Regensburger „Landfahrerplatz“ in Irlmauth ist aufgelöst

Von Juliana Ried · 10. April 2024 um 17:00

Das Gelände in Irlmauth war für Durchreisende gedacht, hatte aber Dauernutzer – und die hinterließen viel Müll. Jetzt hat die Stadt den „Landfahrerplatz“ fast geräumt.

Ein einzelner Wohnwagen steht noch auf dem Platz in Irlmauth, den die Stadt bis vor kurzem „Landfahrerplatz“ nannte. Die auf einem laminierten Zettel genannte Räumungsfrist ist vorbei, der Müll weggefahren: Die Stadt hat den Platz, der offiziell für „Durchreisende“ gedacht war, aber Dauer-Bewohner hatte, aufgelöst.

Kein Strom und fließendes Wasser

Strom, fließend Wasser oder Müllcontainer gab es hier nicht, und das hatte Folgen: Bürger und Gewerbetreibende ringsum beschwerten sich über Müllberge, Fäkalien und Ratten, bei der örtlichen CSU-Stadträtin Bernadette Dechant und bei der Stadt direkt. Ende 2023 hatte sich deswegen der Irler Landwirt Gerhard Froschhammer an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) gewandt, mit der dringenden Bitte, das Problem zu lösen. Der Platz sei ein „Schandfleck für die ganze Region“ und eine „Zumutung, für die Menschen, die dort leben müssen“, hatte Froschhammer im Januar gesagt. Jetzt erzählt er, die in der Arbeitsgemeinschaft Irl engagierten Bürger seien „sehr zufrieden“.

Denn die Stadt entschied sich dafür, den Platz aufzugeben. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra begründet das damit, dass er „entgegen des Zweckes“ dauerhaft als Wohnort genutzt worden sei. Zudem hätten die Nutzer ihn nicht sauber gehalten. „Die entsprechenden Folgeerscheinungen, wie zum Beispiel Müll und Ungeziefer, verfestigten sich.“ Reinigung und Kontrollen hätten für die Stadt Mehrkosten und -arbeit bedeutet, dabei müsse sie so einen Platz gar nicht anbieten.

Sozialdienst bot Bewohnern des Platzes Beratung an

Vor der Räumung Ende März seien circa acht Wohnwagen, zwei bis drei Autos und Transporter dort gestanden. Rund zehn bis 15 Menschen hätten sich dort im Durchschnitt aufgehalten: überwiegend Menschen aus dem osteuropäischen Raum, die sich aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel zum Betteln oder zum Arbeiten, in Regensburg aufgehalten hätten. Zwischenzeitlich hatten die Grünen im Sozialausschuss des Stadtrats nachgehakt, inwiefern sich die Stadt um die Bewohner des Platzes kümmere, damals aber erfahren, das Sozialamt sei nicht zuständig. Stadträtin Theresa Eberlein sagt, ihr sei jedoch zugesichert worden, dass das Sozialamt den Menschen Unterstützung anbiete.

Jetzt teilt die Stadt mit, zum Großteil entziehe es sich ihrer Kenntnis, wohin die Menschen gegangen seien. Die Beratung des Sozialdiensts hätten „nicht viele“ angenommen, sagt Sprecherin von Roenne-Styra. Die Nutzer eines Wohnwagens hätten inzwischen ein Mietverhältnis und die Stadt helfe ihnen, „Fuß zu fassen“.

Der letzte Nutzer des Platzes, der sich am Fenster seines Wohnwagens als 59-jähriger Regensburger vorstellt, bestätigt, die Stadt habe ihm Hilfe angeboten. Er wolle aber in seinem Wagen bleiben, so lange die Stadt das dulde. „Alles, was ich habe, ist hier drin.“ Er beziehe Bürgergeld und finde keine Wohnung, wolle aber nicht in die Obdachlosenunterkunft.