Ergotherapie in der Stadt Cham: Ein Trio hilft durch viele Lebenstäler

In jedem Schlechten, das einem im Leben widerfährt, steckt auch immer etwas Positives. Das ist eine Lebensweisheit, deren Beweis Annemarie Schleich selbst antreten kann – viele Lebenstäler liegen hinter ihr. Das Positive darin zu suchen, auszubauen und die Menschen wieder gestärkt ins Leben zurückzuschicken, das ist ihre Berufung, der sie mit ihrem Team in Cham begeistert folgt.
Und das bereits ein Vierteljahrhundert lang – vor 25 Jahren eröffnete die Ergotherapeutin ihre Praxis auf der Schanze. Vorhersehbar war das nicht, denn eigentlich war sie in einem kaufmännischen Beruf unterwegs, als das Schicksal diesen Weg zunichte machte. Als die bis dahin begeisterte Sportlerin 20 Jahre alt war, holte sie eine überwunden gedachte schwere Erkrankung in ihrer Kindheit wieder ein. „Es war gruselig“, sagt sie in der Rückschau, zahlreiche Operationen folgten und zudem die Frühverrentung mit Anfang 20.
Neustart mit Leib und Seele
Es sei ihr Chamer Kinderarzt Dr. Sami Habash gewesen, der sie wieder aufgebaut und ihr geholfen habe, ein neues Ziel zu finden – ihm habe sie viel zu verdanken. Sie schulte bei den Eckert Schulen um, wollte unbedingt selbstständig werden, „was ich bis heute nie bereut habe – das ist mein Lebenselixier.“ Und sie fand in der Ergotherapie die Möglichkeit, den Menschen aus Tälern zu helfen, die sie selbst zuvor durchschritten hatte.
„Deshalb bin ich mit Leib und Seele Ergotherapeutin und will es so lange sein, wie es geht!“, sagt sie. Über Dr. Habash fand sie im April 1999 auch Praxisräume – im Haus von dessen Freund, dem Augenarzt Dr. Peter Reznicek, auf der Schanze. „Seitdem bin ich dem Himmel etwas näher“, beschreibt es Annemarie Schleich. Allein die Lage dort, hoch oben unterm Dach mit Sicht bis zum Hohenbogen, dem Arber und Osser dürfte manchem Patienten Linderung bringen.
Für mehr Lebensqualität
Wer da zuerst kommt, sind zunächst die Jüngsten. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, im Leben meiner kleinen und großen Klienten ein Mosaikstein zu sein, um ihnen mehr Lebensqualität zu ermöglichen“, so die Praxisinhaberin.
Vor allem für die pädiatrische Arbeit bringe sie viel Herzblut auf. Viele Kinder würden heute in einer medial-digital bestimmten Welt aufwachsen. Statt auf Bäume zu kraxeln, wische man übers Handy oder schaue TV. Das bringe oft Defizite mit sich. Dazu habe die Coronazeit bei vielen Kindern Spuren hinterlassen: „Der Leidensdruck ist oft hoch.“ Ihr Kollege Andreas Grein, der seit 2006 dabei ist, habe neben umfassender Ergotherapie-Ausbildungen auch Lehramt studiert: „Er hat ein Händchen für die Arbeit mit Jüngeren.“
Wie auch die dritte im Team, Anna-Lena Valta, die erst seit Januar dabei ist. Die Kinder kämen etwa mit Lernproblemen durch ADHS oder LRS in die Praxis. Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern sei nötig, da viele Übungen zu Hause trainiert werden müssten. Es gehe ihr und ihrem Team in Zusammenarbeit mit der Familie dabei um eine ganzheitliche Behandlung: „Wir vereinbaren gemeinsam Ziele, die erreicht werden sollen.“ Bei den Kindern soll am Ende ein Start in die Schulzeit ohne Probleme gelingen.
Auch zum Thema Gesundheit: In Roding entsteht ein Gesundheitscampus – Projektmanager gibt Überblick
Bei Erwachsenen seien es etwa Defizite nach einem Schlaganfall oder einer Operation, um die Feinmotorik zu verbessern. „Wir haben viel mit Händen zu tun“, sagt sie. Hier gelte es, durch Übungen die Finger wieder zu sensibilisieren. Es kämen aber auch Demenzkranke mit Angehörigen zur Behandlung und Beratung.
„Das Wichtigste bei allem ist immer zuerst, den Stress und die Anspannung rauszunehmen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, sagt Annemarie Schleich. Sie setzt bewusst in ihrer Praxis auf ein kleines Team – sie will immer alle Patienten selbst kennenlernen. So sei auch die Qualität der Behandlung gesichert, meint sie – um alle am Ende gestärkt aus den Lebenstälern herauszuführen.
Seit 25 Jahren Ergotherapie auf der Schanze
Praxis: Die ergotherapeutische Praxis von Annemarie Schleich, die heuer bereits seit 25 Jahren besteht, ist dem Himmel nahe. Im obersten Stockwerk im Haus Auf der Schanze 9 mit weitem Blick über Cham und zu den Bayerwaldbergen ist sie zu finden.
Team: Die Praxis wuchs ab 1999 schnell. Heute arbeiten sie im Trio – neben Annemarie Schleich sind die Ergotherapeuten Andreas Grein (52) und Anna-Lena Valta (23) dabei. Qualität gehe ihr vor Quantität, das begrenze das Wachstum, so Annemarie Schleich.
Schwerpunkte: Die ergotherapeutische Behandlung von Kindern, etwa bei Lernproblemen, ist ein wichtiger Baustein der Praxis. Dazu kommen Patienten mit neurologischen, orthopädischen, geriatrischen Problemen, nach Schlaganfällen, Operationen oder bei Demenz



