtgebietes verloren, denn die für das Wohlbefinden nötigen und notwendigen Reize würde durch die neue höhere Bebauung zerstört“, heißt es weiter. Zwei weitere Nachbarn befürchten ebenfalls eine schlechtere Wohnsituation.
Der Planungsausschuss allerdings findet, dass sich das Grundstück für eine solche Bebauung gut eignet. Grünen-Fraktionschefin Maria Simon lobte die „sinnvolle Nachverdichtung“, SPD-Stadtrat Klaus Rappert nannte die überarbeitete Planung „recht hübsch“.
57 neue Bäume
Aktuell sind zwei drei- und fünfstöckige Baukörper geplant. Dazu wollen die Projektentwickler 57 zusätzliche Bäume pflanzen, die Hälfte davon auf dem Grundstück. Geförderte Wohnungen müssen sie wegen der geringen Größe des Projekts nicht schaffen, sie prüfen aber Geisler zufolge gerade, ob es machbar ist.
Wann das zweite Nachverdichtungsprojekt in Königswiesen realisiert werden kann, ist derzeit nicht absehbar. Die Genossenschaft Werkvolk will in ihrer Anlage in der Friedrich-Ebert-Straße auf der heutigen Fläche eines Garagenhauses circa 50 Wohnungen auf sechs bis sieben Stockwerken bauen, der Planungsausschuss stimmte dem bereits 2021 zu. Jetzt sagt Stadtsprecherin Holzgartner: „Das Vorhaben bedarf aktuell weiterer Abstimmungen.“
Nachverdichtung
Definition: Um Nachverdichtung handelt es sich der Stadt zufolge, wenn in Baulücken oder auf bereits versiegelten, erschlossenen Flächen der Wohnraumknappheit entgegengewirkt werde. Dadurch würden begrenzte Flächenressourcen effizienter genutzt, die soziale Durchmischung gefördert und die Mieten stabil gehalten.
Wohnbauoffensive: Die Wohnbauoffensive bündelt alle Maßnahmen zur Schaffung vorwiegend kostengünstigen Wohnraums. Sie trage maßgeblich zur schnelleren Kommunikation zwischen städtischen Fachämtern und Vorhabenträgern bei, teilt die Stadt mit. Wie zügig es zu Baurecht komme, hänge aber vom Einzelfall ab.
