Kleine Stiche gegen große Schmerzen: Cornelia Wersig bekämpft Beschwerden mit Nadelstichen

Von Christoph Klöckner · 3. Dezember 2023 um 11:00

Kleine Nadelstiche können eine große Wirkung erzielen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es funktioniert nach einer an sich simplen Methode – es geht um Reiz und Reaktion. Der Haken an der Sache: Man muss wissen, wo man stechen muss, um die richtige Reaktion zu erzielen. Und dafür hat Cham jetzt eine Spezialistin – die Orthopädin Cornelia Wersig hat jetzt die langwierige Fortbildung zur Akkupunktur-Meisterin bei der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DAGfA) abgeschlossen.

Die Zeit, wo die Arbeit mit den kleinen Nadeln etwas Exotisches hatte, ist lange vorbei – selbst die Schulmedizin erkennt die Akupunktur als Therapie an. Doch geschützt ist die Behandlung nicht – das heißt, jeder kann Nadelstiche setzen, ohne Nachweis von Wissen oder Ausbildung. Für die Chamer Orthopädin und Schmerztherapeutin Cornelia Wersig ist das kein Grund, den Nadeln in ihren Händen zu misstrauen – in ihrer Praxis hat sie viele Erfolge mit Akupunktur erzielt. Um ihren Patienten beste Hilfe bieten zu können, hat sie 2023 nach langwieriger Weiterbildung den Meistertitel für Akupunktur absolviert und mit der Prüfung vor der Ärztekammer abgeschlossen.

Lesen Sie hier: Boierhof in Willmering: Julia Hausladen kämpft mit Lichterfesten für ihr Herzensprojekt

Das bedeutete 430 Stunden Wissen und Techniken moderner und traditioneller Akupunktur in Wochenendseminaren bei der DAGfA. Bereits 2011 hat die Fachärztin die Grundausbildung Akupunktur begonnen. Erst wenn die Grundlagen in Schmerztherapie und Somatik geschafft seien, dürfe eine Behandlung auch über die Krankenkasse abgerechnet werden, erläutert Cornelia Wersig – wobei dies nur für chronische Knie- und Rückenschmerzen gelte.

Viele Techniken

Gelehrt werden eine genauere Anamnese, andere Techniken, etwa Elektroakupunktur, Laser- und Massageakupunktur oder auch die Moxibustion. Neben den Nadeln nutzt Wersig auch diese punktförmige Erwärmung mit in ihrer Chamer Praxis. Dabei werden kleine Klebekegel aus getrocknetem und gepresstem Beifußkraut an vorgesehenen Stellen am Körper gesetzt und oben entzündet: „Da muss man schon aufpassen, dass es dem Patienten nicht zu heiß wird!“ Die Wärme des Heilkrauts bringe dann die Erleichterung, etwa bei Arthrose.

„Es gibt viele Schulen für Akupunktur“, sagt Cornelia Wersig. In ihrer DAGfA-Prüfung galt es dann, für zwei Patienten je zwei Tage lang ein Behandlungskonzept zu entwerfen, den Prüfern vorzustellen und dann zu „nadeln“, also die kleinen, extrem spitz zugefeilten Spezialnadeln an die richtigen Stellen zu platzieren.

„Bei der Akupunktur passiert ganz viel“, sagt sie aus Erfahrung: „Man kommt den Menschen sehr nahe, nicht nur biomechanisch wird da einiges über die Neurotransmitter ausgelöst.“ Manches Trauma aus der Kindheit, etwa vom Krieg, löse sich, bringe Emotionen an die Oberfläche, die sich aufgestaut hätten. Denn die Behandlung sei nach alter chinesischer Lesart eine, die Körper und Geist – also ganzheitlich – ansetze. „Es gibt Patienten, die weinen dabei“, sagt Wersig. Viele könnten sich nicht vorstellen, dass solch kleine Nadeln große Wirkungen haben – und seien dann überrascht. Und sie habe schon viele, ganz unterschiedliche Reaktionen bei den Sitzungen erlebt: „Es gibt da irre Effekte.“

Und wogegen hilft Akupunktur? Viele chronische Schmerzarten im Bewegungsapparat aber auch Migräne, Verdauungsbeschwerden oder auch gynäkologische Beschwerden können kann mit den Nadeln bekämpft werden – und das auch über Stellen, die weit weg vom Schmerzort selbst sind. Das Ohr gilt etwa als solch ein Zielort, von wo aus mit gezielten Nadelstichen bestimmte Schmerzregionen behandelbar sind. „Jede Nadel stellt dabei dem Körper eine Aufgabe“, beschreibt die Ärztin.

Viele sind überrascht

Ihre Patienten bekommt sie häufig von Kollegen zugewiesen. Oft seien es Knieschmerzen und der Patient wolle keine Operation, sagt Cornelia Wersig. „Wichtig ist, dass man sich Zeit dafür nimmt!“, betont sie. Es gelte, zunächst viel über den Patienten zu erfragen, ihn auch anzupacken und sich den Körper anzuschauen. Beobachtung sei ein wichtiges Hilfsmittel, um Patientenprobleme zu offenbaren. „Natürlich sehe ich etwas im Röntgenbild“, sagt sei, wenn Bandscheibenschädigungen da seien. Doch sei das nicht automatisch der Ort, der die Schmerzen auslöse. Daher setze sie eher weniger auf Apparatemedizin, sondern mehr auf eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen.

Andere Patienten kommen, weil sich ihre Behandlungsmethodik rumgesprochen hat. Viele kämen immer wieder, um sich auf die Liege zu legen und entspannt genadelt zu werden – um danach die Besserung ihrer Leiden durch kleiner Nadel-Piekse zu spüren.

Die Orthopädin und Schmerztherapeutin Dr. Cornelia Wersig hat jetzt die Meisterprüfung in Akupunktur abgelegt.
Wo hilft welche Nadel? Das Ohr ist sozusagen ein Zugang, von wo aus verschiedene Körperregionen mit den Nadeln angesteuert werden können. Fotos: Klöckner