Krasser Umbruch: Jetzt erwischt es Esprit – Ex-Chef keilt gegen Management

Esprit verschwindet aus zahlreichen Einkaufszentren – auch in Regensburg. Der Ex-Chef des einstigen Modegiganten, der Regensburger Heinz Krogner, spricht von eklatanten Fehlentscheidungen des Managements. Doch die Branche ist insgesamt in einem krassen Umbruch.
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Eine einst erfolgreiche Marke im Abwärtstrend: Wer aufmerksam durch Shopping-Malls geht, dem wird auffallen, dass die Modemarke Esprit auf dem Rückzug ist. In der Schweiz beantragte die Esprit Switzerland Retail AG ein Konkursverfahren. 23 Läden gab es dort, sie sind seit der vergangenen Woche geschlossen. In Deutschland ist der Konzern PTH Group der größte Franchisenehmer. Mehr als 40 Filialen betrieb PTH unter der Marke Esprit in ganz Deutschland – in Regensburg einen Store in den Arcaden, im Donau-Einkaufszentrum (DEZ) jeweils einen Store für Männer und einen für Frauen. Doch nun wurden bereits 16 Läden in ganz Deutschland umfirmiert – von Esprit zu Catches. Anders als in den Esprit-Geschäften gibt es nicht nur eine Kleidungsmarke. Vielmehr bietet Catches unterschiedliche Marken wie Jack & Jones, Only, Streetone und Selected.
Aus den Regensburger Arcaden ist Esprit nach Angaben von Harald Boll, beim Arcaden-Betreiber ECE für die Center im Südosten Deutschlands, bereits 2019 ausgezogen. Den Wandel in der Modebranche sieht Boll ohnehin in der jeweiligen Ausrichtung und der „Strategie des jeweiligen Mode-Anbieters begründet“.
Zahlreiche Insolvenzen
Ganz anders sieht das Thomas Zink, Geschäftsführer im Donau-Einkaufszentrum. „Der Wandel auf dem Modemarkt ist in vollem Gange“, sagt Zink. Besonders die modische Mitte sei unter Druck, was sich in den Insolvenzen der jüngeren Vergangenheit wie etwa bei den Marken Orsay, Gerry Weber und Hallhuber ausdrücke. Die Hallhuber-Insolvenz betraf auch die Regensburger Altstadt, wo über viele Jahre hinweg eine große Filiale angesiedelt war. Diese steht jetzt leer. Zink findet, dass Billiganbieter wie die chinesischen Online-Plattformen „Shein“ und „Temu“ im unteren Preis-Segment an Bedeutung gewinnen würden. „Im mittleren Preissegment herrscht seit Corona Kaufzurückhaltung und die Ausgaben für Bekleidung finden ganz gezielt statt“, sagt Zink. Man könne aber aufgrund eines flexiblen Vermietungsansatzes „im Donau-Einkaufszentrum aber gut darauf reagieren“.
Auch im Hinblick auf Esprit hat das DEZ den Wandel bereits erlebt. Einen der bisherigen Esprit-Stores hat der Betreiber, besagte PTH-Gruppe, bereits umfirmiert zu Catches. Der Esprit-men-Shop werde laut Zink derzeit zurückgebaut. „Dafür gibt es den Nachmieter Jack & Jones aus der Bestseller-Gruppe“, so der DEZ-Geschäftsführer.
Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen mit Esprit? Ein Regensburger sieht die Entwicklung mit besonderer Sorge: Heinz Krogner. Der 82-Jährige führte die Marke in den 90er und 2000er Jahren zu immer neuen Rekorden. „Wir haben damals bei einem Umsatz von drei Milliarden Euro 700 Millionen Gewinn im Jahr gemacht“, sagt Krogner. Heute schreibe man bei einer Milliarde Euro Umsatz riesige Verluste. „Natürlich verändert sich die Modebranche“, sagt der Regensburger. „Aber eine Firma muss sich auch anpassen.“
Das aber habe Esprit verpasst. Als er noch am Ruder war bei der Modemarke, da waren große Verkaufsflächen im Trend. „Ich würde das heute ganz anders machen. Lieber zwei kleinere Filialen mit 800 Quadratmeter als eine mit 1500.“ Die Käufer von Mode seien auch viel individueller geworden. „Man muss auch das Angebot individualisieren.“ Gleichzeitig verstehe er nicht, wieso seine Nachfolger sich dem unerbittlichen Preiskampf auf dem Modemarkt unterworfen hätten. „Ich würde Qualität liefern. Zara machen andere.“
Genau hier identifiziert Krogner ein Kernproblem von Esprit: „Wenn ein Manager von Zara kommt, versucht er, Zara aus Esprit zu machen. Ein anderer kam von einer Bank, der möchte Esprit führen wie eine Bank.“ Dabei sei der Kern von Esprit verloren gegangen: „Man muss doch die Kunden verstehen und verstehen, was die wollen.“ Europa gebe man auf, wolle nun in Asien wieder Gewinne machen. „Für mich hat die Firma keinen richtigen Platz momentan in ihrem Marktsegment“, sagt der Ex-Esprit-Manager.
Dabei habe die Marke doch alles, was man sich wünschen könne. In den Rankings werde Esprit nach wie vor in Sachen Bekanntheit auf Platz drei geführt, in Sachen Beliebtheit immer noch auf einem respektablen fünften Platz. „Es ist alles da, was man braucht.“
Letztlich verkaufe Esprit nicht nur Mode, „sondern ein Lebensgefühl. Es geht um Geschmack und Stil“, sagt Krogner. Esprit müsse nicht die neueste Mode anbieten, „sondern einen bestimmten Stil, der die richtige Zielgruppe anspricht, die explizit nicht aus 16-jährigen Mädchen besteht“.
Das Internet als Freund
Den Online-Handel sieht Krogner dabei als Freund, nicht als Feind. „Wir haben damals als erste einen Online-Store aufgemacht“, erzählt er. Damals habe man 350 Millionen Euro damit generiert. „Heute ist das auch auf 250 Millionen runtergerauscht – am Internet liegt es also nicht“, so Krogner.

