20 grüne Daumen: Wie Stadtgärtner Sebastian Karl und sein Team den Klimaschutz umsetzen

Cham blüht auf! Das haben sich der Stadtrat und sein Bürgermeister so gewünscht. Spätestens seit dieser Ansage hat der Stadtgärtner alle Hände voll zu tun. Da trifft es sich gut, dass Sebastian Karl zwanzig grüne Daumen hat. Seine und die seiner neun Mitarbeiter.
Die Truppe ist bunt und bestens qualifiziert. Sie hat Spezialisten für Baum und Grün, für Blumen und Klimaschutz. Und seit neuestem: eine Azubine.
Julia Brandl hat eine eigene Ecke im neuen Gewächshaus des Bauhofes. Dort lernt sie derzeit pflastern und pflanzen. Es ist noch gar nicht lange her, da war der Bauhof eine reine Männertruppe. Heute ist das anders.
Frauenpower nimmt zu
Stadtgärtner Sebastian Karl fährt an diesem Vormittag nach Katzbach. Dort arbeiten die zertifizierte Obstbaumpflegerin Daniela Schmid und Azubine Brandl direkt neben dem Katzbach auf einer Ausgleichsfläche. Sie haben heimische Sträucher gepflanzt und rammen gerade zwei Holzpfähle in den Boden. Sie sollen einer schlaksigen Trauerweide den Weg nach oben weisen, solange sie sich noch nicht selber aufrecht halten kann.
Hier zeigt sich schon, was derzeit tägliche Übung ist: Klimaschutz wird immer mitgedacht. Die Stadt hat ein Ökokonto. Dort sammelt sie Flächen und Punkte, um bei der Ausweisung von neuen Baugebieten oder der Versiegelung von Bereichen einen Ausgleich in der Hinterhand zu haben. „Der muss allerdings wertvoller sein als die Fläche, die gebraucht wird“, erklärt Stadtgärtner Karl. Doch die Stadt Cham sei gut vorbereitet: „Wir haben viele Punkte auf dem Konto“, versichert Karl.
Die Stadtgärtnerei hat viele Aufgaben. Im Grunde ist ihr Job alles, was Grün und Baum betrifft: Grünanlagen, Wald, Grünstreifen, Spielplätze, Sportanlagen, Friedhöfe, Natur- und Landschaftspflege.
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Was macht so eine Stadtgärtnerei eigentlich im Winter? Sie nimmt die Resturlaube, plant den Frühling und bereitet ihn vor. Und sie schreibt Maßnahmen aus. „Ohne den Einsatz von Fremdfirmen könnten wir niemals unsere ganzen Grünflächen pflegen“, erklärt Karl.
Inzwischen ändert sich auch die Strategie: Auf dem Marktplatz und im Stadtgebiet wird es immer weniger Einweg-Grün geben, das nach der Saison ersetzt wird. Im Stadtbauhof lagern bereits erste große Kübelpflanzen, die vor dem Kälte-Einbruch dann eingewintert werden um im Frühjahr wieder an ihre Standorte zurückzukehren.
Ein großes und sensibles Thema ist die Baumpflege. Ein Stadtratsbeschluss verdeutlicht die Brisanz: Die Stadtväter wollen über jeden Baum informiert werden, bevor er fällt. Das rettet die Baumspezialisten um den Baumpfleger Sebastian Meier und den Forstwirt Markus Hofmann nicht immer. „Wenn du die Kettensäge anwirfst, sind schon die ersten da, die dich fragen, was das werden soll“, sagt Stadtgärtner Karl. Das hat er erst vor kurzem erlebt, als er mit dem Laptop vor einer Birke neben der Stadtbücherei stand. „Da sind sofort drei gekommen und haben gesagt: Die Birke bleibt! — Wir wollten die gar nicht fällen“, sagt Karl und schmunzelt.
7000 Bäume sind derzeit im städtischen Kataster erfasst. 15000 werden es am Ende sein, schätzt der Stadtgärtner. Es hat sich viel verändert im Bewusstsein der Menschen in den letzten Jahren. Das macht auch vor der Stadtgärtnerei nicht halt. Das Straßenbegleitgrün wird nur noch ein- bis zweimal im Jahr gemäht. Viele Grünflächen nur noch einmal. Eingesetzt wird der Balkenmäher, der den Insekten die Flucht ermöglicht. Etliche von ihnen wohnen inzwischen in Hotels, die im Bauhof gezimmert werden. Demnächst soll auch ein Unimog ein Balkenmähwerk bekommen.
Bei Neupflanzungen wird die richtige Durchmischung berücksichtigt und bevorzugt heimisches Saatgut ausgebracht. Die Situation für Bäume im Stadtgebiet bleibt schwierig. Die Rosskastanie wird von der Miniermotte kahlgefressen, in den Eichen tobt sich der Prozessionsspinner aus. Den Ersatz kennt der Laie oft nicht einmal beim Namen. Gleditschie, Schnurbaum, Eisenholzbaum... Da sind uns Feldahorn, Robinie und Hainbuche schon geläufiger.
Bis auf den Friedhof
Auch ein paar Streuobstwiesen sind im Stadtgebiet schon angelegt worden und alljährlich entstehen Dutzende neuer Vogelhäuschen in Zusammenarbeit mit Schulen und LBV. Und selbst über den Tod hinaus begleiten die grünen Daumen der Stadtgärtnerei die Chamer Bürger. Sie sorgen auch auf dem Friedhof für Leben und Grün.

