Nach „fetten Jahren“ bei Pfleiderer: Mitarbeiter wollen ihren „gerechten Anteil vom Kuchen“

Mehr Gehalt, mehr Ausbildungsvergütung, Inflationsausgleich: Wenn am Donnerstag die dritte Runde in den Haustarifverhandlungen des Neumarkter Holzverarbeiters Pfleiderer startet, liegen alle Zahlen auf dem Tisch. Noch liegen sie weit auseinander.
Daher machten am Dienstagnachmittag die Mitarbeiter ihrem Ärger über das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite Luft. Es grenze an Schizophrenie.
Auch Thomas Bachhofer wird am Donnerstag als Mitglied der Verhandlungskommission wieder mit am Tisch sitzen. Auf dem Podium vor dem Werk in der Dreichlinger Straße kritisierte er, dass die Geschäftsleitung in den ersten Verhandlungsrunden immer wieder von einer strukturellen Krise der Branche gesprochen habe.
„Pfleiderer hat fette Jahre hinter sich – und die Mitarbeiter hatten davon nichts.“ Thomas Bachhofer, Mitglied der Verhandlungskommission
Jetzt, wo die Bauwirtschaft am Boden sei, wo weniger Möbel oder Küchen gebraucht würden, gebe es kein zusätzliches Geld zu verteilen, soll die Arbeitgeberseite erklärt haben. Das nehme Bachhofer ihr aber nicht ab, wie er der streikenden Belegschaft zurief: „Pfleiderer hat fette Jahre hinter sich – und die Mitarbeiter hatten davon nichts.“ Jetzt werde es Zeit, dass die Mitarbeiter ihren gerechten Anteil vom Kuchen abbekämen.
Angebot „unzureichend“
Die Gewerkschaft IG Metall fordert 9,9 Prozent mehr Geld, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung für Azubis sowie eine soziale Komponente, zum Beispiel in Form einer Inflationsausgleichsprämie. Für Mitarbeiter von Pfleiderer gilt seit einigen Jahren kein Flächentarifvertrag mehr. Das Unternehmen ist aus der Tarifbindung ausgestiegen, weshalb alle zwei Jahre mit der Belegschaft ein eigener Haustarifvertrag ausgehandelt werden muss.
Um gegenüber anderen Beschäftigten in der Branche nicht weiter zurückzufallen, die den Angaben von Bachhofer zufolge mehr verdienen als die Mitarbeiter von Pfleiderer, sei daher die Forderung der Gewerkschaft nur gerecht.
„Alle heulen‘s rum, weil‘s keine Fachkräfte mehr bekommen.“ Christian Vossenkaul, Fachsekretär der IG Metall
Bachhofer räumte ein, dass die Verhandlungen stets in einer sachlichen Atmosphäre stattfänden – was gut sei. Man müsse sich schließlich danach wieder in die Augen schauen können. Dennoch sei das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite bisher völlig unzureichend.
Zwar habe Pfleiderer bei den Ausbildungsvergütungen bereits Entgegenkommen signalisiert. Jedoch liegt das Unternehmen bisher deutlich unter den Gehaltsforderungen der Belegschaft: eine Entgeltsteigerung von drei Prozent ab April 2024 und weitere zwei Prozent ab April 2025 bei einer Laufzeit bis Ende März 2026.
Zum Warnstreik vom Dienstag gab es aus dem Management von Pfleiderer keine Stellungnahme. Wie ein Unternehmenssprecher im Vorfeld des Streiks auf Anfrage erklärte, befände man sich mitten in den Verhandlungen. Und die wolle man nicht öffentlich führen, sondern am Verhandlungstisch.
„Grenzt an Schizophrenie“
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Franz Regnath erklärte, die Geschäftsleitung habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Alles werde teurer. Und eine Gehaltserhöhung wäre ein echtes Zeichen der Wertschätzung für die Belegschaft, „die immer dann Einsatz zeigt, wenn es zählt“, sagte er. Irgendwann reiche ein Schulterklopfen eben nicht mehr, irgendwann müsse sich Wertschätzung auch in besserer Bezahlung niederschlagen.
Christian Vossenkaul, Fachsekretär der IG Metall in Regensburg und selbst Neumarkter, warf der Arbeitgeberseite ein Verhalten vor, das gar an Schizophrenie grenze. „Alle heulen‘s rum, weil‘s keine Fachkräfte mehr bekommen“, erklärte er einerseits. Andererseits seien Arbeitgeber aber auch nicht bereit, höhere Löhne zu zahlen, um gute Leute ins Unternehmen zu bringen, sagte Vossenkaul und rief die Belegschaft dazu auf, nicht zurückzuweichen.


