Alles auf Anfang mit dem Kaufhof-Deal: Behält Regensburg zwei große Warenhäuser?

Ein Altbekannter der Warenhauskette möchte erneut Eigentümer von Kaufhof werden: HBC aus Kanada übernimmt die insolvente Warenhauskette, berichteten am Dienstag übereinstimmend die Medien. In der Domstadt stellt man sich aber erneut die bange Frage: Bleiben zwei Häuser in Regensburg erhalten?
Eine gute Nachricht für Kaufhof – für die Mitarbeiter der Filiale am Neupfarrplatz aber eher eine mit schalem Beigeschmack. Gestern wurde bekannt, dass ein alter Bekannter der Warenhaus-Mitarbeiter übernehmen soll: Richard Baker ist Mehrheitsaktionär des kanadischen Handelsriesen Hudson’s Bay Company (HBC). Baker und die HBC haben eine Geschichte mit Kaufhof: Bis zum Verkauf an den inzwischen insolventen österreichischen Unternehmer René Benko 2019 betrieb HBC die Warenhaus-Kette. Jetzt soll das Unternehmen die 92 Warenhäuser aus der Insolvenz heraus übernehmen.
„Auch wir haben bis jetzt nur über Medienberichte erfahren, dass die Übernahme von Galeria Karstadt Kaufhof an ein Bieterpaar gehen wird, das schon in der Vergangenheit mit der Warenhauskette zu tun hatte“, sagte Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Auch sie hat erfahren, dass der Kaufvertrag schon unterzeichnet werden soll. „Ein gewichtiger Grund war wohl, dass der Bieter gut 70 der 92 Filialen übernehmen will“, so die SPD-Politikerin. „Wir hoffen inständig, dass beide Warenhäuser in Regensburg bestehenbleiben können. Nun müssen wir aber erst einmal abwarten und sehen, wie der neue Eigentümer die Warenhauskette aufstellen und weiterentwickeln will.“
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Denn nicht nur Maltz-Schwarzfischer hat noch im Kopf, was erst vor einem Jahr los war in der Stadt, als die Filiale am Neupfarrplatz zu schließen drohte. Noch unter Benko-Führung reduzierte die Kette ihre Filialen von damals über 120 auf heute 92. Ursprünglich stand das markante, bis 1973 erbaute Warenhaus auf der Streichliste. Erst nach Protesten aus der Belegschaft und Intervention aus der Politik setzte Benko – angeblich persönlich – das Kaufhaus im Herzen der Regensburger Altstadt wieder auf die Liste der Filialen, die blieben.
Große Belastung
„Hätte mir vor zwei Wochen jemand gesagt, dass Richard Baker wieder einsteigen will, ich hätte es nicht geglaubt“, sagt Hans-Jürgen Burkert, Betriebsratschef im Haus am Neupfarrplatz.
„Das ist schon eine große Belastung für uns, nicht zu wissen, ob wir wieder in eine solche Situation kommen wie vergangenes Jahr“, sagt Burkert. Richtig Zeit, sich mit neuem Konzept zu präsentieren, hatten die Warenhaus-Mitarbeiter nicht. Im Oktober vergangenen Jahres wurde eröffnet, im Dezember schon war wieder der Notbetrieb aktiv. „Dabei haben wir beispielsweise wieder Interessenten für die Gastronomie mit Dachterrasse, aber wenn die Situation nicht geklärt ist, wird das auch nicht spruchreif“, sagt Burkert. Die Mitarbeiter jedenfalls blieben treu. Nur drei hätten seit der neuerlichen Insolvenz gekündigt. Ansonsten sei man eben „eine Familie“. Und doch: Regensburg hat mit zwei Filialen schlechte Karten, wenn es wieder eine Streichliste geben wird. Das wissen auch die Mitarbeiter.
DEZ-Geschäftsführer: „Müssen die Wünsche deutscher Kunden verstehen“
Einer, der Kaufhof seit Jahren als guten Ankermieter kennt, ist Thomas Zink. Der Geschäftsführer des Donau-Einkaufszentrums sagt: „Die Ankündigung, dass 60 plus X der 92 Warenhäuser erhalten bleiben sollen, hat natürlich schon seit einigen Wochen für Unruhe unter der Belegschaft sowie Bedenken hinsichtlich möglicher Schließungen aufkommen lassen.“ Er wolle jedoch „nicht spekulieren, ob und welche Häuser auf einer potenziellen Streichliste stehen könnten“. Letztendlich werde dies von HBC und ihren strategischen Entscheidungen abhängen, „die auf verschiedenen Faktoren wie Rentabilität, Standortattraktivität und Marktpotenzial basieren“.
DEZ-Standort auch in den letzten Jahren profitabel
Die Filiale im Donau-Einkaufszentrum werde laut Zink seit 50 Jahren trotz des schwieriger werdenden Umfelds in Bezug auf Warenhäuser sehr erfolgreich betrieben. „Laut unserer Information war der Standort DEZ auch in den letzten Jahren profitabel“, sagt Zink. „Wir gehen davon aus, dass auch der neue Investor an rentablen Standorten in seinem Portfolio festhalten wird.“ Vor diesem Hintergrund sehe man im Donau-Einkaufszentrum „gute Chancen aufgrund der Lage, der Frequenz und der wirtschaftlichen Situation für die Filiale im DEZ. Ob es wieder eine intensive Diskussion um Doppelstandorte geben wird wie bei der letzten Insolvenz, bleibt abzuwarten“. Aber letztlich hänge die Standortentscheidung von der strategischen Ausrichtung des Investors ab.
Wird diesmal investiert?
Wie schnell es nun gehen wird, zeigt eine Antwort des Insolvenzverwalters Stefan Denkhaus beziehungsweise seines Sprechers: „Wir kommentieren die Medienberichte nicht“, ließ er über einen Sprecher ausrichten. Heute Mittag sei eine Pressekonferenz in der Konzernzentrale in Essen geplant. Zink gibt zu bedenken, was auch Burkert vom Neupfarrplatz bestätigt: „HBC hatte damals die versprochenen Innovationen und Investitionen nicht geleistet.“ Von einigen wenigen Standorten abgesehen, habe HBC die Ankündigung der Einführung neuer Marken und eines Trading-up des Sortiments nicht eingehalten, so der DEZ-Geschäftsführer. Aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit seien „unsere Erwartungen an HBC daher eher verhalten“. Es seien hohe Investitionen in die Warenhäuser notwendig, ein Verständnis für die Wünsche der deutschen Kundschaft sei zudem notwendig. „Wir sind alle sehr gespannt, mit welchen Maßnahmen und Zielen der neue Investor antritt“, schließt Zink.

